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30.06.2026
Don Johnson und Cheech Marin machen „Nash Bridges“ zu einer unterhaltsamen Mischung aus Action, Humor und 90er-Jahre-Nostalgie.
Nach dem Ende der Kultserie „Miami Vice“ hoffte Don Johnson sicherlich nicht zu Unrecht, den Sprung vom kleinen Bildschirm auf die große Leinwand zu schaffen und auch in Hollywood durchstarten zu können, wo mit Stars wie Kevin Costner und Mel Gibson immerhin gerade ganz ähnliche Typen wie er gefragt zu sein schienen. Doch so richtig gelingen mochte dieses Vorhaben nicht. Mit „Harley Davidson & The Marlboro Man“ verbucht er zwar einen kleinen Kultfilm in seiner Vita, aber 1996 reichte es dann nur noch für eine Nebenrolle in der Golfer-Komödie „Tin Cup“, in der eben Kevin Costner, dessen Karriere inzwischen dank „Waterworld“ auch einen Knick zu nehmen drohte, die Hauptrolle spielte. Costners Sidekick wurde hier von Latinostar Cheech Marin verkörpert, der in den Siebzigern und Achtzigern mit Tommy Chong ein beliebtes Comedyduo der kalifornischen Kifferszene bildete. Johnson entschied sich schließlich für den Schritt zurück ins Fernsehen und entwickelte zusammen mit dem damals noch weitgehend unbekannten Carlton Cuse das Konzept für eine Polizeiserie rund um den gereiften Cop Nash Bridges, in vielerlei Hinsicht ist „Nash Bridges“ eine erwachsene Version seines Sonny Crockett aus „Miami Vice“.
Nash Bridges (Don Johnson) ist Leiter der „Special Investigation Unit“ (SIU) des San Francisco Police Department. Zusammen mit seinem Partner Joe Dominguez (Cheech Marin) ist er für eine breite Palette an Kriminalfällen in der ganzen Stadt zuständig. Als ob das noch nicht reicht, überredet ihn der immer auf einen schnellen Dollar versessene Joe wiederholt zu Nebenjobs und gründet später auch eine gemeinsame Detektivdatei. So unterschiedlich wie die Charaktere der beiden Buddys ist auch ihr Privatleben. Joe ist mit der Schwedin Inga verheiratet und wird in fortgeschrittenem Alter noch einmal Vater. Der zweimal geschiedene Nash ist zwar ein Frauenschwarm, hütet sich aber vor allzu festen Bindungen. Dafür nehmen seine Tochter Cassidy (Jodi Lyn O‘Keefe) und sein Vater Nick (James Gammon) einen großen Teil seiner Freizeit ein.

Auch mit „Nash Bridges“ sollte Don Johnson („Rebel Ridge“) nicht vollständig an den Erfolg von „Miami Vice“ anknüpfen. Dennoch baute sich die Serie ein festes Stammpublikum auf, das bis zum Schluss die seinerzeit hohen Produktionskosten von über einer Million Dollar pro Folge rechtfertigte. Die Macher konnten hierfür auf die Kooperation der Stadt San Francisco vertrauen, die die Gelegenheit am Schopf packte, um sich der amerikanischen Öffentlichkeit zu präsentieren. Dieses Zusammenspiel merkt man den einzelnen Folgen immer wieder an, die aufwendige Szenen an den schönsten Orten der gesamten Stadt präsentieren. Zentraler Bestandteil sind die Szenen in Nashs Plymouth Barracuda, in denen er mit Joe über Fälle und Privatleben spricht und die allesamt auf den Straßen von San Francisco gedreht wurden.
Obwohl schon zeitgenössische Kritiken in „Nash Bridges“ eine Neufassung von Johnsons „Miami Vice“-Charakter sahen, hat die Serie einen vollkommen eigenen Stil und inhaltlichen Charakter. Die geschniegelten Armani-Anzüge der Achtziger wichen knallbunten, weit geschnittenen Sakkos, die für den heutigen Zuschauer gewöhnungsbedürftig anzusehen sind. Die Westen, die Johnson unter dem Sakko trägt, können jedoch nicht kaschieren, dass er im Laufe der Jahre deutlich an Gewicht zulegte. Dafür wartet die Serie mit einer innovativen Kameraführung auf, nutzte neue, mobilere Handkameras für dynamische Aufnahmen, beendet Szenen mit Reißschwenks, die mit einem comichaften Sound unterlegt werden, und präsentiert immer wieder schräge Kamerawinkel, die sie aus dem Einheitsbrei der TV-Produktionen herausreißt.
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Inhaltlich ist „Nash Bridges“ kein Neo-Noir, sondern ein Mix aus Action und Crime – wobei Schießereien und Verfolgungsjagden mit Nashs knallgelbem „Cuda“ gegenüber ausgetüftelten Whodunit-Episoden überwiegen –, gepaart mit Familiencomedy-/-drama. Denn es sind vor allem die privaten Momente Nashs und Joes, die die Zuschauer in den Bann dieser Figuren ziehen und in denen die Macher immer wieder geschickt zwischen Comedy und Drama hin- und herwechseln.
Obwohl der Titel den Fokus auf Don Johnsons Figur legt, steht der von Cheech Marin gespielte Joe Dominguez als sein Partner nahezu auf Augenhöhe mit ihm. Tatsächlich scheinen die beiden besser miteinander zu harmonieren als Sonny Crockett und Tubbs. Mitte der Neunziger war es durchaus noch ungewöhnlich, einen Weißen und einen Latino als Buddyduo zu kombinieren. Das Besondere der Serie ist, dass sie diesen Umstand nie thematisiert, sondern einfach geschehen lässt. Mehr kann man Gleichberechtigung nicht leben.
Die Inszenierung der seinerzeit bunten Friscoer LGBT-Szene – die damals noch keiner so genannt hat – muss heute manch neokonservativem Zuschauer vor Wut die Zehennägel heraufrollen. Als Privatdetektive genießen Nash und Joe ein schwules Klientel und gelten in der Szene als Paar, Latino-Cop Evan Cortez muss mehrfach in der Travestieszene ermitteln – undercover natürlich. Die Serie zeigt diese Seite Friscos stets mit Humor, aber nie ohne Respekt und ist in all diesen Bereichen reifer und weiter als viele nachfolgende Film- und Serienproduktionen, die eine liberale Botschaft viel zu didaktisch fordernd in den Mittelpunkt rücken müssen.
Neben Nash und Joe nimmt sich die Serie immer wieder auch Zeit für die anderen Cops der SIU, allen voran den jungen Evan Cortez (Jaime Gomez), der eine On-Off-Beziehung mit Nashs Tochter anfängt, sowie den ehemaligen Hippie Harvy Leek, der als stiller Charakter, aber guter Cop immer etwas im Windschatten von Nash steht, aber von Jeff Perry brillant gespielt wird.
„Nash Bridges“ ist eine Serie aus der Zeit vor den großen, zusammenhängenden Staffelplots, bestehend aus in sich abgerundeten Folgen, auch wenn es durchaus handlungsübergreifende Erzählstränge gibt. 2001 wurde die Produktion nach der sechsten Staffel eingestellt, da ein neuer Sendeplatz einen Zuschauerrückgang mit sich brachte und Don Johnson keine Lust mehr auf die zeitaufwendige Produktion hatte. Dies ist schade, denn die letzte Folge endete mit einem ordentlichen Cliffhanger, der nie mehr aufgelöst wurde.
2021 folgte der Versuch eines Revivals in Form eines Pilotfilms, der das offene Ende verwarf, aber die verbliebenen Charaktere Nash, Joe und Harvey zu ihren eigenen Klischees verkommen ließ und den großen Frevel beging, gleich in den ersten Minuten Nashs geliebten „Cuda“ zu zerstören, der ein wesentlich integralerer Bestandteil der alten Serie war als Sonny Crocketts Ferraris. Aus dem geplanten Neustart wurde daher nichts.
Fazit: „Nash Bridges“ ist eine unterhaltsame Buddy-Crime-Serie mit Neunzigerjahre-Charme, tollen Figuren und vielfältigen Episoden, die von Action über Drama bis Humor alles bieten.