The Crown (Staffel 6)

2023521 minab 12,

Starkes Ende der herausragend produzierten royalen Drama-Soap

Die sechste Staffel von „The Crown“ markiert den letzten Akt des königlichen Netflix-Dramas und meistert mit Bravour die Herausforderungen der heikelsten Phase der britischen Monarchie seit Jahrzehnten – den Tod von Prinzessin Diana und die Folgen für das Königshaus, das durch die herzlose Reaktion der Queen beinahe zum Einsturz gebracht wurde. Etwa die Hälfte der Staffel widmet Showrunner und Drehbuchautor Peter Morgan diesem Jahrhundertereignis, der Rest der Staffel konzentriert sich auf das Erwachsenwerden der Prinzen William und Harry sowie auf Prinz Charles’ Suche nach seiner Rolle und seinen Kampf um Camillas Anerkennung. Der Abschluss der royalen Edelsoap, die diesmal die Jahre 1997 bis 2005 beleuchtet, ist wieder einmal hervorragend produziert und hat den leichten Qualitätsverlust der fünften Staffel hinter sich gelassen. Zudem gelingt Morgan ein sehr eleganter und befriedigender Ausstieg aus der Geschichte.

1997: Prinzessin Diana (Elizabeth Debicki) blüht nach der Scheidung von Prinz Charles (Dominic West) auf und genießt ihr neues Leben – mit einer Einschränkung. Sie wird rund um den Globus von Paparazzi verfolgt. Als sie den Milliardärssohn Dodi Al-Fayed (Khalid Abdalla) kennenlernt, entwickelt sich eine Sommeraffäre, obwohl er kurz davor steht, seine amerikanische Modelverlobte Kelly Fisher (Erin Richards) zu heiraten. Doch daraus wird nichts. Dodi und Diana werden zu den ungekrönten Stars der Klatschpresse, während das Königshaus das Treiben mit Argwohn betrachtet. Und gerade als sich Charles und Diana trotz Scheidung wieder besser verstehen, kommt es in Paris zu dem schrecklichen Unfall, bei dem Diana und Dodi nach einer Verfolgungsjagd der Paparazzi in einem Tunnel verunglücken und sterben. In der Folge richtet sich die Aufmerksamkeit auf die trauernden Prinzen William (Rufus Kampa, später: Ed McVey) und Harry (Fflyn Edwards, später: Luther Ford), die einen Hass auf die Presse entwickeln, während die Queen (Imelda Staunton) für ihre unterkühlte Reaktion auf Dianas Tod heftig kritisiert wird. Die britische Monarchie steht unter Druck wie selten zuvor. Das Volk ist wütend. Doch im letzten Moment reißt Queen Elizabeth mit einem Besuch in London das Ruder herum. An der Universität von Edinburgh wächst William langsam zum Mann heran und verliebt sich in seine Kommilitonin Kate Middleton (Meg Bellamy). Gleichzeitig beginnt er, sich an das königliche Leben zu gewöhnen, während sein Bruder Harry meist nur Unsinn anstellt und negativ auffällt.

Jonathan Pryce und Imelda Staunton in „The Crown“ (Staffel 6) (© Netflix)

Schwierigster Teil der royalen Geschichte

Mit der voraussichtlich letzten Staffel der Drama-Serie erzählt „The Crown“ den schwierigsten Teil der königlichen Geschichte, denn die Auseinandersetzung mit einem der tragischsten Ereignisse eines Landes, das zudem im Fernsehen omnipräsent ist, war nie einfach. Es gibt so viele Aspekte zu beleuchten, so viele Ansichten, Meinungen und Geheimnisse. Es ist ein mutiges Unterfangen, und „The Crown“ hat nie versucht, auf Nummer sicher zu gehen. Dramaturgisch ist wie immer auch hier jede Episode charakterzentriert.

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Sorgsamer Umgang mit Dianas Tod

Aufgrund der relativen Aktualität der Ereignisse, die noch in lebhafter Erinnerung sind, ist es wichtig, das Drama zu integrieren und gleichzeitig so nah wie möglich an den bekannten Fakten zu bleiben. In der Mitte der Staffel steuert die Serie mit Dianas Tod auf ein schockierendes und monumentales Ereignis zu, wobei der Erzählfluss zwischen emotional starken und spröden Momenten schwankt, in denen die verkrustete Monarchie leidet. Die Handlung schreitet schneller voran als in den vorangegangenen Staffeln. Bemerkenswert: „The Crown“ konzentriert sich auf die Auswirkungen von Ereignissen, nicht unbedingt auf das Ereignis selbst. So sehen wir von dem tödlichen Unfall in Paris nur die Einfahrt in den Tunnel – und keine tote Diana. Das zeugt von Respekt gegenüber den Opfern, was bei diesem Thema sehr wichtig ist.

Meg Bellamy und Ed McVey in „The Crown“ (Staffel 6) (© Netflix)

Starke schauspielerischen Leistungen

Die schauspielerischen Leistungen sind wie immer fantastisch. Besonders hervorzuheben ist Elizabeth Debicki („Tenet“) als Diana. Sie verkörpert den Ruhm und die Zerbrechlichkeit der Prinzessin perfekt. Aber auch Imelda Staunton („Harry Potter und der Orden des Phönix“) als mittlerweile dritte Queen-Darstellerin beeindruckt als Anker, der die ganze Staffel über präsent ist. Ihre Geschichte markiert den roten Faden, der in der vergangenen Staffel etwas gefehlt hat. Ebenso überzeugt „The Wire“-Legende Dominic West als Prinz Charles, der nun voll in seiner Rolle angekommen ist und durch sein ausgeglicheneres und erwachseneres Verhalten wieder mehr Sympathiepunkte beim Zuschauer sammeln kann.

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Süffige Dialoge in den Palästen

Die süffigen Dialoge in den Palästen und Schlössern waren oft das Highlight der Serie, denn Autor Peter Morgen („The Queen“, „Frost/Nixon“) blickt mit Verve hinter die Kulissen und stellt sich vor, wie es gewesen sein könnte. Und Staffel 6 ist dramatischer denn je, denn das Königshaus ist zerrissen wie selten – voller Groll und Bitterkeit. Während die Queen und Prinz Philip immer noch die alten Werte der Verschwiegenheit und Zurückgezogenheit in sich tragen, dämmert die Zukunft der Monarchie durch die Konzentration auf die Geschichte von William und Harry am Horizont, während Charles eine Mischung aus beidem verkörpert und versucht, die Welten zu vereinen und zu befrieden.

Williams Geschichte rückt in den Mittelpunkt

Ein entscheidender Handlungsstrang ist die Entwicklung von Prinz William und sein Erwachsenwerden. Oft parallel zu den Handlungssträngen der Queen, die den Generationenunterschied verdeutlichen, wird der junge Prinz zum Mann, geht auf die Universität und die Liebesgeschichte zwischen ihm und Kate Middleton beginnt. In den letzten Teilen der Staffel herrscht das Gefühl vor, dass die Monarchie dem Untergang geweiht ist, dass sie von einem Skandal zum nächsten erschüttert wird, dass diejenigen, die der Königin nahestehen, angeschlagen und potenziell gefährlich für die Zukunft sind. Doch William strahlt Ruhe und Verlässlichkeit aus. Er ist die Hoffnung der Krone.

Ein großes Lob gebührt Ed McVey als Prinz William. Plötzlich in die Rolle einer der Hauptfiguren der Staffel geworfen, nimmt der Schauspielneuling die Herausforderung an und spielt über weite Strecken die Hauptrolle. In den schwierigsten Momenten seines jungen Lebens zeigt sich William rebellisch und leidenschaftlich. Die aufkeimende Romanze zwischen ihm und Kate ist sanft und rein, ohne Pomp. Aber auch Luther Ford als Harry ist sehenswert, weil er den Kampf der Nummer 2 mit seinem Status in destruktiver Rebellion sichtbar macht.

Dominic West und Olivia Williams in „The Crown“ (Staffel 6) (© Netflix)

Ende im perfekten Moment

„The Crown“ endet im perfekten Moment. Die Königin und ihre Nachkommen haben im Laufe der Jahrzehnte so viele fesselnde Geschichten geschaffen, und ihre Neuinterpretation hat den Schmerz, die Komplikationen und das Trauma der mächtigsten Familie der Welt zum Vorschein gebracht. Tradition und Moderne sind ausbalanciert, und das Drama entsteht aus ihrer gegenseitigen Bedrohung. Die Ehrlichkeit, mit der die Serie diese scheinbar unantastbaren Charaktere behandelt, hat das Raue glanzvoll und das Unmenschliche menschlich gemacht.

Fazit: „The Crown“ ist nun Geschichte: Und die herausragende Serie beginnt mit Elizabeth und endet mit Elizabeth, sie war die Krone. Diese 60 Folgen exzellenter Drama-Soap sind die tiefgründigste Art, ihre Geschichte zu erzählen. Das wird bleiben.

Streaming: „The Crown“ (Staffel 6) ist seit dem 16. November (Teil 1 der Season) bzw. 14. Dezember (Teil 2 der Season) 2023 im Abo auf Netflix abrufbar.

Wertung4 / 5
Produktionsland

Großbritannien 2023

Cast & Crew

Imelda Staunton

Königin Elizabeth

Ed McVey

Prinz William (älter)

Dominic West

Prinz Charles

Elizabeth Debicki

Prinzessin Diana

Meg Bellamy

Kate Middleton

Luther Ford

Prinz Harry (älter)

Khalid Abdalla

Dodi Al-Fayed

Olivia Williams

Camilla Parke Bowles

Jonathan Pryce

Prinz Philip

Salim Daw

Mohamed Al-Fayed

Rufus Kampa

Prinz William (jung)

Fflyn Edwards

Prinz Harry (jung)

Bertie Carvel

Tony Blair

Eve Best

Carole Middleton

Erin Richards

Kelly Fisher

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