Meister aller Filme – Hongkong-Legende Ku Feng ist tot 16.04.2025

Im Internet findet man gelegentlich Beiträge über Schauspieler mit den meisten Rollen, wobei meist Hollywoodgrößen gelistet werden, die in ihrer Karriere auf etwa 150 Beiträge kamen, wie etwa John Wayne. Doch das ist Nichts im Vergleich zu den Ikonen kleinerer Filmländer. Der Hongkong-Schauspieler Ku Feng kommt auf 371 IMDB-Einträge! Am 27. März 2025 starb der Veteran des Martial-Arts-Kino.

Ku Feng wurde am 3. Juli 1930 in Shanghai als Chan Sze Man geboren und verbrachte seine Kindheit während des bitter umkämpften Zweiten Sino-japanischen Krieges (1937-1945). Nach der kommunistischen Machtübernahme (1949) machte er zunächst eine Schauspielausbildung in Peking, ging dann aber in die britische Kronkolonie Hongkong.

Anfänge bei den Shaw Brothers

1959 erhielt er seine erste Nebenrolle in der Komödie „Jiao Wa“, ehe er nach einer vierjährigen Pause 1963 erste Filme beim aufstrebenden Shaw Brothers Studio drehte, wo er 1965 einen festen Vertrag erhielt. Während die Brüder noch nach einem Profil für ihre Firma suchten, sammelte Ku Feng rasch Erfahrung, drehte 1964 schon acht Filme, wenn auch in kleineren Rollen.

1966 spielte er einen Part in King-Hus-Klassiker „Das Schwert der gelben Tigerin“, in dem angeblich auch der damals zwölfjährige Jackie Chan eine Rolle hatte. Ein Jahr später arbeitete Ku Feng erstmals mit Chang Cheh in dessen Hit „Das goldene Schwert des Königstigers“ („The One-armed Swordsman“) zusammen. Nachdem King Hu sich von den Shaw Brothers verabschiedete, wurde Cheh das Zugpferd der Firma, der ihren Filmen seinen Stil aufdrückte.

Aufstieg als charismatischer Gegenspieler

Im Zentrum seiner blutigen Actionepen standen jugendliche Helden, wie David Chiang und Ti Lung. Dagegen verkörperte Ku Feng, der bereits auf die 40 zuging, mit seinem kantigen, reifer wirkenden Gesicht vor allem Schurkenrollen. 1969 mimte er in „Die Todespagode des gelben Tigers“ erstmals den Hauptantagonisten und vereinte ein überzeugendes Spiel mit beeindruckenden Kampfkunstfähigkeiten.

Ku Feng verlieh den Antagonisten in Chehs Filmen die nötige Klasse, um die Helden größer wirken zu lassen. Gelegentlich durfte er in Ensemble-Filmen auch positive Charaktere spielen, meist als reifer, erfahrener Anführer eine Gruppe, etwa „Die sieben Schläge des gelben Drachen“ (1972) und „Die Eroberer“ (1975), die auf dem historischen chinesischen Epos „The Water Margin“ basieren. Sein jährlicher Ausstoß blieb mit mindestens einem halben Dutzend Filmen weiterhin hoch.

Vielseitigkeit und späte Anerkennung

Während er für Cheh bis zum Ende von dessen Regielaufbahn ein wichtiger Mime blieb, arbeitete Ku Feng auch in anderen Martial-Arts-Produktionen, etwa einigen „Bruce Li“-Filmen, in denen der taiwanesische Schauspieler Ho Chung-tao als Imitat der Jet-Kun-Doo- Ikone auftrat. Diese Streifen waren reine, schnell und billig produzierte Unterhaltungsware einer auf regelrechte Fließbandproduktion eingerichteten Industrie.

Dennoch errang Ku Feng mit seinem Spiel auch die Achtung der Kritiker. 1982 erhielt er bei den taiwanesischen Golden Horse Awards den Preis als bester Nebendarsteller für den Film „Tiger Killer.“ Mit 52 war er der älteste Gewinner in diesem Jahr und witzelte bei der Entgegennahme des Preises: „Für einen alten Schauspieler, der in so vielen Rollen in hunderten Filmen gespielt hat, kommt diese Ehre vielleicht etwas spät“, um dann lächelnd hinzuzufügen: „Aber nein, es ist nie zu spät.“ Im Folgejahr wiederholte er seinen Erfolg mit seiner Rolle in dem Film „The Girl With A Tattoo“.

Wandel des Kinos und neue Herausforderungen

Mitte der 80er Jahre änderte sich der Kinomarkt in Hongkong. Die historisierenden Martial-Arts-Filme der Shaw Brothers und Bruce-Lee-Imitate waren nicht länger gefragt. Das Publikum sehnte sich nach Gegenwartsfilmen. Neue Protagonisten wie Jackie Chan und Chow Yun-Fat eroberten die Herzen der Kinogänger und Golden Harvest wurde zur dominanten Produktionsfirma.

Doch als erfahrener und weiterhin gutaussehender, wenn auch alternder Schauspieler war auch Ku Feng immer noch gefragt und schaffte, anders als mancher seiner Weggefährten, den Sprung in die neue Zeit. 1989 spielte er in „China White“ einen Triadenführer, der sich in Amsterdam einem Bandenkrieg ausgesetzt sieht. Der Film erwies sich als Riesenhit, begründete die Karriere von Andy Lau und zog zwei Fortsetzungen nach sich, die allerdings inhaltlich nichts mit dem Original zu tun haben. In dieser Zeit erreichte Ku Fengs Output einen Zenit, wobei neben seinen üblichen Antagonistenrollen auch kleinere Parts auf seiner Agenda standen.

Späte Karriere und Vermächtnis

In den 90er Jahren wandte sich Ku Feng vermehrt dem Fernsehen zu, wo er Gastauftritte in Serien hatte, aber auch langfristige Rollen in Serien wie „Fa cheng sin fung“ einnahm. Er blieb aber auch weiterhin im Kino präsent, unter anderem 2006 an der Seite von Jackie Chan in „Rob-B-Hood“. Seinen letzten Part übernahm er 2020 im Alter von 90 Jahren in dem Spielerdrama „Du shen zhi shen“.

Am Morgen des 27. März 2025 wurde Ku Feng von seiner Familie leblos in seiner Wohnung aufgefunden. Am 9. April gab Shaw-Brother Regisseur David Tse On-on seinen Tod offiziell bekannt. Ku Feng prägte mehrere Phasen des Hongkong-Action-Kinos, nicht als Kinoheld, sondern überwiegend als Nebendarsteller, der durch seine Martial-Arts-Fähigkeiten, zunehmend aber auch durch sein immer reifer werdendes Spiel überzeugte. Mit ihm gehen mehrere Ären des ostasiatischen Actionkinos zu Ende.

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