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04.02.2026
Disneys Ankündigung auf der Comic-Con, dass Robert Downey Jr., der ikonische Darsteller von Tony Stark alias Iron Man, die Rolle des berüchtigten Superschurken Dr. Doom in den kommenden Marvel-Filmen „Avengers: Doomsday“ und „Avengers: Secret Wars“ übernehmen wird, hat das Internet in Schnappatmung versetzt. Während Talent und Charisma von Downey Jr. unbestritten sind, wirft diese unerwartete Entscheidung doch einige kritische Fragen auf. Eine kommentierte Analyse.
Es war der Paukenschlag der Comic-Con 2024 im kalifornischen San Diego: Marvel-Superstar Robert Downey Jr. („Oppenheimer“), der sich mit „Avengers: Endgame“ als Tony Stark aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) verabschiedet hatte, kehrt als Superbösewicht Dr. Doom zurück. Allerdings nicht als Tony Stark oder Iron Man, sondern als völlig eigenständige Figur. Das hat unter Marvel-Fans für Aufregung gesorgt, denn viele hatten auf eine Rückkehr des beliebtesten MCU-Charakters gehofft, und Downey Jr. hatte zuletzt bereits ein Comeback angedeutet. Entsprechend groß ist die Verwunderung. „Warum sieht Dr. Doom plötzlich aus wie Iron Man?“, fragten viele Fans beim Kurznachrichtendienst X (früher Twitter) - abgesehen davon, dass die Figur des Dr. Doom immer eine Maske trägt.
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Doch Schauspieler hassen es, ständig mit verborgenem Gesicht arbeiten zu müssen, weil sie vom Publikum nicht erkannt werden. Deshalb reißen sich viele Marvel-Helden auch oft die Masken vom Gesicht – selbst im Kampf, wo das eigentlich fürchterlich unpraktisch ist. Und auch bei Robert Downey Jr. ist davon auszugehen, dass er irgendwann sein wahres Gesicht zeigen wird - und selbst wenn Victor Von Doom alias Dr. Doom ein entstelltes Antlitz hat, wird man es als das von Downey Jr. alias Iron Man aka Tony Stark erkennen.
Disneys Besetzung von Robert Downey Jr. ist ein Akt der puren Verzweiflung
Warum also besetzt Disney sein größtes Zugpferd in einer völlig neuen Rolle? Die Antwort liegt auf der Hand: Es ist die pure Verzweiflung! Ein Jahrzehnt lang regierte das Marvel Cinematic Universe Hollywood und hatte ein gigantisches Momentum, wie die Amerikaner so gerne sagen, auf seiner Seite. Doch nach dem für Fans genialen, monumentalen Doppelschlag „Avengers: Infinity War“ (2018) und „Avengers: Endgame“ (2019) entwich dem MCU plötzlich die Luft. Der Neuanfang mit dem Start von Phase 5 mit „Ant-Man And The Wasp: Quantumania“ (2023) ging kommerziell in die Hose und enttäuschte inhaltlich. Zu allem Überfluss verbrannte auch noch der neue Hauptbösewicht Kang, weil sein Darsteller Jonathan Majors von einem Gericht wegen Körperverletzung und häuslicher Gewalt schuldig gesprochen wurde - so jemand ist für einen Konzern wie Disney untragbar, selbst wenn der charismatische Majors eine gute Performance zeigte. Und so wurde Kang von Dr. Doom als zentraler Antagonist ersetzt.

Disney holt die alten Helden zurück
Quo vadis, Disney? Downey Jr. ist zurück, „Captain America“ Chris Evans spielt in „Deadpool & Wolverine“ wieder Johnny Storm, die menschliche Fackel, seit der Integration der Fox-Marvel-Assets ins MCU. Der tote Fox-Marvel-Wolverine taucht im MCU in einer anderen Zeitlinie gleich dutzendweise wieder auf - der Disney-Konzern versucht offensichtlich verzweifelt, Charakterköpfe zurückzubringen, denn genau die sind im aktuellen, vor sich hin dümpelnden MCU Mangelware. „Ant-Man And The Wasp: Quantumania“ spielte weltweit nur 476 Millionen Dollar ein, „The Marvels“ floppte mit 206 Millionen Dollar bei einem Budget von 275 Millionen sogar bitter. Der Ist-Zustand des MCU ist trotz des Hits „Guardians Of The Galaxy Volume 3“ (weltweite Einnahmen: 845 Millionen Dollar) relativ trostlos.
„Deadpool & Wolverine“ bringt frischen Wind ins MCU, wirft aber noch mehr Fragen auf
Da hilft es auch wenig, dass die von Fox-Marvel aufgekauften und nun ins MCU integrierten „Deadpool & Wolverine“ einen grandiosen Start an den Kinokassen hinlegten (500 Millionen Dollar Umsatz nach rund einer Woche). Nach dem Film ist jedoch völlig unklar, wie es mit den so unglaublich beliebten Figuren Deadpool und Wolverine im MCU weitergeht.

Die großen Handlungsbögen fehlen
Was es braucht, sind starke Story-Arcs, die sich über mehrere Filme aufbauen. Doch davon ist derzeit nichts zu sehen, alles ist Stückwerk, das eine mäßig („Ant-Man 3“), das andere besser („Guardians Of The Galaxy Volume 3“).
Handlungen müssen Konsequenzen haben
Die ausufernden Zeitreise-Elemente mit den vielen alternativen Erden haben zwar interessante Möglichkeiten eröffnet, aber die Kehrseite der Medaille macht dem MCU schwer zu schaffen. Die Fallhöhe, die mit Thanos‘ Fingerschnippen in „Avengers: Infinity War“, dem genialsten Moment des gesamten MCU, und dem anschließenden hochemotionalen Finale in „Avengers: Endgame“ so hoch war, ist kaum noch vorhanden. Dann erzählt man eben in einer anderen Zeitlinie weiter, in der die Figur nicht tot ist. Taten müssen Konsequenzen haben. Und genau deshalb sind viele Kämpfe im MCU so ermüdend. Wenn Deadpool und Wolverine in ihrem ansonsten sehr unterhaltsamen Abenteuer aufeinander einprügeln, sich gegenseitig aufschlitzen, hat das keine Konsequenzen, weil sie sich regenerieren - das kann noch so flott inszeniert sein, irgendwann langweilt es. Genauso wie Figuren, die in neuen Zeitlinien wieder auftauchen.
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Und wenn Robert Downey Jr. als Iron Man in „Avengers: Endgame“ stirbt, ist das ein tragischer Moment im MCU, der Millionen Fans tief berührt hat. Wenn aber derselbe Mr. Downey Jr. als Dr. Doom wiederaufersteht, ist das langweilig, auch wenn keine Frage besteht, dass Downey seine Sache gut machen wird. Der Glanz des Einzigartigen ist erblasst, nun versucht Disney aus den Trümmern des erloschenen MCU-Sterns etwas Neues zu basteln, während die Kinogänger an den Kinokassen nach Originalität und nicht nach Recycling schreien.
Robert Downey Jr.‘s Rückkehr als Dr. Doom wirft konkrete Fragen auf
Und wenn man es konkret auf die Rückkehr von Downey Jr. als Dr. Doom bezieht, dann fördert das einige Ungereimtheiten zutage. Da ist zum einen die Frage nach der Identität und Authentizität der Figuren. Downey Jr. hat Tony Stark über ein Jahrzehnt mit einer unverwechselbaren Mischung aus Ironie, Charme und Intelligenz geprägt. Seine Darstellung ist so eng mit der Figur des Iron Man verbunden, dass man sich ihn kaum in einer völlig anderen Rolle vorstellen kann. Dr. Doom, alias Victor Von Doom, ist eine Figur von tiefer, düsterer Ernsthaftigkeit und tragischer Schwere. Es besteht die Gefahr, dass die Assoziation von Downey Jr. mit Iron Man die Distanz untergräbt, die notwendig ist, um Dr. Doom glaubwürdig zu verkörpern. Das Publikum könnte Schwierigkeiten haben, Downey Jr. als Dr. Doom zu akzeptieren, ohne ständig an Iron Man erinnert zu werden.

Wo ist die Vision?
Zweitens stellt sich die Frage nach der kreativen Vision und dem Risiko des Typecastings. Marvel hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie mutige und oft unerwartete Besetzungsentscheidungen treffen können, die frischen Wind in ihre Filme bringen. Downey Jr. erneut in einer Schlüsselrolle zu besetzen, ist einfallslos und sicherheitsorientiert. Es ist eine verpasste Chance, einem neuen Talent die Möglichkeit zu geben, sich zu beweisen und dem Marvel-Universum eine neue, unvergessliche Interpretation eines ikonischen Bösewichts zu schenken.
Erzählerische Kohärenz ist gefährdet
Drittens geht es um die erzählerische Kohärenz. Im MCU sind die Charaktere und ihre Geschichten miteinander verwoben und beeinflussen sich gegenseitig. Die Einführung von Downey Jr. als Dr. Doom stiftet Verwirrung, da die innere Logik der Filmreihe beeinträchtigt wird. Wie soll das MCU die Existenz von Tony Stark und Victor Von Doom erklären, wenn sie vom selben Schauspieler verkörpert werden?
Man kann also sagen, dass die Entscheidung, Robert Downey Jr. als Dr. Doom zu besetzen, zwar interessante Diskussionen auslöst, aber auch erhebliche Risiken birgt. Es bleibt zu hoffen, dass Disney und Marvel und Downey Jr. einen Weg finden, diese Herausforderung kreativ zu meistern, um den Fans eine überzeugende und unvergessliche Version von Dr. Doom zu präsentieren. Dennoch bleibt Skepsis angebracht: Manchmal braucht es Mut, neue Wege zu gehen und ausgetretene Pfade zu verlassen. In diesem Fall hätte dieser Mut darin bestehen können, frische Talente und neue Gesichter für eine der faszinierendsten und komplexesten Schurkenrollen des Marvel-Universums zu gewinnen.