
„The Bride“ floppt: Hollywoods berühmtestes Monster bleibt ein Kassenproblem
13.03.2026
Die Lichter am Potsdamer Platz sind längst erloschen, die roten Teppiche eingerollt. Nach elf Tagen, 278 Filmen aus 80 Ländern und einer Abschlussgala, die eher einem politischen Pulverfass glich als einer feierlichen Preisverleihung, bleibt die Frage: Was war diese 76. Berlinale eigentlich? Ein Ort der Kunst oder ein Debattierclub für die Krisen der Welt?
Erstmals seit 22 Jahren (damals Fatih Akin mit „Gegen die Wand“) bleibt die wichtigste Trophäe wieder in Deutschland. İlker Çatak gewinnt mit seinem Politdrama „Gelbe Briefe“ den Goldenen Bären. Der Film, der den repressiven Druck auf ein türkisches Paar schildert, wurde von Jurypräsident Wim Wenders fast schon als Warnschuss für die westlichen Demokratien interpretiert. Doch so wichtig die Botschaft auch ist – rein filmisch lässt sich darüber streiten, ob die Entscheidung der Jury Bestand hat. In einem Wettbewerb, der insgesamt eher durch enttäuschenden Durchschnitt bestach, fühlte sich die Wahl des Hauptpreises fast schon wie ein sicheres politisches Statement an, während künstlerisch mutigere Beiträge das Nachsehen haben mussten.
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Neben dem Hauptpreis verteilte die Jury unter Wenders weitere gewichtige Auszeichnungen. Der Große Preis der Jury ging an die mörderische Dorfgemeinschafts-Tragödie „Kurtuluş“ des türkischen Regisseurs Emin Alper, die stilistisch wie ein Western daherkommt. Das Demenzdrama „Queen At Sea“ des US-Amerikaners Lance Hammer konnte gleich doppelt abräumen: Es erhielt nicht nur den Preis der Jury, sondern bescherte auch dem britischen Duo Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle.
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Ein besonderes Highlight für das heimische Kino war der Erfolg von Sandra Hüller, die für ihre Rolle in „Rose“ bereits ihren zweiten Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin entgegennahm. In dem historischen Drama verkörpert sie eine Frau des 17. Jahrhunderts, die sich als Mann ausgibt, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ihren ersten Bären gewann die gebürtige Thüringerin 2006 für ihre Hauptrolle in „Requiem“.
Während die Fachjury im Wettbewerb ihre Akzente setzte, stimmte das Publikum in der Sektion Panorama ab. Hier triumphierte Faraz Shariat, dessen Film „Staatsschutz“ den 28. Panorama Publikums-Preis für den besten Spielfilm gewann – ein Werk, das auch in meiner persönlichen Wertung mit 4,5 Sternen ganz oben steht. Bei den Panorama Dokumenten ging die Auszeichnung an „Traces“ von Alisa Kovalenko und Marysia Nikitiuk.
Ich muss ehrlich sein: Die Auswahl an wirklich herausragenden Filmen war in diesem Jahr rar gesät. Schon in meiner Zwischenbilanz deutete sich an, dass die 76. Berlinale Mühe hatte, das Niveau vergangener Jahre zu halten. Zwar retteten das Panorama und die Sektion Berlinale Special mit ein paar Last-Minute-Highlights den Gesamteindruck, doch der Wettbewerb blieb hinter meinen Erwartungen zurück.
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Dass am Ende ein Politdrama wie „Gelbe Briefe“ gewann, obwohl es stärkere Beiträge gab, unterstreicht den Eindruck eines Festivals, das sich dieses Jahr mehr über seine Haltung als über seine Ästhetik definierte. In meiner persönlichen Rangliste führt daher auch nicht der Goldene Bär, sondern Lance Hammers „Queen At Sea“ (4,5) sowie Shariats „Staatsschutz“ (4,5), gefolgt von „Josephine“ (4,0) und „The Education Of Jane Cumming“ (4,0).