Die besten Filme des Jahres 2024 (von Tobi Tißen) 24.12.2024

Zum Ende des Jahres präsentieren wir euch die ganz persönlichen Top-10-Liste unserer KINO-TOTAL.net-Autoren mit den besten Filmen, die 2024 regulär in den Kinos und im Streaming angelaufen sind. Den Anfang macht Tobi Tißen.

Das Kinojahr 2024 war für mich ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite schlich ich mehrfach mit leicht hängenden Schultern aus dem Saal – wenn bei von mir heiß erwarteten Filmen der Funke einfach nicht von der Leinwand auf mich überspringen wollte. I’m looking at you, „Challengers“, „Furiosa: A Mad Max Saga“, „MaXXXine“, „Megalopolis“. Versteht mich nicht falsch: Keiner dieser Filme ist ein kompletter Rohrkrepierer. Sie sind okay. Gehobenes Mittelmaß. Total solide. Voll in Ordnung halt.

Aber ganz ehrlich: Ist es nicht fast schlimmer, wenn einem ein Film gleichgültig ist, als wenn man sich über eine absolute Vollgurke ärgern kann? Diese Gleichgültigkeit schmerzt umso mehr, wenn man jahrelang auf einen Kinobesuch hingefiebert hat, wie ich vor „Furiosa“, der Fortsetzung des besten Actionfilms des neuen Jahrtausends (keine Diskussion).

Die Vollgurke des Jahres: „Gladiator II“

Ach ja, apropos Vollgurke: „Gladiator II“ geht siegreich aus der Schlacht um die größte Enttäuschung des Jahres hervor. Wobei, eigentlich stand da gar keine große Konkurrenz in der Arena. Ridley Scotts unnötiges Sequel ist visuell abstoßend und erzählerisch gerade mal eine blasse Karikatur des Originals.

Mark Eidelshtein and Mikey Madison in „Anora“ (© Universal Pictures)
Mark Eidelshtein and Mikey Madison in „Anora“ (© Universal Pictures)

Aber genug des Gemeckers! Auf der anderen Seite gab es nämlich auch diese Momente, für die ich das Kino liebe. Filme, die mich einfach nur weggeblasen haben (Hi, „Anora“) und solche, die mich völlig überraschend mit breitem Grinsen aus dem Saal entließen: Die spaßigsten Kinostunden des Jahres bescherte mir „Terrifier 3“ (Grüße an meinen Therapeuten!), auch „Beetlejuice Beetlejuice“ und „Alien: Romulus“ entpuppten sich als verdammt gelungene Leinwandunterhaltung.

Meine Top 10

1. „Anora“ (Sean Baker, USA 2024)

„Als der Abspann lief und ich den Saal verließ, wusste ich es sofort: Das war der beste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe!“ – So sollte mein Text zu „The Substance“ starten, der die Spitzenposition hier eigentlich schon sicher hatte. Dann habe ich doch noch eine Vorstellung von „Anora“ erwischt – und musste meine Rangliste spontan doch nochmal umwerfen. Toosh, Sean Baker.

„Anora“ ist das (vorläufige) Meisterstück des „The Florida Project“-Regisseurs. Der Film vereinnahmt zunächst als sympathische Außenseiter-Lovestory, schlägt dann einen unvorhersehbaren Haken nach dem anderen und spuckt einen am Ende emotional völlig erschöpft wieder aus – begleitet von der wohl beeindruckendsten Schlussszene des Jahres.

Wie schon in seinen bisherigen Filmen beleuchtet Sean Baker ungeschönt ein Leben am Rande der Gesellschaft. Doch während in „Tangerine“ oder „The Florida Project“ noch eine dokumentarische Rohheit vorherrschte, hebt Baker seine Art des Filmemachens auf ein neues Level. Die narrative Struktur von „Anora“ ist deutlich vielschichtiger – die Figuren sind dadurch aber kein Stück weniger authentisch und greifbar. Dafür sorgt auch die fantastische Schauspielerriege um die alles überstrahlende Mikey Madison („Scream“).

Fiebrig, spannend, überraschend, ergreifend, ambitioniert, persönlich, manchmal einfach nur urkomisch – all das ist „Anora“. Und noch viel mehr. Ein Meisterwerk.

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2. „The Substance“ (Coralie Fargeat, USA 2024)

Wie bei meinem Platz eins schon geschrieben: Eigentlich stand schon klipp und klar fest, dass „The Substance“ mein Top-Film 2024 wird. Dann kam „Anora“. Aber auch „The Substance“ trifft komplett meinen cineastischen Nerv: Eine bitterböse Body-Horror-Satire auf Schönheitswahn und Abhängigkeit, die in einem Finale gipfelt, das das von Brian Yuznas Body-Horror-Meilenstein „Society“ noch in den Schatten stellt. Das alles getragen von zwei herausragenden Hauptdarstellerinnen – Demi Moore war nie besser! Visuell gibt’s Hochglanzkino in klinischer Ästhetik, durchzogen von gleißendem Licht und schonungsloser Kälte. Wow!

David Howard Thornton und Krsy Fox in „Terrifier 3“ (© Tiberius Film)
David Howard Thornton und Krsy Fox in „Terrifier 3“ (© Tiberius Film)

3. „Terrifier 3“ (Damien Leone, USA 2024)

Dass „Terrifier 3“ es in meine Jahresbestenliste schafft, hätte ich nicht für möglich gehalten. Doch dieser exzessive, kompromisslose Gore-Trip erfüllt genau das, was ich mir von einem Splatter-Film immer erhofft habe: Effekte, die die Grenzen des Zeigbaren sprengen – und dann immer noch einen draufsetzen. Alles handgemacht, immersiv, fast schon greifbar. Dazu Art, der Clown, der sich mit stoischer Brutalität à la Jason Voorhees und dem sarkastischen Humor eines Freddy Krueger (ab Teil 3) endgültig zur Horror-Ikone schlachtet. Und fast noch beeindruckender: Trotz eines Mini-Budgets von zwei Millionen US-Dollar sieht der dritte Teil der Reihe endlich nach „echtem Kino“ aus. Ja, die Handlung ist nicht mehr als lose Strukturpaste für die Kills – aber was für Kills. Hallelujah!

4. „Dune: Part Two“ (Denis Villeneuve, USA 2024)

5. „Poor Things“ (Giorgos Lanthimos, USA 2023)

6. „The Holdovers“ (Alexander Payne, USA 2023)

7. „Beetlejuice Beetlejuice“ (Tim Burton, USA 2024)

8. „Alien: Romulus“ (Fede Álvarez, USA 2024)

9. „The Apprentice – The Trump Story“ (Ali Abbasi, USA 2024)

10. „Late Night With The Devil“ (Cameron Cairnes & Colin Cairnes, USA 2024)

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