
Deutsche Kinocharts: Guter Start für US-Sensation „Obsession“ trotz Sommerhitze
29.06.2026
Mit brachialer Action, einem charismatischen Helden und Millionenpublikum entwickelte sich „The Roundup“ zu einer der erfolgreichsten Filmreihen Südkoreas.
Schon seit langen Zeiten führt der Erfolg eines Kinofilms dazu, dass Produzenten entweder vergleichbare Storys bemühen – aktuell sehen wir den Übergang vom Superheldenfilm zum Musiker-Biopic – oder natürlich direkt eine Fortsetzung liefern. In manchen Fällen gelang es ihnen, ihre Figuren und Storys weiterzuentwickeln und das Niveau hochzuhalten – man denke an die „Lethal Weapon“-Reihe –, in anderen ging die Qualität der Filme zusammen mit ihren Budgets in einen gleichmäßigen Sinkflug über, insbesondere im Horrorbereich, wie etwa bei den „Halloween“- und „Nightmare on Elm Street“-Reihen.
In dieser neuen Sparte wollen wir erfolgreiche Filmreihen als Ganzes vorstellen und nicht nur einzelne Filme beleuchten.
In der Millionenmetropole Seoul sorgt Kommissar Ma Seok-do (Don Lee) mit einfachen Mitteln und einer lockeren Faust für Ruhe und Ordnung. Da werden in einem Straßenstreit schon mal ein paar Backpfeifen verteilt und beim Verhör mit der Faust nachgeholfen. In der Regel belässt es Ma bei blauen Flecken. Doch wenn die großen Gangs den Frieden in der Stadt stören, holt er die schweren Fäuste raus und sorgt schnell für gebrochene Knochen.
Nicht nur in Südkorea gehört Ma Dong-Seok alias Don Lee inzwischen zu den sprichwörtlichen Schwergewichten des Kinos. Seinen Durchbruch feierte er in dem Horrorhit „Train To Busan“. Ab da ergatterte der langjährige Nebendarsteller eine Hauptrolle nach der anderen.
In dem ein Jahr nach „Train To Busan“ erschienenen „The Outlaw“ spielte er erstmals den Cop Ma Seok-do, der beim Publikum gut ankam, weswegen 2022 ein weiterer Film mit der Absicht produziert wurde, ein ganzes Franchise unter dem Titel „The Roundup“ aufzubauen.
Gerade in deutschen Kritiken wird der von Don Lee verkörperte Kommissar gerne mit dem Kultcop einer anderen Filmreihe verglichen: Bud Spencers Plattfuß. Auf den ersten Blick drängt sich der Vergleich aufgrund der stattlichen Figur beider Helden und des komödiantischen Ansatzes beider Filmreihen auf.
Gerade hierin liegt aber auch der Unterschied. Während Stefano „Steno“ Vanzina, der sämtliche „Plattfuß“-Filme inszenierte, einen humoristisch-parodistischen Ansatz verfolgte und spätestens ab dem zweiten Teil vollständig auf die im italienischen Polizeifilm übliche Gewalt verzichtete, haben die Filme um Kommissar Ma zwar durchaus Witz und Humor, sind aber dennoch typische Vertreter des aktuellen koreanischen Actionfilms, in dem gerade die Schurkenfiguren durch ihren heftigen Einsatz körperlicher Gewalt charakterisiert werden.

Da werden Knochen gebrochen, mit Schlagwerkzeugen zertrümmert, von Messern aufgerissen oder von Kugeln durchbohrt. Kindertauglich ist die Reihe, im Gegensatz zu den „Plattfuß“-Filmen, sicher nicht. Eher lässt sie sich mit der „Lethal Weapon“-Reihe vergleichen, die brutale Action durch Situationskomik etwas konterkariert, anstatt sie zu parodieren.
Allerdings ist Ma ähnlich wie Plattfuß ein volksnaher Cop, der die Streitereien auf der Straße mit ein paar schnellen Backpfeifen beilegt und bei kleinen Schmuggeleien gerne mal ein Auge zudrückt. Dafür stellt er die Mahnungen seiner Vorgesetzten gern mal hinten an, interpretiert Vorschriften bestenfalls großzügig und ist bei den schweren Jungs bereit, Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
Es ist diese – bei genauerer Betrachtung durchaus fragwürdige – Geradlinigkeit, die den Kinocop beim Zuschauer so beliebt macht.
Auch die gezeigten Kriminalfälle bewegen sich in gewohnten Bahnen, was vielleicht daran liegt, dass Verbrechen wie Drogen- und Menschenschmuggel, Schutzgelderpressung und Entführung zeitlos sind und sich lediglich den Möglichkeiten einer sich modernisierenden Welt anpassen.
So zu sehen im bisher letzten Teil der Reihe, „The Roundup: Punishment“, der auf einem realen Fall beruht, als 2015 südkoreanische Touristen in Thailand entführt und als Programmierer für illegale Webcasino-Seiten missbraucht wurden.
Hier zeigt die Reihe ein für das ostasiatische Kino häufig zu beobachtendes Phänomen: Die wirklich üblen Verbrecher kommen meistens aus dem Ausland. So bekämpft Kommissar Ma Chinesen, Vietnamesen, Japaner und eben Thailänder. Die einheimischen Kriminellen sind dagegen nur kleine Fische. Xenophobische Vorurteile sind also beileibe kein Vorrecht des westlichen Kinos.
All diese Themen und Handlungsmuster wissen die Filme so aufzuarbeiten, dass sie das Gewohnte, das der Zuschauer sich wünscht, darbieten und dennoch hier und da sowohl den Fällen als auch der Figur Ma noch kleine neue Facetten abgewinnen.
Der wird von Don Lee überzeugend dargestellt, auch wenn seine Mimik mitunter etwas hölzern wirkt. Dafür überzeugt der ausgebildete Boxer in den Actionszenen, die exzellent choreografiert sind. Zwar werden auch hier in keinem Film die Grenzen des Genres neu gesetzt, aber die Fans von Kampfsport- und Actionfilmen bekommen solide Kost geliefert.
Mit Kang Yun-seong für den ersten, Lee Sang-yong für den zweiten und dritten sowie Heo Myung-haeng für den bisher letzten Teil standen jeweils solide Regisseure zur Verfügung, die die Filme optisch auf Hochglanz polierten und beste Genreware liefern, ohne jeweils eine eigene Handschrift zu hinterlassen.
Die Beliebtheit der Reihe spiegelt sich auch in den Besucherzahlen wider. Der Auftaktfilm „The Outlaw“ aus dem Jahr 2017, in dem Ma noch der Kommissar eines Teams war, dem viel Handlungszeit gegeben wurde, lockte 6,9 Millionen Koreaner ins Kino.
Die Folgefilme, die unter dem internationalen Label „The Roundup“ liefen und stärker auf Lees Figur zugeschnitten sind, konnten das sogar noch toppen und entwickelten sich zu einer der erfolgreichsten nicht-amerikanischen Kinoreihen.
„The Roundup“ aus dem Jahr 2022 lockte weltweit 12,6 Millionen Zuschauer in die Kinos und knackte die Marke von 100 Millionen Dollar Einspiel. „The Roundup: No Way Out“ erreichte 10,6 Millionen Zuschauer, „The Roundup: Punishment“ von 2024 sogar 11,5 Millionen.
Selbst in Deutschland erhielten die letzten Filme eine, wenn auch meist nur sehr kurze, Kinoauswertung. Der internationale Erfolg und die Beliebtheit der Reihe zeigen sich auch darin, dass für dieses Jahr ein japanischer Ableger mit dem Titel „Tokyo Bust: Crime City“ angekündigt wurde. Ein fünfter Film mit Ma ist ebenfalls in Planung. Interviews zufolge plant Lee, der die Filme inzwischen auch produziert, zudem weitere Fortsetzungen.
Während es der Actionfilm in Hollywood seit geraumer Zeit schwer hat, liefert Südkorea in dieser Hinsicht kontinuierlich sehr unterhaltsame und gut gemachte Genrefilme ab.
Die „Roundup“-Reihe steht für solide Kost, die sich dank einer charismatischen Hauptfigur wohltuend aus der Masse hervorheben kann.
• „The Outlaw“, Korea 2017, 121 Minuten; Regie: Kang Yun-seong
• „The Roundup“, Korea 2022, 106 Minuten; Regie: Lee Sang-yong
• „The Roundup: No Way Out“, Korea 2023, 105 Minuten; Regie: Lee Sang-yong
• „The Roundup: Punishment“, Korea 2024, 109 Minuten; Regie: Heo Myung-haeng
• Kommissar Ma Seok-do (Don Lee)
• Jang Yi-soo (Park Ji-hwan)
• Jeon Il-man (Choi Gwi-hwa, 1 & 2)
• Polizeichef (Jung In-gi, 1 & 2)
• Jang Tae-soo (Lee Beom-soo, 3 & 4)