The Beekeeper

2024105 minab 18, ,

Jason Statham prügelt sich durch einen verrückt-simplen B-Movie-Actioner

Der ehemalige Turmspringer Jason Statham ist nicht gerade der ausdrucksstärkste unter den Hollywood-Schauspielern, aber seine Action-Expertise ist exzellent – deshalb hat er eine gesunde Karriere. Im Grunde verkörpert er immer wieder den gleichen Typus, mit kleinen Variationen, die in Wellen ablaufen. Wie schon im missglückten Brutalo-Actioner „The Expendables 4“ zieht der charismatische Brite auch in David Ayers Action-Thriller „The Beekeeper“ wieder die Zügel an und kämpft sich ohne viele Dialogzeilen durch den launigen FSK-18-Reißer um einen ehemaligen Regierungsagenten, der auf einem Rachefeldzug zufällig eine Verschwörung aufdeckt. Nach starkem Beginn verliert der mit viel handgemachter Action gespickte Prügelfilm etwas an Substanz, da das Versprechen einer angedeuteten Mythologie à la „John Wick“ oder „The Equalizer“ am Ende nie eingelöst wird und Drehbuchautor Kurt Wimmer stattdessen konfektionierte B-Movie-Genre-Lösungen liefert, die wenig überraschen. Nichtsdestotrotz bietet die einfältig-schrullige Kampfmaschine gute Unterhaltung – mit dem Potenzial für ein Franchise. Und man kann auch etwas über Bienen lernen.

Der wortkarge Bienenzüchter Adam Clay (Jason Statham) hat sich mit Erlaubnis der alleinstehenden Lehrerin Eloise Parker (Phylicia Rashad) in einer Scheune auf ihrem Anwesen in Massachusetts einquartiert. Als Eloise eines Tages Opfer eines Computerbetrugs wird, bei dem die Gauner ihr gesamtes Erspartes und zwei Millionen Dollar einer von ihr betreuten Stiftung stehlen, nimmt sich die ältere Dame aus Scham das Leben. Clay findet Eloise, wird aber fast im selben Atemzug von der FBI-Agentin Verona Parker (Emmy Raver-Lampman) verhaftet – Eloises Tochter! Doch bald wird klar, dass Clay nicht der Täter sein kann. Er kommt frei. Wütend darüber, dass skrupellose Gangster die herzliche Frau aufs Übelste betrogen haben, beginnt der ehemalige Regierungsagent eines geheimen Programms namens „Beekeeper“ einen Rachefeldzug gegen alle Beteiligten. Dabei geht er äußerst brutal mit seinen Opfern um und bringt sie reihenweise um. Der schmierige Call-Center-Manager Mickey Garnett (David Witts) ist nur der Anfang. Clay hat es auf den Kopf der Organisation abgesehen: den Tech-Millionär Derek Danforth (Josh Hutcherson). Dieser wird vom ehemaligen FBI-Chef Wallace Westwyld (Jeremy Irons) beschützt, der sein Sicherheitsteam leitet. Als dieser mehr über Clay herausfindet, ist er zutiefst beunruhigt, während Verona Parker und ihr FBI-Kollege Matt Wiley (Bobby Naderi) parallel ihre Ermittlungen vorantreiben.

Jason Statham und Jeremy Irons in „The Beekeeper“ (© Leonine Studios)

Klassischer Rache-Actioner ohne Ambitionen

Der Plot ist nicht neu – ein zurückgezogen lebender Ex-Topagent wird durch tragische Ereignisse wieder in den Kampf gezogen. Doch Regisseur David Ayer („End Of Watch“, „Suicide Squad“) geht hier besonders stoisch mit seiner Hauptfigur um. Der scheinbar leidenschaftliche, aber sehr wortkarge Imker versteht keinen Spaß, wenn es um herzzerreißendes Unrecht geht. Das Kniff funktioniert. Man wünscht den schamlosen Betrügern die Pest an den Hals. Doch der schlagkräftige Bienenzüchter nimmt das Gesetz selbst in die Hand und hinterlässt Leichenberge, die sich immer höher türmen. Dieses klassische Rachemotiv wird von Ayer ironisch unterfüttert, denn die Brutalität, die der Antiheld Adam Clay an den Tag legt, ist erstaunlich. Er prügelt seine Gegner zu Tode, sägt ihnen Finger ab, verbrennt sie oder jagt gleich ganze Bürogebäude in die Luft. Würde man das ernst nehmen, hätte man als Zuschauer ein Problem. Jason Statham („Operation Fortune“, „Meg 2: Die Tiefe“) kann solche Rollen im Schlaf spielen, und es sieht so aus, als würde er das hier auch tun. Er wirkt noch roboterhafter als sonst, wenn er die Zeit zwischen den gut choreographierten Actionsequenzen überbrückt. Er sieht aus wie ein Redneck, ist aber sehr höflich, verhält sich aber wie ein Simpel, der nur ein Ziel verfolgt und alles andere ausblendet.

Versprechen auf Mythologie wird nicht eingelöst

In der Exposition deutet Ayer eine Art Mythologie hinter den „Beekeepers“ an – eine geheime Organisation, die die Großen der amerikanischen Gesellschaft im Notfall beschützen soll. Doch was Statham an stoischen Sätzen wie „Ich muss den Bienenstock beschützen“ oder „Manchmal benutze ich Feuer, um Hornissen auszuräuchern“ vor sich hinmurmelt, wirkt irgendwann eher unfreiwillig komisch, denn dieser Adam Clay bewegt sich in seiner eigenen Welt, während sich im späteren Verlauf eine Verschwörung in die Handlung einschleicht, auf die er aber nicht weiter eingeht. Diese verhandeln vielmehr die Nebenfiguren um Josh Hutcherson („Die Tribute von Panem“) als stereotyper Bösewicht auf Koks und Jeremy Irons („Das Geisterhaus“) als korrupter Funktionär.

Josh Hutcherson in „The Beekeeper“ (© Leonine Studios)

Unterhaltungswert dank kompromisslos-handgemachter Action

Seinen Unterhaltungswert bezieht „The Beekeeper“ aus der kompromisslosen Art, mit der Statham wie eine rustikale Version von John Wick seine überheblichen Gegner reihenweise zur Strecke bringt. Kein Wunder, ist doch Action-Maestro Jeremy Marinas („John Wick: Kapitel 4“) für die Kampfchoreographie verantwortlich. Die Frage nach der Moral wird hier bewusst nicht allzu tiefgründig behandelt, was für einen Actionfilm durchaus akzeptabel ist. Und um in den vollen Actiongenuss zu kommen, muss man dem Film einige Absurditäten und Übertreibungen zugestehen.

Fazit: In dem verrückten und brutalen B-Movie-Actioner „The Beekeeper“ kämpft sich Jason Statham ohne viele Worte durch Horden von Schurken, die er der Gerechtigkeit zuführen will. Das macht über weite Strecken viel absurden Spaß, auch wenn irgendwann klar wird, dass David Ayers Reißer wenig Substanz hat.

Deutscher Kinostart von „The Beekeeper“: 11. Januar 2024

Wertung3 / 5
Produktionsland

Großbritannien/USA 2024

Cast & Crew

Jason Statham

Adam Clay

Emmy Raver-Lampman

FBI-Agentin Verona Parker

Josh Hutcherson

Derek Danforth

Bobby Naderi

FBI-Agent Matt Wiley

Minnie Driver

CIA-Direktorin Janet Harward

Phylicia Rashad

Eloise Parker

Jeremy Irons

Wallace Westwyld

David Witts

Mickey „Boyd“ Garnett

Jemma Redgrave

Jessica Danforth

Enzo Cilenti

Rico Anzalone

Megan Le

Anisette

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