Shotgun Wedding

Action-Komödie des Jahres? „Shotgun Wedding“ ist nur eine ein unausgegorene Genre-Melange

Wenn in Amerika von einer „Shotgun Wedding“ die Rede ist, dann wird diese Ehe unter dem sozialen Druck einer ungeplanten Schwangerschaft geschlossen, um kein uneheliches Kind in die Welt zu setzen! Es gibt aber auch eine andere Erklärung – und genau der widmet sich Regisseur Jason Moore („Pitch Perfect“) auf der großen Leinwand – nämlich dann, wenn es bei einer Hochzeit zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung kommt. Im Falle der romantischen Action-Komödie „Shotgun Wedding“ ist diese Definition sogar noch untertrieben, denn in dieser unausgegorenen Genremelange hagelt es schnell ein halbes Dutzend massakrierte Bösewichte! Aber ist der Film die „Action-Komödie des Jahres“, wie es in der deutschen Fernsehwerbung heißt? Davon ist Moores Werk meilenweit entfernt – diese Behauptung ist schlicht irreführend. Weder ist das Star-Vehikel besonders romantisch, denn die Chemie zwischen den Stars Jennifer Lopez und Josh Duhamel ist gleich null, noch ist die Action in irgendeiner Weise bemerkenswert – und lustig ist „Shotgun Wedding“ dank eines schwachen Drehbuchs schon gar nicht, weil Regisseur Moore seinem Publikum nur sattsam bekannte Klischees um die Ohren bläst.

Das Bostoner Pärchen Darcy (Jennifer Lopez) und Tom (Josh Duhamel) lebt schon seit einigen Jahren zusammen, nun ist es an der Zeit zu heiraten. Und zwar extravagant, findet Tom. Der alternde Baseballspieler aus einer unteren Liga lädt die beiden exzentrischen Familien für die Hochzeitsfeier in ein exquisites Luxusresort auf den Philippinen ein, obwohl seine Frau mit dem ganzen Pomp nicht wirklich einverstanden ist. Das führt kurz vor der Hochzeit zu einem handfesten Streit. Währenddessen ist Darcys Mutter Renata (Sonia Braga) immer noch schwer gekränkt, dass ihr steinreicher Ex-Mann Robert (Cheech Marin) mit der jungen Harriet (D’Arcy Carden) zur Feier erscheint. Tom wiederum ist gar nicht begeistert, dass sein patriarchalischer Schwiegervater Darcys Ex, den Star-Musiker Sean (Lenny Kravitz), eingeladen hat. Doch bevor sich der Ärger so richtig entladen kann, wird die Hochzeitsgesellschaft vor Beginn der Zeremonie von einer Piratenbande überfallen. Die Gäste werden in den Pool getrieben, während Darcy und Tom sich noch am Strand streiten. Die Piraten fordern von Darcys Vater Robert 30 Millionen Dollar – andernfalls würden sie beginnen, die ersten Geiseln zu töten. Als Tom und Darcy merken, was passiert ist, müssen sie sich zusammenreißen – und es dauert nicht lange, bis sie den ersten Gangster getötet haben.

Jennifer Lopez und Josh Duhamel in „Shotgun Wedding“ (© Leonine Studios)

Jennifer Lopez und Josh Duhamel mit schwacher Leinwandchemie

Ursprünglich war Jason Moores „Shotgun Wedding“ für Ryan Reynolds („Deadpool“) konzipiert, was man sich als Zuschauer theoretisch gut vorstellen kann. Ersatzmann Armie Hammer („Call Me By Your Name“) hielt sich ebenfalls nicht lange und musste nach Kannibalismus-Vorwürfen aussteigen. Josh Duhamel („Transformers“) wirkt auf der Leinwand nicht nur wie die dritte Wahl, er ist es auch – was sich im Zusammenspiel mit Co-Star Jennifer Lopez („Hustlers“) bemerkbar macht. Abgesehen davon, dass beide Schauspieler eitel Charaktere spielen, die viel jünger sein sollen, als sie in Wirklichkeit sind, harmonieren Lopez und Duhamel nicht wirklich miteinander. Es sprühen keine Funken wie zuletzt bei Julia Roberts und George Clooney in der lauwarmen Liebeskomödie „Ticket ins Paradies“, die sie mit ihrem Charme ins Mittelmaß retteten. Doch bei Lopez und Duhamel sprüht nichts. Sie gibt die toughe, durchtrainierte Heldin, die sich lasziv auf dem Bett räkeln darf, im Zweifelsfall aber auch zur Schrotflinte greift, um den Tag zu retten, während er den treudoofen Stoffel geben muss, der seine Frau im Herzen liebt, sich aber immer etwas zu tollpatschig anstellt. Wenn es hart auf hart kommt, ist Duhamel nur ein Stichwortgeber für La Lopez.

Halbgare Witze und laue Action

Das bricht „Shotgun Wedding“ aber noch nicht das Genick. Dafür sorgt das Drehbuch von Mark Hammer („Two Night Stand“). Während Tommy Wirkola in dem durchwachsenen Weihnachts-Horror-Slasher „Violent Night“ seine Idee von der Home-Invasion einer Familienfeier noch mit bitterster Konsequenz durchzog, ist in „Shotgun Wedding“ alles halbherzig und eindimensional: die halbgaren Witze, die mäßige Action und die auf Sparflamme köchelnde Romanze! Dazu holpert der Erzählton gewaltig. Tom und Darcy metzeln erst zufällig, dann absichtlich mehrere Piraten auf grausame Weise nieder. Diese salopp-lapidare Moral lässt in „Shotgun Wedding“ ein Menschenleben nichts gelten. Der Rest ist sattsam bekannte Genreroutine – bis hin zu einer hanebüchenen Drehbuchwendung, die zwar ein wenig flotte Verfolgungsaction generiert, inhaltlich aber völlig gaga und sinnfrei ist. Originelle Dialoge oder Plotideen? Fehlanzeige! Einzig Jennifer Collidge („The Watcher“) ist als Toms schrille Mutter in echter Spiellaune. Sie hat ein paar witzige Momente, die sich aber als Strohfeuer entpuppen, das schnell wieder erlischt. Und wenn J.Lo und Josh Duhamel auf einer spektakulären Seilrutsche Handgranaten werfend über die Insel sausen, fragt man sich ernsthaft, wer diese an Hitchcock-Rückprojektionen erinnernden Szenen abgesegnet hat. Hier hätte Regisseur Moore einfach mehr Mühe und Herzblut investieren sollen.

Lenny Kravitz in „Shotgun Wedding“ (© Leonine Studios)

Fazit: Liebeskomödien sind selten innovativ. Das müssen sie auch nicht, aber irgendwann hat man einfach genug von den vorhersehbaren und unlustigen RomComs, die auf einer Gesäßhälfte heruntergeschrieben werden. Und Jason Moores hübsch auf Hochglanz polierter Romantik-Actioner „Shotgun Wedding“ wird auch nicht unterhaltsamer, wenn man ihm ein handfestes „Stirb langsam“-Szenario auf einer philippinischen Trauminsel hinzufügt. Schade um das verschwendete Talent vor der Kamera.

Deutscher Kinostart von „Shotgun Wedding“: 19. Januar 2023.

Wertung1,5 / 5
Produktionsland

USA 2023

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