Marvel ist nicht tot – aber das MCU hat ein gewaltiges Problem: Milliardenhits werden zur Ausnahme

Das Marvel Cinematic Universe ist nicht tot – aber seine einstige Erfolgsgarantie ist verschwunden. Warum das MCU nach seinem größten Triumph an Strahlkraft verloren hat und was „Avengers: Doomsday“ jetzt ändern muss.

Das Marvel Cinematic Universe war über Jahre eine der zuverlässigsten Marken Hollywoods. Milliardenumsätze, Millionen Kinobesucher und ein ständig wachsendes Publikum machten nahezu jeden neuen Film zum Ereignis. Doch seit „Avengers: Endgame“ (2019), der zweiterfolgreichste Film aller Zeiten, ist die Bilanz deutlich schwächer geworden. Die Zahlen zeigen: Marvel ist nicht am Ende – aber die Zeiten, in denen das Logo allein für einen Kinohit garantierte, sind vorbei.

Das MCU machte Marvel zur zuverlässigsten Kinomarke

Als „Iron Man“ 2008 als erster Film von Phase 1 den Grundstein für das MCU legte, spielte der Comic-Actioner weltweit 585,8 Millionen Dollar ein. Schon vier Jahre später setzte „Marvel’s The Avengers“ mit 1,52 Milliarden Dollar einen neuen Maßstab. Danach folgten weitere Milliardenhits: „Iron Man 3“ kam auf 1,22 Milliarden Dollar, „Avengers: Age Of Ultron“ auf 1,41 Milliarden. „Black Panther“ erreichte 1,35 Milliarden Dollar weltweit.

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Das Entscheidende war dabei nicht nur die Höhe der Einnahmen. Marvel bewies, dass auch Filme mit weniger bekannten Figuren zu großen Publikumserfolgen werden konnten. „Guardians Of The Galaxy“ spielte 773,4 Millionen Dollar ein, „Doctor Strange“ 677,8 Millionen, „Ant-Man“ 519,3 Millionen. Das gemeinsame Universum war selbst zum Verkaufsargument geworden.

„Endgame“ war der Höhepunkt des Marvel-Modells

2018 und 2019 erreichte diese Entwicklung ihren Höhepunkt. „Avengers: Infinity War“ spielte weltweit 2,05 Milliarden Dollar ein und lockte in Deutschland 3,46 Millionen Zuschauer ins Kino. „Avengers: Endgame“ steigerte das Ergebnis auf 2,80 Milliarden Dollar und kam in Deutschland sogar auf mehr als 5,1 Millionen Besucher.

Auch „Captain Marvel“ (1,13 Milliarden Dollar) und „Spider-Man: Far From Home“ (1,13 Milliarden Dollar) überschritten 2019 noch die Milliardenmarke. Das MCU hatte damit eine Phase abgeschlossen, in der sich einzelne Filme zu einem übergreifenden Kinoereignis addierten.

Danach änderte sich das Bild.

Nach „Endgame“ bricht die Erfolgsquote ein

Die ersten Filme der sogenannten Multiverse-Saga konnten noch nicht an die alte Dynamik anknüpfen. „Black Widow“ kam weltweit auf 379,8 Millionen Dollar, „Shang-Chi And The Legend Of The Ten Rings“ auf 432,2 Millionen und „Eternals“ auf 402,1 Millionen – gebremst durch die Corona-Pandemie, aber der Trend nahm hier seinen Anfang.

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Eine Ausnahme war „Spider-Man: No Way Home“. Der Film spielte 2021 weltweit 1,92 Milliarden Dollar ein und wurde in Deutschland von mehr als 4,6 Millionen Menschen gesehen. Damit bewies Marvel, dass die Marke weiterhin enorme Zugkraft besitzt – wenn die Voraussetzungen stimmen.

Danach folgten wieder deutlich niedrigere Ergebnisse. „Doctor Strange In The Multiverse Of Madness“ erreichte 955,8 Millionen Dollar, „Thor: Love and Thunder“ 760,9 Millionen und „Black Panther: Wakanda Forever“ 858,5 Millionen. Diese Zahlen sind für sich genommen stark. Für das MCU der vergangenen Jahre bedeuten sie aber einen deutlichen Bedeutungsverlust.

Besonders deutlich wird das Problem bei den jüngeren Filmen. „Ant-Man And The Wasp: Quantumania“ kam 2023 auf 476,1 Millionen Dollar, „Guardians Of The Galaxy Volume 3“ punktete dann wieder mit 845,6 Millionen. Aber „The Marvels“ stürzte anschließend auf lediglich 206,1 Millionen Dollar ab – bei einem Budget von 275 Millionen Dollar. Zum Vergleich: „Captain Marvel“ hatte vier Jahre zuvor noch 1,13 Milliarden Dollar eingespielt und kostete lediglich rund 160 Millionen Dollar.

Das Publikum ist nicht Marvel-müde

Die Zahlen sprechen allerdings gegen die einfache These, dass das Publikum Superheldenfilme grundsätzlich satthat.

„Deadpool & Wolverine“ spielte 2024 weltweit 1,34 Milliarden Dollar ein. In Deutschland wurden mehr als 3,26 Millionen Besucher gezählt. Der Film zeigt damit, dass ein MCU-Projekt weiterhin zum globalen Blockbuster werden kann.

Das Problem ist vielmehr die fehlende Verlässlichkeit.

Während Marvel früher auch weniger etablierte Figuren zu großen Kinoerfolgen machen konnte, hängt heute wesentlich mehr davon ab, welche Figur und welche Geschichte auf der Leinwand landen. „Deadpool & Wolverine“ profitierte von zwei seit Jahren etablierten Figuren, einer großen Fangemeinde und dem Versprechen eines besonderen Crossovers. „Spider-Man: No Way Home“ funktionierte ähnlich über Nostalgie und die Rückkehr früherer Spider-Man-Generationen.

Das reine Marvel-Label genügt dagegen immer seltener.

Zu viele Geschichten, zu wenig Ereignischarakter

Ein Teil des Problems liegt in der Expansion des MCU. Nach „Endgame“ beschränkte sich Marvel nicht mehr auf Kinofilme, sondern baute das Universum massiv mit Disney+-Serien aus.

Damit wurde das MCU zwar größer, aber nicht zwangsläufig attraktiver. Wer sämtliche Zusammenhänge verstehen wollte, musste immer mehr Filme und Serien kennen. Gleichzeitig verloren einzelne Kinofilme einen Teil ihres Ereignischarakters.

Vor „Endgame“ führte nahezu jeder Weg zu einem klaren Ziel: Thanos, die Infinity-Steine und der finale Kampf der Avengers. Nach dem Abschluss dieser Geschichte fehlte ein vergleichbar eindeutiger roter Faden.

Das zeigt sich auch an den Ergebnissen. Nach den drei Milliardenfilmen „Avengers: Infinity War“, „Endgame“ und „Spider-Man: Far From Home“ folgte keine neue Serie von Blockbustern, die dauerhaft in derselben Größenordnung spielte. Stattdessen wechselten sich Erfolge, solide Ergebnisse und Flops ab.

Marvel muss wieder Gründe für den Kinobesuch liefern

Die jüngsten Zahlen unterstreichen diese Entwicklung. „Captain America: Brave New World“ spielte weltweit 415,1 Millionen Dollar ein, „Thunderbolts“ kam auf 382,3 Millionen. Beide Filme hatten Budgets von jeweils rund 180 Millionen Dollar. Das heißt, dass beide Werke rund 360 Millionen Dollar benötigten, um überhaupt einen Cent Gewinn zu machen.

Harrison Ford und Anthony Mackie in „Captain America: Brave New World“ (© Walt Disney)
Harrison Ford und Anthony Mackie in „Captain America: Brave New World“ (© Walt Disney)

Damit ist das MCU weit von seiner früheren Dominanz entfernt.

Gleichzeitig wäre es falsch, daraus den Niedergang des gesamten Marvel-Universums abzuleiten. „Deadpool & Wolverine“ hat gezeigt, dass die Marke weiterhin Milliardenpotenzial besitzt. Entscheidend ist offenbar, ob Marvel einen Film als Ereignis positionieren kann – oder ob er für das Publikum wie die nächste Episode einer ohnehin überfüllten Reihe wirkt.

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Genau hier liegt das größte Problem des MCU nach „Avengers: Endgame“.

Marvel hat nicht verlernt, erfolgreiche Superheldenfilme zu produzieren. Das Studio hat vielmehr Schwierigkeiten, aus seinen Filmen wieder jene unvermeidlichen Kinoereignisse zu machen, die das MCU zwischen 2008 und 2019 geprägt haben.

„Avengers: Doomsday“ wird zum entscheidenden Test

Mit „Avengers: Doomsday“ steht nun erneut ein Film an, der genau diese Lücke schließen soll. Nach dem Ende der Infinity-Saga setzt Marvel wieder auf die Avengers, große Crossover und bekannte Figuren. Auch die Rückkehr der „Infinity War“- und „Endgame“-Regisseure Joe und Anthony Russo sowie Robert Downey Jr. in seiner neuen Rolle als Dr. Doom sollen dem Projekt zusätzlichen Ereignischarakter verleihen.

Damit kehrt Marvel zu einem Konzept zurück, das früher hervorragend funktioniert hat: möglichst viele bekannte Figuren in einem Film zusammenzuführen und daraus ein Kinoereignis zu machen.

Ob das noch einmal gelingt, ist die entscheidende Frage. Denn die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen zweierlei: Das Publikum hat Marvel nicht verlassen. Es ist nur wählerischer geworden.

„Avengers: Endgame“ erreichte 2,8 Milliarden Dollar weltweit und mehr als fünf Millionen Zuschauer allein in Deutschland. „The Marvels“ kam dagegen auf 206,1 Millionen Dollar weltweit. Dazwischen liegen Welten.

Das MCU ist deshalb nicht tot. Aber seine größte Stärke – die Fähigkeit, nahezu jeden neuen Film automatisch in ein globales Kinoereignis zu verwandeln – ist verloren gegangen.

„Avengers: Doomsday“ muss nun zeigen, ob Marvel diese Magie zurückholen kann. Deutscher Kinostart ist der 16. Dezember 2026.

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