„Meisterwerk“ oder „Chaos“: Tom Cruise spaltet die Kritik mit „Digger“

Nach der Weltpremiere in London am 22. September sind sich die ersten Kritiker bei Alejandro G. Iñárritus „Digger“ so uneins wie selten bei einem Tom-Cruise-Film. Dazu kommen ernüchternde Prognosen aus den USA – für eine Produktion, die rund 125 Millionen Dollar gekostet haben soll. In Deutschland startet die schwarze Komödie am 1. Oktober.

Tom Cruise hat in den vergangenen Jahren vor allem eines geliefert: Verlässlichkeit. Ob „Top Gun: Maverick“ oder neuen „Mission: Impossible“-Filmen – das Publikum wusste, was es bekommt.

Mit „Digger“ bricht er dieses Versprechen bewusst. Er spielt Digger Rockwell, einen alternden Öl-Milliardär, der eine weltweite Umweltkatastrophe auslöst und sich anschließend als Retter der Menschheit inszenieren will. Unter Prothesen und mit künstlichem Bauch ist Cruise kaum wiederzuerkennen.

Die ersten Reaktionen: von „mutig“ bis „Fehlschlag“

Nach der Weltpremiere in London am 22. September und Pressevorführungen in New York und Los Angeles gingen die Urteile weit auseinander. Der Filmjournalist Jim Hemphill sprach von Cruises bester Leistung seit „Magnolia“ (1999) und nannte „Digger“ einen der visuell erfindungsreichsten Studiofilme überhaupt. Auch Jake Hamilton zählte Cruises Spiel zu den besten seiner Karriere und verglich den Film mit Kubrick und „Black Mirror“.

Die Gegenseite ist ebenso deutlich: Joey Magidson (Awards Radar) nannte den Film schlicht „ein Chaos“, bei dem wenig funktioniere. Mike Ryan fand einige Wendungen „rätselhaft“ und den Film insgesamt eher unangenehm. Kristen Lopez (The Film Maven) sprach von einer „sehr bunten Mischung“ – interessante Idee, aber ein Film, der seinem Publikum zu wenig zutraue. Mehrere Kritiker ziehen den Vergleich zu Kubricks „Dr. Seltsam“.

Unterm Strich zeichnet sich kein Konsens ab. Das ist bei Alejandro González Iñárritu nicht neu: Schon sein jüngster Film „Bardo“ (2022) polarisierte stark.

Warum die Box-Office-Prognosen Warner Sorgen machen

In den USA startet „Digger“ am 2. Oktober. Laut Branchenjournalist Matthew Belloni lag das erste Tracking des Marktforschers NRG bei rund 20 Millionen Dollar für das Startwochenende, andere Schätzungen nennen 20 bis 29 Millionen. Für eine Produktion mit einem Budget von rund 125 Millionen Dollar und dem wohl größten Filmstar der Welt ist das wenig.

Hinzu kommt Konkurrenz am selben Wochenende: Die Colleen-Hoover-Verfilmung „Verity – Dunkle Geheimnisse“ könnte nach US-Prognosen ähnlich stark starten – bei deutlich geringeren Kosten. Dass Cruise nicht auf Platz eins landet, gilt in US-Branchenmedien als realistisches Szenario.

Allerdings war „Digger“ nie auf ein schnelles Startwochenende ausgelegt. Warner Bros. positioniert den Film als Kandidaten für die Award Season und als Teil einer Strategie, die zuletzt mit Autorenfilmen wie „Blood & Sinners“ und „One Battle After Another“ aufging. Solche Filme verdienen ihr Geld eher über viele Wochen als in den ersten drei Tagen.

Was den Film trotzdem sehenswert macht

Unabhängig vom Urteil über die Geschichte sind sich viele Stimmen in einem Punkt einig: Handwerklich geht „Digger“ ungewöhnliche Wege. Iñárritu drehte mit seinem Stammkameramann Emmanuel Lubezki („Birdman“, „The Revenant“) vollständig auf 35-Millimeter-Film im VistaVision-Verfahren aus den 1950er-Jahren. Neben den regulären Vorstellungen läuft der Film auch in IMAX, Dolby Cinema und in ausgewählten VistaVision-Vorführungen. Die Musik stammt vom britischen Musiker Cosmo Sheldrake, der damit sein Spielfilmdebüt als Komponist gibt.

Für das deutsche Publikum interessant: Sandra Hüller („Der Astronaut – Project Hail Mary“, „Vaterland“) spielt Diggers Halbschwester und Geschäftspartnerin Emma Rockwell – eine seltene deutsche Hauptrolle in einer Hollywood-Großproduktion dieser Größenordnung. Dazu kommen Riz Ahmed, John Goodman als US-Präsident, Michael Stuhlbarg und Jesse Plemons.

Für wen sich „Digger“ lohnt

Wer einen Tom-Cruise-Actionfilm erwartet, wird enttäuscht. Wer Iñárritus eigenwillige Filme wie „Birdman“ mochte und Cruise einmal ganz anders erleben will, dürfte am meisten mit „Digger“ anfangen können – ein Film, über den nach dem Kinobesuch diskutiert wird, ist er in jedem Fall.

„Digger“ läuft ab dem 1. Oktober 2026 in den deutschen Kinos, Laufzeit 128 Minuten. Mehr zur Rolle von Tom Cruise und zur Produktion lest ihr in unserem Artikel zum Film, alle Infos zu Besetzung, Stab und Starttermin auf unserer Filmseite zu „Digger“.

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