
„Avatar 4“ und „Avatar 5“ beleuchten Ursprung des Avatar-Programms
04.02.2026
Zum Ende des Jahres präsentieren wir euch die ganz persönlichen Top-10-Liste unserer KINO-TOTAL.net-Autoren mit den besten Filmen, die 2025 regulär in den Kinos und im Streaming angelaufen sind. Den Anfang macht Tobi Tißen.
Wenn ich mich am Ende eines Jahres hinsetze, um mich mit meinen Lieblingsfilmen des Jahres zu beschäftigen, erwartet mich in der Regel ein „Aha!“-Moment. Denn oft gehen mir die vielen kleinen Perlen, die ich in den vergangenen zwölf Monaten gesehen habe, im Meer aus seelenlosem Blockbuster-, Franchise- und Remake-Schund verloren.
So auch in diesem Jahr: „The Running Man“, der erste enttäuschende Film von Edgar Wright („Shaun Of The Dead“), verdrängte das erhebende Erlebnis, das mir „Der Brutalist“ im Kino beschert hat. Die lahme Geisterbahnfahrt „Conjuring 4: Das letzte Kapitel“ tilgte den Spaß, den ich mit „Vorsicht, Freundschaft!“ hatte. Oder hat die brachiosaurusgroße Enttäuschung „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ alle positiven Gedanken ans Kinojahr 2025 aufgefressen? Auch das mag sein. Und trotzdem: Zwischen all der enttäuschenden Stangenware waren da auch diese Filme, die mich komplett umgehauen und mit auf eine emotionale Reise genommen haben – und an die ich mich teilweise erst beim Sortieren dieser Liste wieder so richtig erinnert habe.
Wie auch immer: Hier kommen meine Lieblingsfilme des vergangenen Jahres.
1. „Spinal Tap II: The End Continues“ (Rob Reiner, USA 2025)
Dass sich „Spinal Tap II: The End Continues“, Rob Reiners seeehr späte Fortsetzung seines 1984er-Meisterwerks „This Is Spinal Tap“, irgendwo in der oberen Hälfte meiner Topliste einordnen würde, stand für mich schon fest, als sich mein dickes Grinsen im Fernseher spiegelte, auf dem gerade die Credits runterliefen.
Dann kam der 15. Dezember und die Nachricht vom grausamen Mord an Rob Reiner und seiner Frau. Und als ich als Reaktion darauf ein zweites Mal „Spinal Tap II“ anschmiss, mischten sich bittere Tränen der Trauer unter die süßen Nostalgietränchen. Als ein zweites Mal die Credits vor mir herunterliefen, war „Spinal Tap II“ der Titel „Lieblingsfilm 2025“ nicht mehr zu nehmen.
Und das ist hochverdient und nicht nur eine Verbeugung vor Regisseur Rob Reiner. „This Is Spinal Tap“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme, ich habe David St. Hubbins (Michael McKean), Nigel Tufnel (Christopher Guest) und Co. dutzende Male lauthals lachend auf US-Tour begleitet. Und als dann, 40 Jahre nach dem Original, eine Fortsetzung angekündigt wurde, war ich erstmal skeptisch: Kann das funktionieren? Weil mich in diesem Sommer mit „Die nackte Kanone“ schon ein anderes, sehr spätes Comedy-Sequel äußerst positiv überraschte, drückte ich schließlich doch guter Dinge auf den Play-Button.
Und wie gesagt: „Spinal Tap II“ enttäuscht nicht. Rob Reiner trifft genau den Ton seines legendären Originals. Der Humor ist immer noch staubtrocken, aber nie zynisch. Die Hauptfiguren sind alt geworden, dürfen peinlich sein – und werden trotzdem nie der Lächerlichkeit preisgegeben. Damit schließt sich ein Kreis. „This Is Spinal Tap“ war 1984 Rob Reiners erster Film als Regisseur, „Spinal Tap II“ wird sein letzter Spielfilm bleiben. Ruhe in Frieden, Rob! Danke für so viel Lachen, so viele Tränen, so viele Stunden großartigen Kinos.
… warum der originale „Spinal Tap“ nicht weniger als der beste Musikfilm aller Zeiten ist, erkläre ich übrigens hier: Filmkritik zu „This Is Spinal Tap“
2. „Der Brutalist“ (Brady Corbet, USA/UK/Ungarn 2024 – Kinostart 2025)
Brady Corbet („Vox Lux“) interessiert sich in seinem Dreieinhalb-Stunden-Epos „The Brutalist“ weniger für das klassische Aufstiegsdrama als für die feinen Risse: in einer Ehe, in einer Identität, in einer Gesellschaft, die ihren „visionären“ Einwanderer zwar feiert, aber nie wirklich annimmt.
Adrien Brody („Der Pianist“) spielt László Tóth als Mann, der immer wieder neu lernt, seinen Kompromiss mit der Welt auszuhandeln – zwischen persönlicher Moral, künstlerischer Integrität und dem Druck eines superreichen Auftraggebers, der in jedem Gebäude auch gleich sein eigenes Denkmal errichtet sehen will.
Formell ist das Ganze ein absoluter Brocken – immerhin erlaubt die eingebaute Intermission die dringend nötige Toilettenpause. Aber es ist auch ein wunderschöner Brocken: klinisch präzise Kompositionen, harte Kontraste, architektonische Bildgestaltung, die nie selbstverliebt wirkt, sondern Lászlós Innenleben spiegelt. Nicht umsonst hat „Der Brutalist“ bei Golden Globes und Oscars abgeräumt – selten war ein episches Charakterdrama so bildgewaltig und zugleich so präzise in seiner Beobachtung.
Und wenn ganz am Ende des Films zwei kleine Sätze die gerade gesehenen dreieinhalb Stunden noch einmal in ein ganz anderes Licht rücken und nochmal einen größeren Sinn geben, ist das einfach nur noch berauschend – und ich war an diesem Punkt einfach nur noch emotional durch. In der allerbesten Art und Weise.
3. „Vorsicht, Freundschaft!“ (Andrew DeYoung, USA 2024 – Kinostart 2025)
Schon mal von der Netflix-Show „I Think I Should Leave“ oder der erst kürzlich gestarteten HBO-Serie „The Chair Company“ gehört? Falls nicht: Das sind die beiden bekanntesten Projekte von Ex-„Saturday Night Live“-Autor Tim Robinson. Und ich kann sagen: Kein anderer Mensch hat es in den vergangenen Jahren geschafft, mir so viele Lachanfälle zu bescheren wie Tim Robinson.
Die in Deutschland ganz fies „Vorsicht, Freundschaft!“ betitelte Komödie „Friendship“ ist die erste richtige Kino-Hauptrolle von Tim Robinson – und wer seine sonstigen Projekte kennt, weiß genau, was ihn erwartet: eine schwarze Komödie, die so konsequent im Cringe badet, dass man das eine oder andere Mal reflexartig das Gesicht in den Händen vergräbt. Anders als in „I Think You Should Leave“, wo Robinsons Figuren meist nach ein paar Minuten im Abgrund verschwinden, bleibt „Friendship“ aber so lange bei seinem Antihelden, dass aus der Sketch-Fremdscham langsam echte Tragik wird.
Und genau darin liegt ihre Stärke: Der Film ist gnadenlos ehrlich darin, wie peinlich, egoistisch und zerstörerisch das idealisierte Bild eines „besten Kumpels“ sein kann, wenn dahinter eigentlich Einsamkeit, Besitzansprüche und verletzte Egos stecken.
Tim Robinson spielt seinen Protagonisten als Mischung aus wandelndem Autounfall und tragischer Figur – man will ihn anschreien, ihn schütteln, ihm eine Umarmung geben und ihn gleichzeitig nie wieder sehen. Paul Rudd („Ant-Man“) wiederum nutzt als Gegenpart sein ewiges Charme-Image, um eine Figur zu zeichnen, die zwar „der Coolere“ in dieser Dynamik ist, deswegen aber keinen Millimeter weniger verloren wirkt.
Platz 4 bis 10: Die restlichen Favoriten
Hier nur in Kurzform – aber jeder einzelne davon hätte eine eigene Liebeserklärung verdient:
4. „Blood & Sinners“ (Ryan Coogler, USA 2025)
5. „Bring Her Back“ (Danny & Michael Philippou, Australien 2025)
6. „Die nackte Kanone“ („The Naked Gun“, Akiva Schaffer, USA 2025)
7. „The Last Showgirl“ (Gia Coppola, USA 2024 – Kinostart 2025)
8. „Bugonia“ (Yorgos Lanthimos, USA/Südkorea/Irland 2025)
9. „F1“ (Joseph Kosinski, USA/UK 2025)
10. „Frankenstein“ (Guillermo del Toro, USA/Mexiko 2025 – Netflix)
Auch interessant:
Die besten Filme des Jahres 2025 (von Carsten Baumgardt)
Die besten Filme des Jahres 2025 (von Sophia Förtsch)