Die Highlights des Jahres 2025 (von Alexander Querengässer) 04.01.2026

Zum Ende des Jahres präsentieren wir euch die ganz persönlichen Highlights unserer KINO-TOTAL.net-Autoren mit den besten Filmen, die 2025 regulär in den Kinos und im Streaming angelaufen sind. Heute: Andreas Querengässer.

2025 hinterlässt mich als Kinozuschauer seltsam enttäuscht. Zum Teil liegt das daran, dass ich schon mit geringen Hoffnungen in dieses Jahr gestartet bin. Die großen Regisseure und Schauspieler, die mich vor die Leinwand locken, hatten überwiegend 2024 abgeliefert und leisteten sich dieses Jahr eine Pause oder waren mit dem Dreh von neuen Projekten beschäftigt. Meine große Hoffnung auf die Fortsetzung von Kevin Costners „Horizon“ blieb, trotz zwischenzeitlich positiver Signale deutscher Verleiher, am Ende enttäuscht. Und so sah ich eine Reihe von Filmen, an die ich zunächst keine wirkliche Erwartung hatte und stellte am Ende fest, dass auch bei mir die Mechanismen des Mainstreamzuschauers funktionieren, der sich mitunter eher am biederen Gewohnten, als am Innovativen erfreut, zumindest wenn es letzterem am besonderen Etwas fehlt.

Zwei Musiker-Biopics als Highlights

Daher zähle ich zu meinen Highlights in diesem Kinojahr vor allem zwei Musiker-Biopics, als Vertreter der aktuellen Modewelle. James Mangolds Bob-Dylan Film „Like A Complete Unknown“ überzeugte mit einem großartig aufspielenden Timothée Chalamet in der Hauptrolle, der sich auch als Gesangstalent entpuppte und eine tolle Interpretation der Songs liefert, weswegen ich mir auch den Soundtrack zum Film sicherte. Ein guter Star und liebgewonnene Songs genügten, um über die narrativen Schwächen des Films hinwegzutäuschen, der anscheinend bewusst auf lange Gesangseinlagen statt Story setzte. Als Versuch einer anspruchsvollen Dylan-Interpretation sicherlich kein großer Wurf, als Unterhaltungsfilm durchaus gelungen.

Scott Coopers Bruce-Springsteen-Film „Springsteen: Deliver Me From Nowhere“ nahm sich da schon mehr Zeit, Abgründe des „Boss“ auszuloten, drang dabei auch nicht all zu tief vor, überzeugte aber ebenfalls mit einem in mehrfacher Hinsicht gut aufspielenden Hauptdarsteller.

Gut unterhalten und beruhigt verließ ich auch das Kino nach Michael „Bully“ Herbigs „Das Kanu des Manitu“, der sich als überraschend lustige Fortsetzung entpuppte und sich nach den ganzen unnötigen Winnetou- und Indianerdiskussionen eben nicht der Political Correctness unterwarf. 5 Millionen Zuschauer belegen, dass Bully die Hochzeit dieser Debatten gekonnt ausgesessen hatte.

Zwei Enttäuschungen und mehr

Dagegen ließen mich zwei Literaturadaptionen zu Beginn des Jahres eher enttäuscht zurück. Matthieu Delaportes und Alexandre de La Patellières Dumas-Verfilmung „Der Graf von Monte Christo“ überzeugte mich weder als Kostümschinken noch als auf Spielfilmlänge eingedampfte Version des seitenstarken Roman-Epos und Robert Eggers‘ Neuauflage von „Nosferatu“ war zwar schön anzusehen, setzte aber meines Erachtens zu stark auf „Sex sells“, anstatt auf narrative Tiefe.

Und über „Schön anzusehen“ kommen wir zum zweiten Teil meiner Liste, nämlich den vorab gehypten Filmen „Warfare“ und „One Battle After Another“, die ich – was ja prinzipiell nicht verkehrt ist – ohne allzu große Erwartungen gesehen habe. Und ja, sie waren schön anzusehen und überzeugten durch handwerkliche Raffinesse, aber richtig abgeholt haben sie mich am Ende nicht.

Gleiches gilt für Dennis Gansels „Der Tiger“, der zwar optisch wertig rüberkommt, aber für mich einen der tödlichsten Fehler eines Films begeht: Er will ganz offensichtlich cleverer sein, als er ist. Eine Bindung konnte ich zu diesen drei Filmen nie aufbauen

Eine Indieperle mit Nostalgiefaktor

Das ist der Indieperle „Reflections In A Dead Diamond“ von Hélène Cattet und Bruno Forzani schon eher gelungen, vielleicht weil ich schon vor Filmbeginn in nostalgischer Vorfreude nervös im Kinositz hin und her rutschte und endlich Fabio Testi sehen wollte, einen der letzten Stars aus den von mir über alles geschätzten goldenen Tagen des italienischen Genrekinos. Auch dieser Film setzte letztlich auf ein Übermaß an Style und bot eher über den Nostalgiefaktor, als die eigentliche Erzählung eine Identifikationsmöglichkeit, hat aber bei mir besser funktioniert als „Warfare“ und „One Battle After Another“.

Jude Law in „The Order“ (© Amazon Prime Video)
Jude Law in „The Order“ (© Amazon Prime Video)

Die Überraschung des Jahres: „The Order“

Ganz nebenbei sah ich mir dann eines Abends den Amazon-Prime-Film „The Order“ an, der für mich zu den Highlights des Jahres zählt, einfach, weil er eben nicht besonders sein will, sondern einfach eine gute Story erzählt, handwerklich gut gemacht ist und an den richtigen Punkten sowohl narrativ als auch mit der Action überzeugen kann, sodass man am Ende einen Wow-Film hatte, mit dem man nicht gerechnet hat.

Dass es nicht einfach ist, einfach nur das gewohnte in solider Manier zu liefern und damit zu überzeugen, bewies „Alto Knights“, der alle Zutaten eines klassischen Scorsese-Mafia-Thrillers hatte, einschließlich eines doppelten Robert De Niro. Aber eben keinen Martin Scorsese und auch nicht die Magie seiner Filme.

Filme auf der Watchlist

Schade ist, dass gute Filme vermehrt nur noch im Streaming erscheinen und keine große Leinwand mehr finden. So blieb mir mangels Netflix-Abo bisher auch die Chance auf Gareth Evans neuesten Actionkracher „Havoc“ verwehrt, in dem neben Tom Hardy auch der von mir sehr geschätzte Timothy Olyphant eine Rolle spielte. Dagegen ist Spike Lees hochgelobter „Highest 2 Lowest“, der auf einem Film Akira Kurosawas beruht und in dem der nach wie vor coole Denzel Washington die Hauptrolle mimte, schneller durch unsere Kinos gerauscht, als man – oder zumindest ich – schauen konnte. Zusammen mit „Der Brutalist“ bildet sich so eine Trilogie von Filmen des letzten Jahres, über die ich mir aktuell noch kein Urteil bilden kann, welche ich aber bei nächster Gelegenheit auf der Couch und meinem inzwischen gar nicht mehr so kleinen, wenn auch eine Kinoleinwand nie ersetzenden, Fernseher nachholen möchte und von denen ich mir durchaus mehr erhoffe.

Hoffnung auf angekündigte Filme

Und so starte ich mit etwas mehr Hoffnungen ins Jahr 2026 und harre der angekündigten Filme. Ob Michael Manns „Heat 2“ an das Original heranreichen wird, weiß ich nicht, aber enttäuscht war ich vom Altmeister noch nie und daher freue ich mich besonders auf den vermutlich erst nächstes Jahr erscheinenden Action-Thriller. Kevin Costner drücke ich nach wie vor beide Daumen für „Horizon 2“ und auf Denis Villeneuves dritten „Dune“ kann man sich sicherlich ebenso freuen, wie auf sein Bond-Projekt oder die anderen angekündigten SciFi-Projekte. Ich war nie der größte Steven-Spielberg-Fan, aber mit seinem angekündigten Überraschungsfilm wird man wohl ebenfalls nicht viel verkehrt machen.

Mehr Musiker-Biopics

Bevor die Musiker-Biopic-Welle mit Modern Talking und Heino totgeritten wird, bin ich gespannt, ob es wirklich zu jedem Beatle einen Einzelfilm gibt. Zumindest John Lennons Leben bietet genügend Stoff und auch George Harrisons spirituelles Erwachen könnte einen interessanten Film abgeben. Was mich persönlich freuen würde, wäre mal wieder ein guter Historienfilm, nachdem Ridley Scott, der damit lange Zeit Standards gesetzt hatte mit seinen letzten Projekten „Napoleon“ und „Gladiator II“ doch krachend gescheitert ist. Aber am Ende ist alles Geschmackssache und die liegt nun einmal gerade beim Kino im Auge des Betrachters.

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