Überraschender Netflix-Erfolg: Oscar-Gewinner „Anora“ erobert 14 Länder – Deutschland fehlt

Fast zwei Jahre nach dem Kinostart erreicht Sean Bakers Tragikomödie bei Netflix ihren bisher höchsten Wochenwert: 14 Länder mit Top-10-Platzierung, zweimal Platz 1. Die offizielle Netflix-Statistik zeigt dabei ein ungewöhnliches Muster – der Film zieht seit März Region für Region um die Welt. Deutschland ist nicht dabei.

14 Länder in einer Woche – so viele wie nie

In der Netflix-Woche vom 14. bis 20. September 2026 stand die grandiose Screwball-Comedy „Anora“ in 14 Ländern unter den zehn meistgesehenen Filmen. Das ergibt die Länderauswertung, die Netflix selbst auf top10.netflix.com veröffentlicht und die wir ausgezählt haben. Auf Platz 1 lag Sean Bakers Oscar-Gewinner in Jordanien und im Libanon, auf Platz 2 in Bahrain, Ägypten und Saudi-Arabien. Dazu kommen Kuwait, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Frankreich, Vietnam, Marokko sowie die französischen Überseegebiete Neukaledonien und Réunion. In der Vorwoche waren es acht Länder – 14 sind der höchste Wochenwert, den der Film in der Netflix-Statistik bislang erreicht hat.

Eine Weltreise in Etappen

Auffällig ist das Muster: „Anora“ ist nicht überall gleichzeitig ein Erfolg, sondern wandert. Seit März 2026 taucht der Film in 18 Wochen in den Länder-Top-10 auf, verteilt auf insgesamt 46 Länder. Im März waren es Pakistan, Indien, Bangladesch und die Malediven, im Mai Südkorea, im Juni und Juli Rumänien, Kroatien, Serbien, Ungarn, die Slowakei und die Niederlande. Ab Ende Juli folgten Griechenland und Zypern, im August die Türkei, Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark, Ende August Südostasien – mit zwei Wochen auf Platz 1 in Vietnam. Jetzt ist die arabische Welt an der Reihe.

Deutschland taucht in der Netflix-Auswertung in keiner einzigen Woche auf. Hierzulande lief „Anora“ ab dem 21. Juni 2025 im Abo bei Sky und WOW.

Vom Cannes-Sieger zum Oscar-Abräumer

Der Kinolauf liegt fast zwei Jahre zurück. In Cannes gewann „Anora“ 2024 die Goldene Palme, in Deutschland kam der Film am 31. Oktober 2024 ins Kino. Bei der 97. Oscarverleihung im März 2025 holte er fünf Preise aus sechs Nominierungen: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin für Mikey Madison, Bestes Originaldrehbuch und Bester Schnitt. Unser Überblick zur Oscarnacht fasst die Gewinner des Abends zusammen.

Aus einem Budget von sechs Millionen Dollar generierte der Film weltweit im Kino Einnahmen in Höhe von 57,4 Millionen Dollar. In Deutschland sahen 202.000 Zuschauer „Anora“.

Was unsere Kritik damals sah

„Kino-Total.net“ hatte den Indie-Hit schon vor dem deutschen Start besprochen – mit der Höchstwertung von fünf Sternen. Carsten Baumgardt nannte „Anora“ ein „Meisterwerk zwischen rasend komischer Screwball-Komödie und düsterer Sozialstudie“ und las ihn als unberechenbares „Pretty Woman“-Update: vordergründig Screwball-Unterhaltung, hintergründig eine Reflexion über die Grenzen des Kapitalismus und den Preis der Träume. Dass ausgerechnet dieser eher kleine Independent-Film nun Woche für Woche neue Netflix-Märkte erreicht, passt zu seinem Werdegang vom Festivalliebling zum Oscar-Gewinner.

Alle Infos, Bilder und die vollständige Kritik gibt es auf unserer Filmseite zu „Anora“.

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