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06.10.2026
Tony Curtis spielt in „Sein großer Kampf“ einen taubstummen Boxer zwischen Karriere, Liebe und persönlicher Krise – ein ungewöhnlich inszenierter Boxerfilm.
Die 40er und 50er Jahre bildeten eine erste goldene Ära des Boxsports, in der Legenden wie Rocky Marciano ihre großen Erfolge feierten. Auch das Kino begann sich für diesen Sport zu interessieren und so erhielt eine ganze Reihe Stars die Gelegenheit, nicht nur ihr schauspielerisches Talent zu zeigen, sondern auch Muskeln spielen zu lassen. In dem Boxer-Drama „Sein großer Kampf“ kämpft Tony Curtis vor allem mit sich selbst.
Der taubstumme Boxer Paul Callan (Tony Curtis) ist auf dem Weg, einer der großen im Weltergewicht zu werden. Seine Behinderung hilft ihm bei der Konzentration im Kampf. Eines Tages trifft er auf die verschlagene Sony Bartow (Jane Sterling), die sich von der Brutalität der Kämpfe angezogen fühlt und glaubt, Paul zum endgültigen Durchbruch verhelfen zu können. Tatsächlich treibt sie seine Karriere voran, nutzt aber auch seine Gutgläubigkeit aus. Als die Reporterin Ann Hollis (Mona Freeman) einen Artikel über den taubstummen Boxer verfassen möchte, kommt Pauls Gefühlswelt gehörig in Schieflage und als es ihm durch eine Operation sogar ermöglicht wird, einen Teil seiner Hörfähigkeit zu erlangen, zeigt es sich rasch, dass dies nicht unbedingt ein Vorteil sein muss.

In vielerlei Hinsicht ist „Sein großer Kampf“ ein typischer Boxerfilm, der die harten, teils brutalen sportlichen Auseinandersetzungen eines Protagonisten inneren Kämpfen gegenüberstellt, die Spannung und Dramatik erzeugen. In diesem Fall sind es letztlich sogar zwei recht clever miteinander verstrickte Nebenplots, denn zum einen dreht sich der Film um die Gehörlosigkeit Callans, die zunächst als Vorteil für den Boxer skizziert wird, sich aber privat als Nachteil erweist, da viele ihn deswegen für geistig minderbemittelt halten.
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Verständlicherweise will Paul diesen Makel beseitigen, um ein „normaler“ Mensch zu werden, muss aber bald feststellen, dass ihm der neue Sinn regelrecht Angst macht. Diese Momente sind stark inszeniert und obwohl „Sein großer Kampf“ seinerzeit ein klarer B-Film der Universal-Studios war, kann Regisseur Joseph Pevney Callans Gefühle durch einfache, aber hocheffektive Soundeffekte und Montagetechniken visualisieren. So ist das Erste, was Paul nach seiner Operation hört, der Regen, der gegen sein Fenster prasselt, was mit einfachen Schnitten gut nachvollziehbar inszeniert wird.
Die zweite private Handlungsebene bildet Pauls wechselhafte Beziehungen zu den Frauen an seiner Seite. Die von Jane Sterling überzeugend gespielte Sony Bartow scheint als Femme fatal dem damals ebenfalls populären Film Noir entsprungen zu sein. Zwar verspürt sie eine körperliche Faszination, die von dem Boxer Callan ausgeht und ist bereit, seine Karriere zu pushen, sucht aber dabei letztlich nur ihre eigenen Vorteile und glaubt, über dem vermeintlich dummen Taubstummen zu stehen. Die empathische Mona Freeman will dagegen uneigennützig versuchen, Paul zu helfen und seine Hörfähigkeit zurückzuerlangen, stürzt ihn aber dadurch in eine Krise, die ihn zunächst in Sonys Armee zurücktreibt.
Diese bisweilen fast melodramatischen, aber nie kitschigen Beziehungsgeflechte halten die Spannung in dem Film hoch, der mit einer ohnehin knackig kurzen Spielzeit von gerade einmal 82 Minuten daherkommt und sich darüber hinaus viel Zeit für die Boxszenen nimmt. Hier kann Curtis durchaus glänzen und zeigt in den langen Kampfeinstellungen, dass er vor den Dreharbeiten boxerisch gut ausgebildet worden war. Tatsächlich hatte er sich bei dem intensiven Training den Daumen gebrochen, sodass Pevney den ganzen Drehplan abändern und die Boxszenen nach hinten verschieben musste, damit sein Star mit vollem Körpereinsatz drehen konnte. Dass der Regisseur mit „Ausgezählt“ im Vorjahr bereits einen Boxfilm gedreht hatte, merkt man den exzellent in Szene gesetzten Fightszenen an.
Aber auch abseits des Rings zeigt Pevney, dass er über das Talent verfügte, ein Projekt mit beschränkten Mitteln gut aussehen zu lassen. Er setzt auf ungewöhnlich viele gut inszenierte Nahaufnahmen und arbeitet das Seelenleben seines Protagonisten durch die kreative Verwendung von Sound und Montage heraus, die seinen Film von der üblichen Stangenware der Universal-B-Pictures wohltuend abhebt. Dank dieser innovativen Inszenierung, aber auch des heute immer noch modern anmutenden Menschen, der lernen muss, eine Behinderung als Teil seiner Persönlichkeit zu akzeptieren, ist der Film auch heute noch gut anzusehen.
Zwar war „Sein großer Kampf“ 1952 ein ordentlicher Erfolg für Universal und gab der Karriere von Tony Curtis einen ordentlichen Push, erstaunlicherweise fand sein Spiel bei zeitgenössischen Kritikern oft wenig Beifall und wurde als hölzern kritisiert. Der Star meinte später, dass aus dem Stoff mehr herauszuholen gewesen wäre, wenn sich Pevney mehr Zeit genommen hätte. Bei derartigen Produktionen waren allerdings in dieser Hinsicht meist enge Grenzen gesetzt und mit reichlich vier Wochen Drehzeit waren sie für ein B-Picture dieser Zeit schon fast großzügig bemessen.
Rückblickend ist auch Curtis‘ Leistung besser zu bewerten, als es ihm damals zugestanden wurde. Was man gelegentlich als hölzern empfinden mag, passt ganz gut zur privaten Unsicherheit Callans in der ersten Filmhälfte, die die Figur später ablegt, was Curtis auch durch ein wesentlich nuancierteres Spiel herausarbeitet. Dass er mit Pevney nicht ganz unzufrieden gewesen sein kann, zeigt nicht zuletzt der Umstand, dass er noch zwei weitere sehenswerte B-Pictures mit ihm drehte: „Seine letzte Chance“ (1955) und „Der Tod war schneller“ (1957).
Fazit: „Sein großer Kampf“ ist äußerst kurzweiliger Boxerfilm, mit gut gealterten Kampfszenen, einer komplexen, aber nie komplizierten Handlung, der sich durch seine clevere Inszenierung hervortut und thematisch auch heute sein Publikum finden würde.