Operation Fortune

2023114 minab 16,

„Operation Fortune“ ist die satirische Version von „Mission: Impossible“

Ein kleiner selbstironischer Gag, bei dem man genau hinsehen muss, um ihn nicht zu verpassen, zeigt bei Guy Ritchies Spionage-Action-Komödie „Operation Fortune“, woher der Wind weht. In einer Szene sitzt ein schmierig-dicklicher und zunächst großkotzig, aber nach Ansprache des einschüchternden Superagenten Orson Fortune doch kleinlaut auftretender Filmproduzent in einem protzigen Privatjet. Er soll einen Hollywoodstar davon überzeugen, mit dem geheimnisvollen Geheimdienstmann zu sprechen. Dann trollt er sich reumütig. Das produzierende Studio Miramax macht sich hier über seinen früheren Boss lustig, den wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe mittlerweile zu 23 Jahren Haft verurteilten Widerling Harvey Weinstein. Ritchies edel aussehender Hochglanz-Actioner wirkt auf den ersten Blick wie eine coole Variation der „Mission: Impossible“-Filme, ist aber trotz aller großkalibriger Ballerei durchzogen von Ironie und einigen Albernheiten, die so over the top sind, dass Tom Cruise rot im Gesicht werden würde. Dabei unterhält der launige Briten-Böller „Operation Fortune“ überragend, weil das großartige Ensemble grandios aufspielt.

Immer dann, wenn der britische Geheimdienst MI6 unterhalb des Radars die großen Räder drehen will, setzt Agent Nathan Jasmine (Cary Elwes) auf seinen besten freischaffenden Mann: Orson Fortune (Jason Statham). Er verlangt die höchsten Spesen, aber niemand ist besser als der Experte für Kampftechnik und raffinierte Verladen. Für seinen neuesten Einsatz soll Fortune ein von einem Terrorkommando gestohlenes Handle sicherstellen, das auf dem Schwarzmarkt für zehn Milliarden Dollar angeboten wird. Um was es sich bei dem Gegenstand handelt, ist unbekannt. Klar ist nur, dass die halbe Unterwelt dem Handle hinterherjagt. Mit der Computerspezialistin Sarah Fidel (Aubrey Plaza) und dem Scharfschützen J.J. Davies (Bugzy Malone) heftet sich Fortune an die Fersen des mächtigen Waffenhändlers Greg Simmonds (Hugh Grant). Als Eintrittskarte für eine Spendengala auf seiner Luxusyacht benutzt das Team den Promistatus des überdrehten Filmstars Danny Francesco (Josh Hartnett), den Fortune mit Erpressung motiviert, bei dem Spiel mitzuspielen. Denn Simmonds soll als Vermittler des Gegenstands fungieren und Käufer und Verkäufer zusammenbringen. Doch ein zweites, viel besser ausgestattetes Team um den Agenten-Konkurrenten Mike (Peter Ferdinando) verkompliziert die Operation.

Aubrey Plaza, Jason Statham und Bugzy Malone in „Operation Fortune“ (© Leonine Distribution)

Ein Genrefilm mit Big Budget

Angefangen hat Guy Ritchie als Genreregisseur verspielter britischer Räuberpistolen („Bube, Dame, König, Gras“, „Snatch“) – mit kleinen Budgets. Inzwischen pendelt er zwischen Mega-Projekten wie „Aladdin“ (Budget: 183 Millionen Dollar) und „King Arthur“ (Budget: 175 Millionen Dollar) auf der einen Seite und günstigeren Genrefilmen wie „The Gentlemen“ (Budget: 20 Millionen Dollar) oder „Cash Truck“ (Budget: 40 Millionen Dollar) auf der anderen. Mit „Operation Fortune“ setzt sich Ritchie erstmals zwischen die Stühle, denn im Kern atmet die Action-Komödie den Geist seiner frühen Gangster-Filme, ist aber mit 130 Millionen Dollar fast so hoch budgetiert wie ein „Mission: Impossible“-Kracher. Ob dieser Spagat zwischen Genrefilm und Mainstream an der Kinokasse aufgeht, wird sich zeigen. Am Unterhaltungswert wird es jedenfalls nicht liegen – denn der ist enorm.

Guy Ritchie glänzt mit grandiosem Rhythmus für Szenen

Ritchie ist ein Regisseur, der wie kaum ein anderer ein unglaubliches Gespür für den Rhythmus von Sequenzen hat – das zeigt auch „Operation Fortune“ eindrucksvoll. Immer wieder schickt der Filmemacher seine Figuren in haarsträubende Abenteuer, bei denen es auf das perfekte Timing ankommt. Ritchies Stammschauspieler Jason Statham verkörpert in ihrer fünften Zusammenarbeit den ultracoolen Agenten Orson Fortune souverän und lässig, wie man das von dem ehemaligen Turmsprung-Profi gewohnt ist. Der Actionstar bringt Muskelkraft und Gehirnmasse geschmeidig zusammen. Überraschender ist da schon der überaus launige Auftritt der Komikerin Aubrey Plaza („Dirty Grandpa“), die als Hacker-Genie immer die richtigen Türen öffnet und eine tolle, kumpelhafte Chemie mit Statham hat.

Hugh Grant als genialer Besetzungscoup

Der Besetzungscoup ist aber der ehemalige Romantikheld Hugh Grant („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“), der sich in seinem dritten Guy-Ritchie-Film als Szenendieb erweist. Sein charismatisch-schillernder Schurke hebt die Spionage-Scharade weit über das Niveau seiner konventionellen Story, in der die handelnden Figuren fast zwei Stunden lang einem MacGuffin hinterherjagen. Grant spielt seinen mondänen Waffenhändler mit viel Charme und Ritchie lässt ihn nicht auflaufen und am Ende an den üblichen Genreklischees scheitern. Man mag ihn als Zuschauer einfach. Er ist der spannendste Charakter im Ensemble und harmoniert dazu stark mit Josh Hartnett („Lucky Number Slevin“) als übernervöser und etwas dümmlicher Hollywoodstar, der nicht so recht weiß, wie er in den Schlamassel geraten ist.

Lourdes Faberes und Hugh Grant in „Operation Fortune“ (© Leonine Distribution)

Schwindende Moral und gesichtslosen Bösewichte

Neben der wenig revolutionären Story driftet „Operation Fortune“ je näher das bleihaltige Finale rückt, moralisch immer weiter ab. Wird zu Beginn noch sorgsamer mit menschlichen Ressourcen umgegangen, ist irgendwann ein Menschenleben nicht mehr viel wert und die Gegner werden wie in „Grand Theft Auto“ wahllos in immer schnellerem Takt umgeholzt, um das Spiel um das 10-Milliarden-Dollar-Handle zu gewinnen. Auch die fast gesichtslosen Bösewichte, die in den Verkauf des Objekts involviert sind, sind nicht der Rede wert, weil sie einfach zu klischeehaft wirken. Das Agentenduell mit dem abtrünnigen Mike und seiner Truppe ist da schon packender bei dieser Hochglanz-Hatz um die halbe Welt. „Operation Fortune“ nutzt die volle Breite des großen Budgets für prachtvolle Schauplätze auf mehreren Kontinenten in Großbritannien, den USA, der Türkei, Griechenland und Dubai.

Fazit: „Operation Fortune“ ist die satirisch angehauchte Variante von „Mission: Impossible“ – eine Spionage-Komödie, die zwischen stahlharter Action und flotten ironischen Sprüchen pendelt, ohne dass Regisseur Guy Ritchie das Spektakel jemals zu ernst nimmt. Das ist große, perfekt getimte Unterhaltung, die einen zwischendurch immer wieder vor Spannung in die Sitze presst. Und der Besetzungscoup mit Hugh Grant als raffiniertem Gangsterboss erweist sich ein feiner Geniespruch voller Selbstironie.

Deutscher Kinostart von „Operation Fortune“: 5. Januar 2023.

Wertung 4 / 5
Produktionsland

USA/China 2023

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