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04.02.2026
Der Journalist, Autor, Filmemacher Philippe Labro ist tot – ein Multitalent mit Amerika im Herzen, Belmondo im Bild und Melville im Geist. Sein Kino blieb Genre, aber nie belanglos. Ein Nachruf.
Am 4. Juni 2025 starb mit Philippe Labro im Alter von 88 Jahren einer der Letzten aus der alten Garde des französischen Kinos. Geboren am 27. August 1936 in Montauban studierte er ab 1954 an der Washington and Lee University in Virginia. Seine Zeit in den USA verarbeitete er später in mehreren Reiseberichten und Romanen. Tatsächlich war Labro kein reiner passionierter Filmemacher, sondern sollte sich im Laufe seines Lebens in vielen Gattungen künstlerisch betätigen, nicht zuletzt als Schriftsteller, aber auch als Songwriter.
Anfänge als Journalist
Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wurde er zum Militär eingezogen und diente bis 1962 im Algerienkrieg. Danach war er überwiegend als Journalist tätig. Wegen seiner Amerikaerfahrung arbeitete Labro als Korrespondent und wurde unter anderem zur Berichterstattung über das Kennedy-Attentat geschickt. Dafür interviewte er in Dallas Jack Ruby, kurz bevor dieser den mutmaßlichen Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald ermordete, weswegen Labro auch vor der berühmt-berüchtigten Warren-Kommission aussagen musste.
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Gleichzeitig hatte er erste Berührungen mit dem Film. 1960 arbeitete Labro bei der Fernsehserie „Cinq colonnes à la une“, 1962 war er an dem Kurzfilm „Coup de feux à dix-huit heures“ beteiligt, im Jahr darauf wurde einer seiner Kurzgeschichten verfilmt und 1964 verfasste er sein erstes Drehbuch für den Kurzfilm „4 fois D“, den er auch selbst inszenierte.
Durchbruch mit „Neun im Fadenkreuz“
Labro machte Kontakte in der Szene und war unter anderem gut mit Independent-Regisseur Jean-Pierre Melville befreundet, mit dem er eine Leidenschaft für amerikanische Literatur und Filme teilte, die auch in seinen cineastischen Arbeiten immer wieder heraussticht. 1969 folgte seiner erste Regiearbeit für den Langfilm „Tout peut arriver“, ehe er sich 1971 mit dem Kriminalfilm „Neun im Fadenkreuz“ (Hauptrolle: Jean-Louis Trintignant) endgültig in der ersten Riege französischer Genreregisseure etablieren konnte.
1973 drehte Labro den Wirtschaftsthriller „Der Erbe“ mit Superstar Jean-Paul Belmondo in der Hauptrolle. Laut Belmondo unterhielt er dabei Unterstützung von Melville, dem der fertige Film auch in einer Privatvorführung als Erstes gezeigt wurde und der sich mit dem Ergebnis äußerst zufrieden zeigte. Allerdings waren die Produzenten schockiert, dass Labro den Publikumshelden Belmondo am Ende sterben ließ. Angeblich wurde ohne Labros Wissen ein alternatives Ende gedreht, wobei Belmondo überlebt. Letztlich kam die Fassung des Regisseurs ins Kino und kam bei Kritikern und Zuschauern durchaus gut an.
Mit „Der Greifer“ auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit
Allein zwei Millionen Besucher in Frankreich waren ein Erfolg, weswegen Labro sogar eine Fortsetzung angeboten wurde, bei der Belmondos Figur im Krankenhaus wieder erwacht. Der Regisseur lehnte ab, drehte aber drei Jahre später erneut mit seinem Star. „Der Greifer“ wurde zum wohl bekanntesten Film Labros und basierte auf einer gleichnamigen deutschen Vorlage mit Hans Albers in der Hauptrolle. Belmondo spielt hier einen harten Einzelgänger, der im Auftrag der Polizei mit illegalen Methoden Gangster zur Strecke bringt.
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In den Actionszenen orientierte sich Labro dabei sehr an Sam Peckinpahs Erfolgsfilm „The Getaway“. Der Film, den Belmondo selbst produzierte, markierte einen Wendepunkt in der Karriere des Starschauspielers, der fortan immer öfter harte Bullentypen spielen sollte. Gemessen an den hohen Erwartungshaltungen des Duos war „Der Greifer“ an den Kinokassen eine relative Enttäuschung, wenn auch bei weitem kein Flop (1,5 Millionen Zuschauer in Frankreich, 1,47 Millionen in Deutschland), weswegen Labro sieben Jahre keine Filme mehr machte.
Rückzug aus dem Filmgeschäft Mitte der 80er Jahre
Immer wieder handelten Labros Filme von Korruption und Korrumpierbarkeit, so auch in seinen letzten Beiträgen „Das Wespennest“ von 1983 und „Die Enthüllung“ (1984), in welchem Gérard Depardieu die Hauptrolle mimte. 1985 zog er sich weitgehend aus dem aktiven Filmemachen zurück und wurde Programmleiter des französischen RTL, wobei er noch gelegentlich Drehbücher schrieb.
Seinen Posten hielt er bis 2000, zwischenzeitlich war er zum Vizepräsidenten des Senders aufgestiegen. 2001 war er Mitglied der Jury in Cannes, 2010 wurde er Kommandeur der Ehrenlegion. Bis 2013 war er regelmäßig als Schriftsteller aktiv, ehe er sich weitgehend zurückzog. Anfang der Woche erlag er einem Krebsleiden.
Philippe Labro hat sicherlich keine großen Spuren im europäischen Kino hinterlassen, aber dem französischen Unterhaltungskino eine Reihe unterhaltsamer Beiträge vermacht.