Vaiana – Kritik

Filmkritik

2.5/5

Filmkritik: „Vaiana“ – Ein Realfilm-Remake, das niemand gebraucht hat

Zehn Jahre nach dem Animationshit schickt Disney die mutige Vaiana erneut auf die Reise. Regisseur Thomas Kail liefert mit der Realverfilmung „Vaiana“ ein technisch beeindruckendes Werk ab. Doch während die Optik glänzt, bleibt die wichtigste Zutat auf der Strecke: die Seele des Originals.

Die Formel der aktuellen Disney-Remakes ist bekannt und wird auch hier rigoros durchgezogen: Warum etwas ändern, das schon einmal funktioniert hat? Die Realverfilmung „Vaiana“ erzählt exakt dieselbe Geschichte wie der Animationsklassiker von 2016. Angetrieben vom Ruf des Ozeans verlässt Vaiana (Catherine Laga’aia) ihre Heimatinsel Motunui und sucht den Halbgott Maui (Dwayne Johnson), um ihre Gemeinschaft zu retten. Sie begibt sich in ein Abenteuer voller Mut, Selbstvertrauen und Entdeckergeist. Das Problem dabei? Es ist einfach noch einmal exakt derselbe Film – nur eben mit echten Menschen.

Ohne die Seele des Originals

Dass Real-Remakes von Animationsklassikern absolut funktionieren und das Publikum packen können, hat die Konkurrenz in der Vergangenheit bereits bewiesen (man denke nur an die gelungene Real-Adaption von DreamWorks’ „Drachenzähmen leicht gemacht“). Bei „Vaiana“ geht diese Rechnung allerdings nur bedingt auf. Natürlich ist der Film handwerklich makellos und optisch einwandfrei produziert. Doch der echte Zauber, der den Animationsfilm so besonders machte, will im Kinosessel einfach nicht überspringen.

Catherine Laga'aia in „Vaiana“ (© Walt Disney)
Catherine Laga'aia in „Vaiana“ (© Walt Disney)

Die ehemals farbprächtigen, lebendigen Bilder des Originals mussten dem typischen, etwas unterkühlten Blockbuster-Look weichen. Wer das Original unter der Regie von Ron Clements und John Musker kennt, wird sich hier schnell langweilen.

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Es ist ein Film, der zwar „nice to have“ ist, den die Kinowelt aber nicht wirklich gebraucht hätte. Am Ende wird man sogar das unterschwellige Gefühl nicht los, dass hier vor allem das Studio-Konto gefüllt werden sollte, anstatt der Liebe zum Filmemachen Ausdruck zu verleihen.

Dwayne Johnson in „Vaiana“ (© Walt Disney)
Dwayne Johnson in „Vaiana“ (© Walt Disney)

Darstellerisches Ungleichgewicht

Dass das Südsee-Abenteuer nicht komplett Schiffbruch erleidet, liegt einzig und allein am Cast. Hier sticht eine absolute Entdeckung heraus: Newcomerin Catherine Laga’aia ist eine sensationelle Besetzung für die Titelrolle. Mit einer beeindruckenden Leinwandpräsenz spielt sie ihren prominenten Co-Star Dwayne „The Rock“ Johnson (der wie im Original den Halbgott Maui mimt) meilenweit an die Wand.

Das darstellerische Ungleichgewicht ist jedoch spürbar: Während Johnson routiniert seine bekannte Hollywood-Persona abspult, versteht Laga’aia die Tiefe ihrer Rolle sichtlich besser. Das führt dazu, dass Vaiana die einzige wirklich vielschichtige Figur des Films bleibt. Das restliche Ensemble kratzt leider nur an der Oberfläche und bleibt zunehmend flach.

Catherine Laga'aia in „Vaiana“ (© Walt Disney)
Catherine Laga'aia in „Vaiana“ (© Walt Disney)

Ein weiterer Rettungsanker sind auch die altbekannten Songs. Genau wie vor zehn Jahren entfalten die epischen Melodien von „How Far I’ll Go“, „You’re Welcome“ und „We Know The Way“ auch in der Realverfilmung sofort ihre Wirkung und sorgen für die wenigen echten Gänsehautmomente des Films – und den bekannten Disney-Zauber.

Fazit: Thomas Kails Realverfilmung von Disneys „Vaiana“ ist ein visuell makelloses, aber seltsam seelenloses Déjà-vu auf hoher See. Während die bekannten Songs und eine überragende Newcomerin Catherine Laga’aia das Abenteuer vor dem Kentern bewahren, hinterlässt das Remake am Ende vor allem den fahlen Beigeschmack eines kalkulierten Blockbusters, den es schlichtweg nicht gebraucht hätte.

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