Rebel Moon – Teil 1: Kind des Feuers

Zack Snyders unendlich öder „Star Wars“-Aufguss ist ein Rohrkrepierer

„Star Wars“ ist eines der größten popkulturellen Phänomene überhaupt – die Rechteinhaber von Disney schlachten das Franchise in Kinofilmen, Spin-offs, Prequels und Serienablegern bis zum Allerletzten aus. Aber auch andere Studios sind seit Jahrzehnten auf der Suche nach dem „neuen Star Wars“. Und obwohl zuletzt beispielsweise die verrückte Sci-Fi-Oper „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (2017) mit vielen Anleihen an den Sternenkrieg ziemlich gut war, blieb der durchschlagende Erfolg aus. Doch nun steht mit Zack Snyder („Man Of Steel“) ein gestandener Regisseur mit großem Gestaltungswillen bereit, um mit dem Sci-Fi-Abenteuer „Rebel Moon“ den Weltraum neu zu ordnen und endlich einen adäquaten Nachfolger für George Lucas‘ legendäre Filmreihe zu präsentieren. Doch „Teil 1: Kind des Feuers“ ist ein kaum zu erklärender Rohrkrepierer. Abgesehen davon, dass „Rebel Moon“ mehr einem Videospiel als einem abendfüllenden Spielfilm ähnelt, wirken die Charaktere und Motivationen so beliebig und wenig mitreißend, als hätten die Drehbuchautoren Shay Hatten, Kurt Johnstad und Zack Snyder bei ChatGPT einen schlampigen Prompt eingetippt und sich schnell ein generisches „Wie Star Wars“-Szenario ausspucken lassen.

Nachdem die rätselhafte Fremde Kora (Sofia Boutella) auf einem Mond am Rande des Universums notgelandet ist, fügt sie sich in die friedliche Gemeinschaft der Landbewohner ein. Bis eines Tages der Tyrann Balisarius (Fra Fee) und sein grausamer Gefährte Admiral Noble (Ed Skrein) mit ihren Truppen der Mutterwelt einfallen und das Volk unterjochen. Als herauskommt, dass die Landbewohner Teile ihrer Ernte an die Rebellenführer Darrian (Cleopatra Coleman) und Devra Bloodaxe (Ray Fisher) verkauft haben, werden sie gejagt. Doch Kora stellt sich den Besatzern mutig in den Weg und zeigt, dass sie eine versierte Kampfamazone ist. Gemeinsam mit dem Bauern Gunnar (Michiel Huisman) macht sie sich auf die Suche nach den Bloodaxes und anderen mutigen Mitstreitern, die sich den Schergen der Mutterwelt entgegenstellen wollen. Auf verschiedenen Welten trifft das Duo auf den Piloten und Auftragskiller Kai (Charlie Hunnam), den legendären Kommandanten General Titus (Djimon Hounsou), die Schwertkämpferin Nemesis (Doona Bae), den edlen Gefangenen Tarak (Staz Nair) und den kampferprobten Milius (E. Duffy). Die Gruppe von Revolutionären versucht, eine Armee der Rebellion zu bilden.

Sofia Boutella und Djimon Hounsou in „Rebel Moon – Teil 1: Kind des Feuers“ (© Netflix)

Generische Geschichte ohne eigene Identität

„Rebel Moon – Teil 1: Kind des Feuers“ verspricht eine epische Reise zu fernen Welten, in der eine friedliche Gemeinschaft auf einem abgelegenen Mond gegen die tyrannischen Mächte der Mutterwelt kämpft – Rebellion gegen das Imperium sozusagen. Zumindest in der Theorie ist „Rebel Moon“ als visuelles Spektakel mit durchchoreographierten Actionsequenzen à la „300“ und vielen Spezialeffekten angelegt. Doch schon hier scheitert der Science-Fiction-Actioner daran, den Welten echtes Leben einzuhauchen, denn der düster-dunkle CGI-Look wirkt so künstlich und septisch, dass man sich in Clips aus Videospielen wähnt. Zudem gelingt es Snyder nie, eine eigene Erzählung zu kreieren. Die Handlung wirkt so vertraut, kopiert von Werken wie „Star Wars“, „Dune“ und „Die sieben Samurai“. Der Versuch, diese Elemente zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen, führt zu einer trägen Geschichte mit flachen Charakteren und vorhersehbaren Klischees. Doch sowohl mit Akira Kurosawas Klassiker als auch mit „Star Wars“ und „Dune“ hat sich der Regisseur die falschen Vorbilder gesucht, denn er kann die Versprechen nie auch nur ansatzweise einlösen.

Figuren nah an der Parodie

Die Odyssee der Protagonistin Kora, die Snyders Traum vom „Dreckigen Dutzend“ im Weltraum vorantreiben soll, wirkt so ziellos und willkürlich, dass es dem Zuschauer schlichtweg egal ist, was hier passiert. Obwohl ästhetisch wie immer bei Snyder inszeniert, leidet das Werk an mangelnder Originalität. „Rebel Moon“ entwickelt nie eine wirkliche Dringlichkeit, die die Figuren emotional zusammenschweißt. Wenn sich Kora beispielsweise dem sagenumwobenen General Titus (Djimon Hounsou) nähert, wird das Klischee des abgehalfterten Helden, der nur die richtige Ansprache braucht, um auf den Pfad der Tugend zurückzukehren, so unfassbar langweilig und platt inszeniert, dass man sich fragt, ob die Drehbuchautoren ihr Publikum veralbern wollen. Hier gerät „Rebel Moon“ unfreiwillig in die Nähe einer Parodie. Und so scheitert der Film tragischerweise daran, eine Verbindung zum Publikum herzustellen.

Alfonso Herrera, Ed Skrein und Corey Stoll in „Rebel Moon – Teil 1: Kind des Feuers“ (© Netflix)

Netflix ist hier Fluch statt Segen

Offenbar ist die Produktion bei Netflix nicht immer ein Segen für die Filmemacher (wie zuletzt bei David Fincher und seiner tollen Fingerübung „The Killer“), die die volle kreative Kontrolle haben. Das Budget von 166 Millionen Dollar (für beide Teile von „Rebel Moon“, der zweite, „Die Narbenmacherin“, läuft ab dem 19. April 2023) verballert Synder unkontrolliert und ohne mahnende Produzenten-Stimme im Hintergrund. Denn kein Studio der Welt hätte dieses unausgereifte Produkt in dieser Form auf die Kinozuschauer losgelassen. Doch Qualität spielt für den Streaminggiganten keine übergeordnete Rolle, die Abrufzahlen werden trotz des Totalausfalls stimmen. Dass Zack Snyder, der jüngst mit dem schmissigen Zombie-Reißer „Army Of The Dead“ noch so überzeugte, jetzt einen künstlicheren Offenbarungseid leisten muss, kümmert bei Netflix wohl niemanden.

Fazit: „Rebel Moon – Teil 1: Kind des Feuers“ ist eine Mischung aus aufgesetztem visuellen Spektakel und erzählerischer Schwäche. Trotz solider Actionsequenzen fehlt dem „Star Wars“- und „Sieben Samurai“-Klon eine eigene Identität, die auch durch die unkontrollierte Überinszenierung nicht ausgeglichen werden kann.

Streaming: „Rebel Moon – Teil 1: Kind des Feuers“ ist seit dem 22. Dezember 2023 im Abo auf Netflix abrufbar.

Wertung1,5 / 5
Produktionsland

USA/Ungarn/Schweden/Dänemark/Großbritannien 2023

Cast & Crew

Kommentar verfassen

There are no reviews yet.