
Hat Pixar seine Magie verloren? Warum das Studio nicht mehr so dominiert
08.03.2026
Der Kinoflop „The Bride! – Es lebe die Braut“ zeigt erneut: „Frankenstein“ ist eine Ikone des Horrors – aber kein Garant für Blockbuster. Warum Hollywood trotzdem immer wieder daran festhält.
Der jüngste Beweis für die These, dass „Frankenstein“ oft genug Kassengift ist, kam Anfang März aus den Kinos. „The Bride! – Es lebe die Braut“ (2026) startete vom ersten Wochenende (5. bis 8. März 2026) in Deutschland mit gerade einmal 12.881 Besuchern, inklusive Previews waren es 14.384 Tickets, wie „InsideKino.de“ berichtet. Der Film lief breit in 384 Kinos – das ergibt einen Kopienschnitt von 34. Für eine aufwendig produzierte Studioveröffentlichung ist das ein verheerender Wert.
Auch international sieht es kaum besser aus: In Nordamerika spielte der Film zum Start lediglich 7,1 Millionen Dollar ein – bei einem Budget von rund 80 bis 90 Millionen Dollar (je nach Quelle). Ein klassischer Fehlstart, ohne Hoffnung auf Besserung – trotz Starbesetzung mit Christian Bale, Jessie Buckley, Penélope Cruz und Jake Gyllenhaal.
Damit reiht sich der Film nahtlos in eine lange Reihe kommerzieller Enttäuschungen ein. Und dennoch scheint Hollywood nicht müde zu werden, den Mythos von Mary Shelleys Monster immer wieder neu zu beleben.
Dabei gehört Frankenstein zu den großen Ikonen der Filmgeschichte. Spätestens seit den Universal-Klassikern „Frankenstein“ (1931) und „Bride Of Frankenstein“ (1935) mit Boris Karloff ist das Monster Teil des kulturellen Gedächtnisses. Kaum eine Figur des Horrorkinos ist so bekannt – neben Dracula und dem Werwolf bildet Frankenstein gewissermaßen die heilige Dreifaltigkeit der klassischen Filmmonster.
Nur: Während Vampire und Zombies immer wieder zu lukrativen Franchises werden, gelingt Frankenstein dieser Sprung erstaunlich selten. Das gilt besonders für moderne Großproduktionen.
In den vergangenen Jahren versuchten es die Studios gleich mehrfach: mit „I, Frankenstein“ (2014), „Victor Frankenstein“ (2015) und nun mit „The Bride – Es lebe die Braut!“ (2026). Gleichzeitig entstehen Prestigeprojekte wie „Frankenstein“ (2025) von Guillermo del Toro direkt für Netflix. Parallel dazu existieren Arthouse-Varianten wie „Poor Things“ (2023), die den Mythos frei interpretieren. Doch als großes kommerzielles Kinoformat will der Stoff einfach nicht funktionieren.
Der kommerziell erfolgreichste klassische „Frankenstein“-Film bleibt Kenneth Branaghs „Mary Shelley’s Frankenstein“ (1994). Mit einem Budget von rund 45 Millionen Dollar spielte der Film weltweit etwa 112 Millionen Dollar ein. Nach der Faustregel des Break-even-Punkts (Budget × 2) lag die Gewinnschwelle bei rund 90 Millionen Dollar – der Film machte also Gewinn, blieb aber deutlich hinter den Erwartungen eines möglichen Blockbusters zurück.

Eine seltene Ausnahme bildet dagegen „Poor Things“. Der von Yorgos Lanthimos inszenierte grandiosen Arthouse-Kracher mit Emma Stone kostete rund 35 Millionen Dollar und spielte weltweit etwa 117,6 Millionen Dollar ein. Für einen Indie-Film ist das ein bemerkenswert starkes Ergebnis, das zudem von zahlreichen Preisen begleitet wurde.
Doch gerade dieser Erfolg bestätigt letztlich das Grundproblem: „Poor Things“ funktionierte nicht als Blockbuster, sondern als Autorenfilm.
Warum aber kehrt Hollywood trotzdem immer wieder zu „Frankenstein“ zurück? Ein Grund liegt im Prestige des Romans. Mary Shelleys „Frankenstein“ (1818) gilt als einer der einflussreichsten Texte der Literaturgeschichte und als früher Klassiker der Science-Fiction. Für viele Filmemacher ist der Stoff deshalb eine Art Traumprojekt – ein literarischer Mythos, der sich immer wieder neu interpretieren lässt.
Das Problem: Diese Interpretationen funktionieren häufig besser als Autorenkino oder als intellektuelles Genreexperiment – nicht jedoch als massentaugliches Blockbusterkino.
Der „Frankenstein“-Mythos ist introspektiv, philosophisch und tragisch. Er handelt von Verantwortung, Schuld und der Einsamkeit einer künstlich erschaffenen Kreatur. Das sind faszinierende Themen – aber sie passen nur bedingt zu den Mechanismen eines modernen Franchise-Kinos.
So bleibt „Frankenstein“ ein Paradox der Filmgeschichte: eine der berühmtesten Figuren des Horrorkinos, die dennoch kaum tragfähige Kinofranchises hervorbringt.
Der Flop von „The Bride! – Es lebe die Braut!“ bestätigt letztlich nur, was sich seit Jahrzehnten beobachten lässt. Der Mythos lebt weiter – aber nicht unbedingt an der Kinokasse.
Oder anders gefragt: Wenn selbst große Studios, bekannte Regisseure und aufwendige Produktionen immer wieder am selben Stoff scheitern – wann merkt Hollywood endlich, dass Frankenstein kein Blockbuster ist?