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23.05.2024
Patrick Hughes’ Sci-Fi-Actionfilm „War Machine“ mit Alan Ritchson verbindet Militärdrama und Alien-Invasion – teils spektakulär inszeniert, aber erzählerisch überraschend eindimensional.
Mit „War Machine“ versucht Regisseur Patrick Hughes („The Expendables 3“) einen Hybrid aus Sci-Fi-Spektakel und Militärdrama zu formen. Der Actionfilm verbindet Soldatenpathos mit extraterrestrischer Bedrohung – und schwankt dabei zwischen Genre-Referenz und Rekrutierungsfantasie. Stilistisch bewegt sich der Netflix-Actioner deutlich im Fahrwasser klassischer Militär-Sci-Fi der Achtziger und Neunziger. Filme wie „Predator“ oder „Starship Troopers“ stehen mit einer Prise „Independence Day“ unverkennbar Pate, ohne deren Einfallsreichtum und ikonische Wucht zu erreichen: muskelbepackte Helden, klare Fronten, große Explosionen. Während jene Vorbilder ihre Übertreibungen mit augenzwinkernder Genre-Energie aufluden, inszeniert Hughes das Ganze überraschend ernst und mit einem deutlich spürbaren ideologischen Unterton. Der Versuch, militärische Traumata mit apokalyptischem Spektakel zu verknüpfen, bleibt ein Balanceakt, der nicht immer gelingt.
Ein namenloser Staff Sergeant (Alan Ritchson) überlebt einen verheerenden Taliban-Angriff in Afghanistan, bei dem fast seine ganze Kompanie und sein Bruder (Jai Courtney) sterben. Zwei Jahre später versucht er, beim berüchtigten Auswahlprogramm des 75th Ranger Regiment in Colorado einen Neuanfang zu machen – ein Traum, den er einst mit seinem Bruder geteilt hatte. Unter der strengen Aufsicht von Ausbildern wie Sergeant Major Sheridan (Dennis Quaid) kämpft der traumatisierte Soldat nicht nur mit den Anforderungen der Ausbildung, sondern auch mit seinem eigenen PTSD.
Während eines finalen Trainingsmanövers – einer simulierten Rettungsmission in einem Waldgebiet – verdichten sich gleichzeitig beunruhigende Nachrichten über ein Objekt aus dem All, das in Fragmente zerbricht und sich der Erde nähert. Damit kippt die isolierte Militärübung plötzlich in ein Szenario, das durch außerirdische Invasoren völlig außer Kontrolle gerät.

Actionstar Alan Ritchson („Fast & Furious 10“), dessen massive „Reacher“-Statur beinahe selbst zum Spezialeffekt gerät, bringt die nötige physische Präsenz mit, um „War Machine“ zu tragen. Sein stoischer Blick und die permanent unterdrückte Wut verleihen der Figur eine rohe Intensität. Allerdings bleibt die Rolle erstaunlich eindimensional; der Film gibt ihm kaum Gelegenheit, mehr als körperliche oder emotionale Qual auszustellen.
Problematischer ist der Tonfall. Hughes inszeniert mit bemerkenswerter Direktheit: Gewalt und Zerstörung folgen Schlag auf Schlag, entfesselt von einer stummen, technisch überlegenen außerirdischen Bedrohung, deren an „Star Wars“ erinnernde Laser-Walker ganze Landstriche verwüsten. Doch statt daraus eine existenzielle Sci-Fi-Parabel wie beim großen Vorbild des „Predator“-Franchise zu formen, reduziert Hughes das Chaos letztlich auf den kathartischen Moment seines (Anti-)Helden. Mit dieser Figur bleibt das Publikum allerdings auf Distanz, da der traumatisierte Soldat jede Form der Kommunikation mit seinen Kameraden konsequent verweigert.

So verwandelt sich das Spektakel zunehmend in eine pathetische Erzählung militärischer Selbstbehauptung. Der martialische Ernst, mit dem das Finale inszeniert ist – und dabei bereits Teil 2 vorbereitet – lässt das Ganze stellenweise wie ein Hochglanz-Rekrutierungsvideo wirken: eine überraschend plumpe Pointe für ein Genre, das eigentlich von Ironie und Übertreibung lebt.
Fazit: „War Machine“ liefert solide Action und einen charismatisch-stoischen Alan Ritchson, verschenkt jedoch sein Sci-Fi-Potenzial durch eindimensionale Dramaturgie und allzu deutliche Botschaften. Ein unterhaltsamer, aber ideologisch fragwürdiger Genre-Mix, der mehr Muskelkraft als erzählerische Finesse besitzt.