Rambo – Kritik

Filmkritik

4.5/5

Filmkritik „Rambo“: Düsteres Vietnam-Drama statt stumpfer Action

Ted Kotcheffs „Rambo“ mit Sylvester Stallone ist weit mehr als Actionkino – ein intensives Drama über Kriegstraumata und gesellschaftliche Ausgrenzung.

Anfang der Achtziger wandelte sich das amerikanische Kino fundamental. Die düsteren, gesellschaftskritischen Stoffe des New Cinema waren nicht länger gefragt. Stattdessen brach dank „Indiana Jones“ und „Star Wars“ das Zeitalter des poppigen Blockbusterkinos an. Teil davon waren neue, brachiale Actionfilme wie die „Rambo“-Reihe. Doch deren Auftaktfilm ist viel tiefer im New Hollywood verwurzelt, als ihm heute zugestanden wird.

Handlung von „Rambo“

Der Vietnam-Veteran John Rambo (Sylvester Stallone) trampt durch den Norden der USA auf der Suche nach Arbeit. In der kleinen Stadt Hope wird er jedoch von Sheriff Will Teasle (Brian Dennehy) aufgegriffen und als Landstreicher ausgewiesen. Als Rambo in die Stadt zurückkehrt, wird er festgenommen. Bei der Aufnahme seiner Daten im Büro des Sheriffs eskaliert die Situation rasch, denn Teasles Mitarbeiter machen sich einen Spaß daraus, Rambo zu schikanieren und triggern damit traumatische Erinnerungen an seine Zeit in Vietnam, die den alten Elitekämpfer wecken. Rambo flieht und erklärt einer ganzen Kleinstadt den Krieg.

Sylvester Stallone in „Rambo“ (© Scotia International)
Sylvester Stallone in „Rambo“ (© Scotia International)

„Rambo“ als düsteres New-Hollywood-Drama

Am 30. Oktober 1984 veröffentlichte Bruce Springsteen die Single „Born in the USA“, die sich rasch zu einer ikonischen Hymne des Stadionrock entwickelte, dabei aber die düstere Geschichte eines Amerikaners aus dem Mittleren Westen erzählt, der in den Krieg nach Vietnam geschickt wird, anschließend in die Heimat zurückkehrt und es nicht mehr schafft, sich in das zivile Leben zu integrieren. Obwohl die Single erst fast zwei Jahre nach dem kaum weniger ikonischen Film „Rambo“ erschien, der auf dem Roman „First Blood“ von David Morrell basierte, wirkt es, als würde Springsteen die Vorgeschichte von Sylvester Stallones Figur erzählen.

Heute steht der Name „Rambo“ vor allem für das amerikanische Muscle-Men- und Man-on-a-Mission-Kino der Achtzigerjahre, für gestählte Muskeln und große Maschinengewehre. Doch das gilt eher für die beiden Fortsetzungen. Der Original-„Rambo“ lässt sich, wie übrigens auch Stallones Boxer-Drama „Rocky“, eher in der Tradition des New-Hollywood-Kinos verorten.

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Tatsächlich stieß Stallone erst sehr spät zu dem Projekt, während zuvor dutzende andere Schauspieler für die Rolle erwogen wurden, angeblich sogar Terence Hill, der sich zu dieser Zeit immer stärker gewaltfreien, christlich inspirierten Filmen zuwandte. Regisseur Ted Kotcheff versuchte bereits seit 1976, den vier Jahre zuvor erschienenen Roman zu verfilmen. Die Rollenübertragung an Stallone wurde seinerzeit mit Skepsis verfolgt, da alle seine Filme außerhalb der „Rocky“-Reihe wenig erfolgreich gewesen waren und man ihm nicht mehr die schauspielerischen Qualitäten zutraute.

Doch der „Rocky“-Star erhielt die Rolle und brillierte zunächst hinter der Kamera, denn zusammen mit Kotcheff überarbeitete er das Drehbuch und drückte ihm seinen Stempel auf. Es war seine Idee, dass Rambo möglichst ohne Waffen kämpfen sollte. Statt der Massenmassaker der nachfolgenden Filme, über die sich später die Parodie „Hot Shots! Part Deux“ lustig machen sollte, liefert der erste „Rambo“-Film zwar spektakuläre Action, aber nur einen Toten – und dies durch einen Unfall.

Vietnam-Trauma statt Muskelkino

Mindestens so viel Wert wie auf Schauwerte – etwa Stallones spektakulären Klippensprung in einen Baum – legt der Film auf eine korrekte psychologische Darstellung des Kriegsveteranen John Rambo und dessen Traumata. Stallones Spiel ist stark reduziert, aber nicht kalt. Sein Rambo ist keine in Gang gesetzte Maschine, wie sie in Morrells Buch teilweise beschrieben wird, sondern ein psychisch zerstörter Mensch und sein Kampf gegen die Stadt Hope und ihren Sheriff ein letztes Aufbäumen vor dem totalen mentalen Zusammenbruch, den Stallone am Ende grandios herausarbeitet.

Daher war es ihm auch wichtig, das Ende aus dem Buch, in dem Rambo von Trautman erschossen wird, abzuändern, da es nicht mehr zu der von ihm gespielten Figur passte. Diese Änderung führte dazu, dass der ursprünglich für die Rolle des Trautman gecastete Kirk Douglas das Projekt verließ und durch den wesentlich weniger bekannten Richard Crenna ersetzt wurde.

Letztendlich ist „Rambo“ weniger ein Actionfilm als ein düsteres Drama darüber, was der Krieg mit Menschen macht, aber auch eine Anklage gegen die Gesellschaft, für die sie kämpften und die sie nachher fallen ließ. Ein Empfang, wie ihn Rambo in der finalen Szene im Zuge seines mentalen Zusammenbruchs gegenüber Colonel Trautman schildert – die Beschimpfung eines Soldaten auf einem Flughafen –, motivierte John Wayne 1968 zu einem Film, der eigentlich als moralische Unterstützung für die in Vietnam kämpfende Armee dienen sollte, später aber als oberflächliche und unreflektierte Propaganda rezipiert wurde: „Die grünen Teufel“. Das zeigt deutlich, auf wie unterschiedliche Art und Weise ähnliche Erfahrungen cineastisch verarbeitet werden können.

Brian Dennehy als vielschichtiger Gegenspieler

Als Gegenspieler Rambos glänzt Brian Dennehy als Sheriff Will Teasle, der seiner Figur eine Reihe von Nuancen abgewinnen kann. So stößt Teasle durch seine wenig empathische, pedantische Art die Probleme an, es sind aber seine Mitarbeiter, die die Lage gegen Teasles Willen eskalieren lassen. Auch der Sheriff scheint zwischenzeitlich zu zweifeln, ob der von ihm eingeschlagene Weg der richtige ist, will sich aber den eigenen Fehler nicht eingestehen. Gedreht wurde „Rambo“ im kanadischen Hope, wo Kameraveteran Andrew Laszlo den Film in stimmigen Herbstbildern einfängt, die fast symbolisch die Kälte vermitteln, die Rambo entgegenschlägt.

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Mit einem Einspielergebnis von 125 Millionen Dollar (bei einem Budget von 15 Millionen Dollar) entwickelte sich „Rambo“ trotz seinerzeit durchwachsener Kritiken zu einem veritablen Hit, verschaffte Stallone ein zweites cineastisches Standbein und ließ seine Karriere in den Achtzigern richtig durchstarten. Die Studios verlangten nach einer Fortsetzung, die 1985 in den Kinos erschien und unser Bild Rambos etablierte. Nun ist der Veteran doch eine kalte Kampfmaschine, die nicht mit sich selbst kämpft, sondern retrospektiv den Vietnamkrieg gewinnen soll. Weil das Drehbuch zuvor geleakt wurde, drehte die Billigschmiede Cannon die beiden Rip-offs „Missing In Action“ mit Chuck Norris.

Übrigens war Stallone nicht der erste Kinoheld mit dem Namen Rambo. 1975 drehte Umberto Lenzi den Polizeifilm „Flash Solo“ aka „Der Vernichter“. Die Figur von Hauptdarsteller Tomas Milian trug ebenfalls den Namen John Rambo – Milian hatte Morrells Buch gelesen und fand den Namen gut.

Fazit: Anders als die späteren Filme beweist der ursprüngliche „Rambo“, dass man spannendes Actionkino mit tiefgründigen Charakteren drehen kann. Ein Klassiker, der die Zeiten überdauern wird.

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