Zu schnell durchgepeitscht? „Gladiator II“-Kameramann greift Ridley Scott an 08.12.2024

Ridley Scott kann auf eine inzwischen 50-jährige Karriere zurückbringen, in denen er etliche Perlen des modernen Kinos geschaffen hat. Auch wenn seine härtesten Kritiker ihm vorwerfen, dass keines seiner Werke die außergewöhnliche Qualität von „Blade Runner“ erreichte, so haben andere seiner Filme wie „Alien“ und „Gladiator“ nachhaltig das Hollywood-Mainstream-Kino geprägt. Jetzt kritisiert ihn ausgerechnet sein Stammkameramann John Mathieson. Eine kommentierte Analyse.

„Gladiator“ erwies sich als Wendepunkt in Ridley Scotts eigener Karriere, die nach einer Reihe kommerziell erfolgloser – wenn auch durchaus nicht schlechter – Filme Mitte der Neunziger etwas in die Krise geraten war. Doch nach dem wuchtigen Sandalenepos, welches dem Historienfilm neuen Auftrieb gab, etablierte sich der Brite endgültig als routinierter Blockbuster-Kreateur, dessen Filme hohe Budgets mit noch höheren Ticketverkäufen rechtfertigten. Ob weitere Historien-Epen, wie „Königreich der Himmel“, actionlastige Kriegsfilme wie „Black Hawk Down“, klassische Gangsterstoffe („American Gangster“), Thriller („Der Mann der niemals lebte“) oder sogar seichte Liebeskomödie („Ein gutes Jahr“), Scott bewies Vielfalt, hohe Kreativität und sicheres Handwerk.

Zu viele Blickwinkel, zu wenig Beleuchtung

Doch eben jenes kritisierte sein langjähriger Kameramann John Mathieson, der für etliche Hits aus dieser Schaffensphase mitverantwortlich war. Im Gespräch mit „The DocFix Documentary Storytelling Podcast“ (via Action Newz) warf er Scott vor, zu viele Kameras bei seinen Szenen einzusetzen, um möglichst viele Blickwinkel in einem Take einfangen zu können, die dann nur noch geschnitten werden müssten. Dies gehe auf Kosten einer guten Beleuchtung, denn letztlich bleibt Kino ein zweidimensionales Medium.

Moderne Technik würde dazu führen, dass Scott seine Szenen weniger sorgfältig plane: „Heutzutage verlässt man sich auf die Spezialeffekte, um aufzuräumen – Dinge, die im Bild bleiben, Kameras im Bild, Mikrofone im Bild, herabhängende Setteile, Schatten von Tonangeln. Und bei ‚Gladiator II‘ haben sie einfach gesagt: ‚Wir räumen das digital auf.‘“

Pedro Pascal und Paul Mescal in „Gladiator II“ (© Paramount Pictures)
Pedro Pascal und Paul Mescal in „Gladiator II“ (© Paramount Pictures)

Kameramann John Mathieson greift Ridley Scott an

Letzteres erscheint im Endeffekt nicht weiter tragisch, denn dank digitaler Überarbeitung werden nicht nur Kameras und Mikrophone aus den Bildern heraus, sondern ganze historische Welten in sie hineinproduziert. Mathiesons Vorwurf über die mangelnde Belichtung erscheint da schon eher nachvollziehbar: „Schaut man sich seine älteren Filme an, war es ein zentraler Aspekt, durch das Licht Tiefe zu erzeugen. Mit vielen Kameras kann man das nicht machen, aber er will einfach alles auf einmal erledigen.

Viele Kameras haben die Filme meiner Meinung nach nicht besser gemacht… Es wirkt ein bisschen wie ‚Schnell, schnell, schnell‘. Das hat sich bei ihm verändert. Aber so will er es machen und ich mag es nicht – und ich glaube, viele andere auch nicht. Aber die Leute lieben seine Filme und er ist Ridley Scott, also kann er machen, was er will. Viele wollen mit mehreren Kameras drehen, weil sie so viele Aufnahmen mit vielen Darsteller darin einfangen können. Aber dabei geht die Sorgfalt verloren.“

Probleme mit den Enden von „Robin Hood“ und „Exodus – Götter und Könige“

Es stellt sich allerdings die Frage, ob sich das Publikum an solch künstlerisch-handwerklichen Aspekten stört. In den meisten Filmrezensionen wird darauf nämlich kaum eingegangen. Dass Scott sich jedoch anscheinend nicht mehr die nötige Sorgfalt für seine Filme nimmt, zeigt sich bereits seit längerem an dem einen oder anderen Drehbuch. So waren auch „Robin Hood“ oder „Exodus – Götter und Könige“ schön anzusehende Filme, die aber vor allem durch ihr Ende enttäuschten. Beide Filme versuchten ihre bereits bekannten und mehrfach verfilmten Storys neu zu erzählen, präsentierten dann aber einen etwas unfertigen Schluss, bei dem nicht so recht klar war, ob sich die Autoren die Möglichkeit für eine Fortsetzung offenhalten wollten oder einfach nicht wussten, wie sie ihre Geschichte zu Ende bekommen sollten.

Sicherlich trifft dies nicht auf all seine Filme zu. Mit „Last Duel“ und „House Of Gucci“ lieferte Scott 2021 gleich zwei epische Filme mit geschlossener Handlung ab. Doch der darauffolgende „Napoleon“ hatte narrativ durchaus Mängel. „Gladiator II“ muss sich zumindest den Vorwurf gefallen lassen, einfach die Story des ersten Teils neu aufzuwärmen und nach dem Motto größer-lauter-besser wiederzukäuen, anstatt wirklich kreative Ideen zu präsentieren.

Das Endergebnis weiß immer noch zu überzeugen und ist an den Kinokassen aktuell recht erfolgreich unterwegs. Allerdings haben nicht zuletzt die zahlreichen Spezialeffekte das Budget enorm aufgebläht. Es könnte also sein, dass „Gladiator II“ am Ende nicht zu wenig einnimmt, sondern einfach zu viel ausgegeben hat. Das klingt nach einer Weisheit unseres aktuellen Wirtschaftsministers, ist aber ein Problem, dass einige aktuelle Hollywoodblockbuster zu versenken droht.

Ridley Scott hat noch große Pläne

Ridley Scott hält den Fuß jedenfalls auf dem Gaspedal und hat anscheinend mehrere Eisen im Feuer oder zumindest als Idee im Hinterkopf. Neben einem BeeGees-Biopic und dem Endzeitfilm „The Doc Stars“ spuken derzeit sowohl Gerüchte über einen neuen „Alien“-Film als auch „Gladiator 3“ durch das Netz. Anscheinend möchte der inzwischen 87 Jahre alte Regisseur auch die letzte seiner Ideen auf die Leinwand bringen. Sein Name allein wird wohl genügen, die Projekte zu finanzieren und auch eine entsprechende Anzahl Zuschauer in die Kinos oder vor den Streaming-TV zu locken. Aber es wäre schön, wenn Scott sich nicht allein auf seinen Namen verlässt, sondern auf die Qualitäten, die ihn am Kinohimmel haben aufleuchten lassen.

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