Wo die Lüge hinfällt

Unterhaltsame Screwball-RomCom mit überragenden Stars

Sie ist langsam dahingesiecht – über Jahre, auch wenn sie nie ganz ausgestorben war, aber nun feiert die romantische Komödie ein rauschendes Comeback. Und zwar ein unerwartetes. Denn dass Will Gluck mit „Wo die Lüge hinfällt“ einem ganzen Genre neues Leben einhauchen würde, war kaum abzusehen, fiel doch der Kinostart in Nordamerika mit sechs Millionen Dollar am ersten Wochenende bescheiden aus. Doch die Mundpropaganda machte aus der witzigen RomCom in den USA einen echten Sleeper-Hit. Das hat auch einen Grund: Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Sydney Sweeney und Glen Powell ist phänomenal! Da stört es auch nicht weiter, dass die an William Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ angelehnte Prämisse über ein verhindertes Paar, das nicht weiß, ob es sich lieben oder hassen soll, nie vollkommen glaubwürdig ist. Denn schon nach wenigen Minuten gemeinsamer Leinwandzeit ist jedem im Kinosaal klar, dass die beiden Protagonisten ein perfektes Gespann abgeben.

Boston: Die erste Begegnung in einem Coffeeshop hat etwas Magisches, als der charmante Börsenmakler Ben (Glen Powell) der Jurastudentin Bea (Sydney Sweeney) aus der Patsche hilft. Sie verabreden sich zu einem spontanen Rendezvous, das romantisch beginnt, aber fatal endet. Bea schleicht sich morgens aus der Wohnung und als sie zurückkommen will, hört sie unbemerkt in der Türschwelle, wie Ben gegenüber seinem besten Freund Pete (GaTa) über sie ablästert. Er war offensichtlich verletzt, dass sie sich herausgestohlen hatte. Sechs Monate später kreuzen sich ihre Wege wieder, als Beas Schwester Halle (Hadley Robinson) Petes Schwester Claudia (Alexandra Ship) heiraten will. Die Hochzeitsfeier mit Familie und Freunden findet im australischen Sydney statt. Bea und Ben geraten sich vor Ort so in die Haare, dass Halle und Claudia befürchten, die beiden könnten mit ihrer schlechten Laune die Hochzeit ruinieren. Deshalb schmiedet die Hochzeitsgesellschaft den Plan, die beiden wieder zusammenzubringen. Beas Eltern Leo (Dermot Mulroney) und Innie (Rachel Griffiths) sind allerdings in anderer Mission unterwegs und haben extra Beas langweiligen Ex-Freund Jonathan (Darren Barnet) eingeladen, um alte Zeiten wieder aufleben zu lassen. Währenddessen hat Ben ein Auge auf seine einheimische Ex-Freundin Margaret (Charlee Fraser) geworfen, die aber gerade eine lockere Beziehung mit dem Surfer-Dude Beau (Joe Davidson) führt. Um des lieben Friedens willen spielen Ben und Bea das Spiel mit und geben vor, ein Paar zu sein.

Glen Powell und Sydney Sweeney in „Wo die Lüge hinfällt“ (© Sony Pictures)

Ein Hauch von Shakespeare liegt in der Luft

Regisseur Will Gluck („Freunde mit gewissen Vorzügen“, „Einfach zu haben“) kehrt mit „Wo die Lüge hinfällt“ zu den Wurzeln der romantischen Komödie zurück, nachdem das Genre in den vergangenen Jahren etwas in Vergessenheit geraten war. Der New Yorker legt einen leichten Sommerfilm vor, in dem sich ein wunderbares Verwirrspiel um Missverständnisse und Herzschmerz entfaltet, das an Shakespeares Werke erinnert und doch immer eine eigene Note trägt. Die lose Anlehnung an „Viel Lärm um nichts“ zeigt der Regisseur auch geschickt im Hintergrund, indem er Zitate aus dem Stück als Titelkarten auf Requisiten einblendet und gelegentlich in die Dialoge einbaut.

Spritzige Dialoge und viel Charme

Romantische Komödien sind berechenbar, das gilt auch für „Wo die Lüge hinfällt“, doch die Vorhersehbarkeit der groben Rahmenhandlung schmälert den Unterhaltungswert nicht. Denn auf dem Weg zum Happy End lassen sich Gluck und seine Co-Drehbuchautorin Ilana Wolpert einiges einfallen. Es sind die Zwischentöne und die Art, wie die Geschichte erzählt wird, die den Reiz ausmachen. Obwohl manche Situationen künstlich konstruiert wirken, entfaltet sich die Handlung vor der atemberaubenden Edel-Kulisse Australiens mit einer frischen Natürlichkeit.

Dabei zeigt Gluck auch seine Liebe zur Screwball-Komödie, indem er die klassischen Elemente des Liebesduells und der romantischen Verwicklungen aufgreift. Da wird der (ebenso wie Bea) unverschämt gutaussehende Ben von seinem Schwiegervater als „wie gemeißelt“ beschrieben, und doch hat der äußerlich perfekte Beau auch seine Macken – er kann nicht gut schwimmen oder leidet unter Flug- und Höhenangst, was Gluck immer wieder für amüsante Gags nutzt. Da lässt er den Protagonisten schon mal völlig nackt dastehen, wenn er bei einer „Spinnenattacke“ seine Kleider die Klippen hinunterwirft. Dazu sind die Dialoge spritzig-bissig und voller Charme, was dem Film eine zeitlose Qualität verleiht. Die Verbindung zwischen Bea und Ben, obwohl in der zweiten Phase ihrer Beziehung zunächst inszeniert, entwickelt sich auf herzerwärmende Weise. Dass „Wo die Lüge hinfällt“ am Ende den Gesetzen der romantischen Komödie folgt und sich alle Hindernisse wie von Zauberhand in Luft auflösen, macht letztlich nichts. Amüsant sind auch die vielen Nebenfiguren, die immer etwas beizutragen haben, auch wenn es nur Kleinigkeiten am Rande sind. So hat Margarets Freund Beau eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Fußball-Superstar Erling Haaland, was ein netter Running Gag ist.

Glen Powell und Sydney Sweeney in „Wo die Lüge hinfällt“ (© Sony Pictures)

Sydney Sweeney und Glen Powell harmonieren perfekt

Die Chemie zwischen „Euphoria“-Star Sydney Sweeney und „Top Gun: Maverick“-Sidekick Glen Powell ist überragend – die Anziehungskraft zwischen den beiden Stars ist in jeder Szene auf der Leinwand spürbar. Das ist die absolute Grundlage dafür, dass „Wo die Lüge hinfällt“ so gut funktioniert. Man fiebert immer mit. Der Film macht einfach Spaß, was Regisseur Gluck mit einem Kunstgriff in der originellen und umwerfenden Abspannszene noch potenziert, wenn das gesamte Ensemble in alternativen Einstellungen aus dem Film den Song „Unwritten“ von Natasha Bedingfield singt, der im Film eine prominente Rolle spielt. Das erinnert an die mitreißende Gesangsszene in „Die Hochzeit meines besten Freundes“ (1997), in der die Schauspieler im Chor „Say A Little Prayer“ intonieren. Überhaupt hat „Wo die Lüge hinfällt“ viel von diesem RomCom-Klassiker, in dem übrigens neben Julia Roberts und Cameron Diaz auch Dermot Mulroney und Rachel Griffiths mitwirken, die hier Beas Eltern spielen. Und so entlässt Gluck sein Publikum mit einem Hochgefühl der guten Laune und „Wo die Lüge hinfällt“ hat seinen Unterhaltungsauftrag erfüllt.

Fazit: „Wo die Lüge hinfällt“ mag nicht bahnbrechend sein und kleine Drehbuchschwächen haben, aber er ist ein Film, der mehr ist als die Summe seiner Teile. Regisseur Will Glucks romantische Komödie ist eine Liebeserklärung an den Zauber des Unvorhersehbaren und die Kraft der menschlichen Bindung – getragen von wunderbaren Stars und leichtem Screwball-Witz.

Deutscher Kinostart von „Wo die Lüge hinfällt“: 19. Januar 2024

Wertung3,5 / 5
Produktionsland

USA 2023

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