Ticket ins Paradies

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Wenn im Paradies nur ein laues Lüftchen weht

Ganze viermal sind sich die mittlerweile seniorigen Altstars George Clooney und Julia Roberts in ihren großen Karrieren über die Jahre auf der Leinwand über den Weg gelaufen – in „Ocean’s Eleven (2001)”, „Geständnisse – Confessions Of A Dangerous Mind” (2002), „Ocean’s Twelve” (2004) und „Money Monster” (2016) – dabei ist diese Formulierung wörtlich zu nehmen. Denn ein Liebespaar hatten zwei der größten Stars Hollywoods bisher noch nicht gespielt. Auftritt Ol Parker. Der „Mamma Mia – He We Go Again“-Regisseur bringt das Offensichtliche in der romantischen Feel-Good-Komödie „Ticket ins Paradies“ endlich zusammen, denn die Kombination Clooney/Roberts ist ein No Brainer, die Chemie der beiden charmanten Stars auf der Leinwand ist umwerfend – ebenso wie die Kulissen des titelgebenden balinesischen Paradises (wobei hier das australische Queensland Bali im Film doubelt). Hätte Parker, der das Drehbuch gemeinsam mit Daniel Pipski geschrieben hat, nur genauso viel Wert auf die Geschichte gelegt wie auf die Auswahl der Hauptdarsteller – hat er aber nicht. Und so ist „Ticket ins Paradies“ eine erschreckend überraschungsfreie Screwball-Komödie ohne echten Drive – als hätte man George Clooney und Julia Roberts in einer „Traumschiff“-Episode ausgeschifft.

Vor 25 Jahren haben der Architekt David (George Clooney) und die Kunstexpertin Georgia (Julia Roberts) fast alles falsch gemacht – nur eines nicht, ihre über alles geliebte Tochter Lily (Kaitlyn Dever). Die hat gerade unter großem Einsatz ihr juristisches Staatsexamen absolviert und will vor ihrem ersten Job in einer bedeutenden Kanzlei mit ihrer besten Freundin Kimberly (Arielle Carver-O‘Neill) noch einmal ein paar Wochen auf Bali ausspannen. Am traumhaften Strand angekommen, verliebt sich Lily auf der Stelle in den jungen Algenfischer Gede (Maxime Bouttier). Keinen Monat später wollen die Turteltauben heiraten – zum Entsetzen ihrer Eltern, die sich seit der Scheidung vor 20 Jahren nicht mehr ausstehen können. David und Georgia reisen umgehend nach Indonesien, um ihre Tochter davon abzubringen, den galanten Gede zu heiraten – denn seine Großfamilie plant schon eifrig die Vermählung der beiden. Für ihr gemeinsames Interesse, Lily von einem vermeintlichen Fehler abzuhalten, wollen die verfeindeten Elternteile zusammenarbeiten.

George Clooney und Julia Roberts in „Ticket ins Paradies“

Ein Old-School-Film, der keine Klischees auslässt

„Ticket ins Paradies” ist ein altmodischer Film – was in der Zeit hochgerüsteter Comic-Blockbuster mit gigantischen Ausmaßen grundsätzlich keine schlechte Idee sein muss. Ol Parker hält seine Screwball Comedy ganz in der Tradition von Filmklassikern wie „Es geschah in einer Nacht“ (1934), „Liebe im Handumdrehen“ (1935) oder „Leoparden küsst man nicht“ (1938) – ohne allerdings je so witzig und originell wie die großen Vorbilder zu sein. Die Story ist flach, was in einer romantischen Komödie auch kein Genickbruch ist, aber „Ticket ins Paradies“ ist derart frei von Überraschungen, dass der Film kaum einen Funken Unberechenbarkeit versprüht.

Man weiß in nahezu jeder Szene, was als nächstes passieren wird. Und wenn es einmal etwas wilder und rauer wird, als zum Beispiel die Eltern das angehende Brautpaar im albern-infantilen Bier-Pong schlagen und alle sturzbesoffen sind, enden Georgia und David natürlich im Bett – ohne dass sie etwas miteinander hatten, während Georgias dusseliger Flugkapitän-Freund Paul (Lucas Bravo) am nächsten Morgen unerwartet vor der Tür des Luxus-Bungalows steht. In diesem Stil schleppt sich die Geschichte auf allzu vertrauten Pfaden voran. Die Einheimischen sind edle Herzchen, hinter denen mehr steckt, als die snobistischen Gäste aus Amerika sich vorstellen können und Lily muss lernen, was sie wirklich vom Leben erwartet – aber das sind nur Nebenschauplätze, die mit nicht sonderlich viel Verve verfolgt werden, aber vor dem Hintergrund der traumhaft-exotischen Kulissen immerhin einen visuellen Unterhaltungswert haben.

George Clooney und Julia Roberts sind eine Bank

Maxime Bouttier und Kaitlyn Dever in „Ticket ins Paradies“

Aber natürlich geht es in „Ticket ins Paradies“ nur um eines: Regisseur Ol Parker will George Clooney und Julia Roberts endlich zum Leinwandpaar machen. Daran besteht nie auch nur der leiseste Zweifel. Und die beiden Stars liefern! Zwischen Clooney und Roberts sprühen die Funken, wie man sich das in der Theorie erhofft hat. Dabei müssen sie nichts Neues anbieten, sondern bestenfalls ihre romantische Lover-Nummer variieren. Aber egal, das Zusammenspiel funktioniert prächtig. Auch „Booksmart“-Star Kaitlyn Dever und Maxime Bouttier („Meet Me After Sunset“) geben ein hübsches Leinwandpaar ab, deren Figuren aber keinerlei Ecken und Kanten haben, an denen sich ihre Spielpartner abarbeiten könnten. Die undankbarste Rolle hat jedoch Lucas Bravo („Emily in Paris“), der als Georgias Toy-Boy den wohl einfältigsten Piloten des Erdballs spielt, weil er auf Gedeih und Verderb das Klischee des verliebten, aber nutzlosen Stoffelfreundes erfüllen muss.

Fazit: „Ticket ins Paradies“ ist purer Eskapismus – traumhafte Bilder einer exotischen Kulisse, gut aufgelegte Superstars, die im reiferen Alter noch mühelos mehrere Generationen mit ihrem Charme überzeugen, stehen in Ol Parkers mittelmäßiger romantischer Komödie einer furchtbar öden Handlung gegenüber, die so berechenbar ist, dass man sich einfach mehr Esprit und Einfallsreichtum gewünscht hätte. Spaß hatten die Stars allemal, das ist in den altmodischen, aber charmanten Outtakes im Abspann mehr als offensichtlich. Letztendlich war bei „Ticket ins Paradies“ deutlich mehr drin.

Deutscher Kinostart von „Ticket ins Paradies“: 15. September 2022

Seit 1. Dezember auf Blu-ray & DVD erhältlich.

Wertung 2,5 / 5
Produktionsland

USA/Großbritannien 2022

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