
Die weltweit erfolgreichsten Filme 2026: „Michael“ kratzt schon an 600-Millionen-Dollar-Marke
12.05.2026
„Robin Hood – König der Diebe“ überzeugt mit starken Darstellern, epischer Action und unvergesslicher Musik – ein Abenteuerfilm voller Energie.
1990 katapultierte sich Kevin Costner mit seinem Meisterwerk und siebenfachen Oscargewinners „Der mit dem Wolf tanzt“ an die Spitze von Hollywood und drehte in der Folge eine Reihe von Blockbustern, von denen viele gute Kasse machen. Bei seinem ersten Projekt „Robin Hood – König der Diebe“ warfen die Kritiker jedoch ein besonders kritisches Auge auf den gehypten Star und prämierten ihn mit einer goldenen Himbeere – zu Unrecht!
Der junge Ritter Robin von Locksley (Kevin Costner) ist während des dritten Kreuzzugs in muslimische Gefangenschaft geraten. Nach fünf Jahren kann er sich aus einem Jerusalemer Kerker befreien, wobei er auch den zum Tode verurteilten Azeem (Morgan Freeman) rettet. Robin sehnt sich nach einer schnellen Rückkehr, doch in England findet er die heimatliche Burg niedergebrannt und seinen Vater (Brian Blessed) ermordet. Der alte, geblendete Diener Duncan (Walter Sparrow) berichtet ihm, dass der Sheriff von Nottingham (Alan Rickman) für die Tat verantwortlich sei und die Locksley-Güter eingezogen habe. Verfolgt von den Männern des Sheriffs flieht Robin in die Wälder des Sherwood Forest, wo sich auch andere Gesetzlose versteckt halten, die er schon bald zu einer schlagkräftigen Armee formt. Als er den Kampf gegen den Sheriff aufnimmt, erkennt er, dass dieser große Pläne schmiedet.

Die Legende um Robin Hood ist bereits vielfach verfilmt worden. Nicht nur visuell stilprägend gilt der Abenteuer-Klassiker „Robin Hood – König der Vagabunden“ von Michael Curtiz aus dem Jahr 1938 mit Errol Flynn in der Hauptrolle. Zwischen 1984 und 1986 feierte die Fernsehserie „Robin Hood“ des britischen Senders HTV große Erfolge, die die alte Sage um gewisse Fantasyelemente aufpeppte. Das von Pen Densham und John Watson für „Robin Hood – König der Diebe“ verfasste Drehbuch greift viele Ideen der Serie auf, etwa den Angriff der heidnischen Kelten – eine letzte Reminiszenz an die in den Achtzigern populären „Barbarenfilme“ à la „Conan“ – oder den korrupten Kirchenfürsten, der Menschen der Hexerei anklagt, sie hinrichten lässt und ihren Besitz einzieht, woraus für den Film geschickt eine Nebenhandlung um den von Harold Innocent (sic!) gespielten Bischof gestrickt wird.
Auch die Figur der Hexe Mortianna (Geraldine McEwan), die den Sheriff berät und lenkt, ist sicherlich von der Serie inspiriert. Insgesamt gelingt es den Autoren, einer Vielzahl von Figuren durch ein paar rasche Pinselstriche Charakter zu verleihen und die Geschichte durch eine Reihe von Nebenhandlungen aufzupeppen, ohne dass der Film mit seinen knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit jemals lang wirkt.
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Zu diesen Nebenschauplätzen zählt auch die Geschichte über die angespannte Beziehung von Robin und seinem Vater, die erklärt, warum dieser als junger Mann überhaupt an den Kreuzzügen teilnahm. Stück für Stück wird der ambivalente Vater-Sohn-Konflikt im Laufe des Films freigelegt und wartet am Ende mit einem interessanten Twist auf, der erklärt, warum ihn der von Christian Slater gespielte Will Scarlett den ganzen Film über mit tiefer Abneigung betrachtet. Bezogen auf den Helden folgt der Film einem sehr klassischen Spannungsaufbau, der Robin sukzessive als Gegner des Sheriffs aufbaut, ihn dann einen großen Rückschlag widerfahren lässt, ehe er regelrecht wiederaufersteht und in die finale Auseinandersetzung geht.
Die vielen Figuren werden durch die Bank weg herausragend gespielt. Morgan Freemans Figur Azeem, die wohl ebenfalls von der Serie inspiriert wurde, ermöglicht es auf nicht immer subtile, aber nie aufdringliche Art und Weise die moderne Frage nach Toleranz zu thematisieren, Michael Wincott, der zu dieser Zeit wohl jede Schurkenfigur in Historienebenen mimte, liefert routiniert als Guy von Gisborne ab, Mary Elizabeth Mastrantonios Lady Marian tritt zunächst als recht emanzipierte Frau in Erscheinung, muss aber – eine der wenigen kleinen Schwächen des Drehbuchs – am Ende doch in die Rolle des schutzbedürftigen Love Interest zurückfallen.
Kultstatus erlangte der von Alan Rickman gespielte Sheriff von Nottingham. Rickman war wohl zunächst wenig angetan von dem Drehbuch und sagte erst für den Film zu, als ihm erlaubt wurde, einen Großteil seiner Dialoge zu improvisieren (wir können froh sein, dass nach dem Betrachten dieses Films noch kein deutscher Politiker auf die Idee kam, Löffelverbotszonen bei uns einzuführen). Da er zuvor als deutscher Bösewicht Hans Gruber im ersten „Stirb langsam“ brilliert hatte, erhielt Rickman eine Carte Blanche und wurde für seine Leistung mit dem BAFTA Award ausgezeichnet.
Wesentlich härter gingen die Kritiker mit Kevin Costner („Horizon“) ins Gericht. Amerikaner wie Engländer störten sich an seinem lässigen Akzent, der nicht authentisch sei – als ob irgendetwas in dem Film ein authentisches Mittelalterbild skizzieren würde. Dabei nahm Costner tatsächlich Sprachunterricht, konnte diesen aufgrund der hastigen Dreharbeiten aber nicht fortführen. Sein Robin ist in vielerlei Hinsicht eine typische Costner-Figur, kein extrovertierter Held wie Errol Flynn, sondern eine eher in sich gekehrte Figur, nicht wirklich ein Führer der Massen, sondern in seinem Inneren ein Einzelgänger.
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Nicht umsonst warnt ihn Azeem, als er die Gesetzlosen zu einer Bande formt, er solle es nicht nur um seiner selbst willen tun. Doch genau das scheint dieser Robin zu tun, er will Rache am Sheriff, erfährt erst nach und nach von dessen Intrige gegen König Richard Löwenherz und beginnt, seinen Kampf als Kampf für den König zu sehen. Der im Zuge der Kreuzzüge gereifte Mann, beginnt Verantwortung zu übernehmen.
Doch als er in der finalen Auseinandersetzung Lady Marian aus den Fängen des Sheriffs befreien will, ist es wiederum Azeem, der das unterdrückte Volk zum Aufstand anstachelt. Auch in seinem Umgang mit Marian zeigen sich Elemente, die sich in etlichen von Costners Heldenfiguren finden. Er ist eben nicht der strahlende Ritter, der es genießt, sich von seinem Love Interest anhimmeln zu lassen, sondern ein Allerwelts-Mann, der sich von ihr angezogen fühlt, sich aber von ihrer zunächst verschlossenen Art auch rasch verunsichern lässt.
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Den Mut zu finden, eine Frau zu erobern, stellt oftmals eine der größten Herausforderungen für seine Figuren dar und gerade dies macht sie um so vieles menschlicher. Aus all diesen Elementen stricken Drehbuch und Hauptdarsteller eine ambivalente und vielschichtige Figur, der auch immer wieder Raum für humorvoll-ironische Momente gegeben wird, ohne die Stringenz ihrer Darstellung zu brechen. Insofern sind die vielen Nominierungen und Preise als Bester Hauptdarsteller (Jupiter und Saturn Award) gerechtfertigter als die goldene Himbeere.
Wie im Blick auf die Figur Robins schafft es der Film generell recht gut, zwischen düsteren Handlungsmomenten und Gewaltszenen – Star-Kritiker Richard Schickel störte sich einst an den wenig familienfreudigen „Gore-Szenen“ – und ironisch gebrochenen oder bewusst übertriebenen Darstellungen hin und her zu wechseln, etwaRdie Mauern von Schloss Nottingham schießen zu lassen – anscheinend wohl wissend, dass sie genau in einem Heuhaufen landen werden –, wenn der muslimische Säbelschwinger englische Bauern im Fechten unterrichtet und dabei französische Fachausdrücke verwendet („Quinte“, „Seconde“ „Terze“) oder wenn Bruder Tuck (Michael McShane) sich am Ende direkt an die Zuschauer wendet und sie auffordert, zu verschwinden, damit man endlich mit dem Feiern anfangen kann. Die Filmemacher hatten sichtlich Spaß an ihrer Arbeit und die kommt auch beim Zuschauer an.
Auch auf der handwerklichen Ebene ist der Film solide umgesetzt. Kevin Reynolds‘ Regie ist dynamisch und präsentiert immer wieder interessante Close-ups, bei denen die Schauspieler oft direkt in die Kamera schauen. Auch der Score von Michael Kamen sticht bereits in der ausführlichen Eröffnungssequenz, die damals eigentlich schon aus der Mode waren, positiv heraus. Sein klassischer, von Blechbläsern dominierter Soundtrack hat einen Wiedererkennungswert, wie er vielen modernen, eher von Soundeffekten als Instrumenten geprägten Kompositionen abgeht und ist perfekt auf die Handlung abgestimmt, obwohl die Kinofassung in großer Hast fertiggestellt werden musste, um einen übereilt festgelegten Veröffentlichungstermin einzuhalten. Für die MTV-Generation steuerte Bryan Adams „(Everything I do) I do it for you” als Abspannsong bei, der aber im Film auch in einer romantischen Instrumentalversion präsentiert wird.
Der Look des Films weicht deutlich vom Bild des „Helden in Strumpfhosen“ ab, das durch den Errol-Flynn-Klassiker geprägt wurde. Auch hier sind Einflüsse der Serie sichtbar. Die Kleidung der Helden, etwa die oft gezeigten Flickenmäntel, wirkt teilweise wie eine Mittelalterversion des „Mad Max“-Looks. Die schwarzen Roben von Nottingham und Guy von Gisborne tragen hingegen starke Fantasyelemente. Authentisch ist das alles sicherlich nicht, aber stimmig.
Bald nach Erscheinen des Films wurden Stimmen laut, dass dieser um etliche Szenen mit Alan Rickman gekürzt wurde, da dessen Spiel Kevin Costner die Show stehlen würde. Tatsächlich kam 2003 eine Langfassung auf den Markt, die dessen Beziehung zu Mortianna und sein Komplott gegen den König näher beleuchten. Sie ergeben durchaus Sinn, stören aber den fein ausbalancierten Rhythmus der Kinofassung und machen den Film letztendlich nicht nur im Hinblick auf seine Laufzeit „länger“.
Zudem stellt sich die Frage, ob die Szenen, die den Sheriff etwas tiefer beleuchten, ihm nicht auch ein wenig von seiner Bedrohlichkeit nehmen. Manchmal ist weniger eben mehr, auch wenn Rickman grandios spielt. Im Deutschen leidet diese Fassung, die teilweise von denselben Sprechern neu eingesprochen wurde, unter der wesentlich liebloser wirkenden Synchronisation und einer schlechteren Tonabmischung. In seiner Originalfassung ist „Robin Hood – König der Diebe“ allerdings extrem unterhaltsames Abenteuerkino.
Fazit: Kevin Costner kann es mit Pfeil und Bogen so gut wie mit dem Colt, Alan Rickmans Sheriff ist eine der ikonischsten Schurkenfiguren der vergangenen Jahrzehnte, und Michael Kamens Musik treibt den Puls in den Actionszenen nochmals in die Höhe. Das Abenteuer „Robin Hood – König der Diebe“ ist inzwischen die beste Verfilmung neben dem Curtiz-Klassiker „Robin Hood – König der Vagabunden“.