Insidious: The Red Door

2023107 minab 16,

Eine mittelprächtige Fortsetzung, die das Ende der „Insidious“-Haupterzählung markiert

Was für ein Dilemma: Ausgerechnet der vierte und qualitativ eher bescheidene „Insidious“-Teil „The Last Key“ erwies sich 2018 mit einem weltweiten Einspielergebnis von 168 Millionen Dollar (bei nur 10 Millionen Budget) als der kommerziell erfolgreichste. Dabei hatte Drehbuchautor, Darsteller und Produzent Leigh Whannell („Saw“) schon früh signalisiert, dass die Horror-Mär um eine in der Zwischenwelt gepeinigte Familie für ihn komplett auserzählt sei. Doch die kommerziellen Verlockungen waren für die produzierende Horrorschmiede Blumhouse am Ende einfach zu groß. Und so kehrt die moderat erfolgreiche, aber stets profitable Reihe mit „Insidious: The Red Door“ doch noch einmal ins Kino zurück. Das solide Regiedebüt von Schauspieler Patrick Wilson knüpft direkt an „Chapter 2“ (2013) an und ignoriert die Geschehnisse der Prequels „Insidious: Chapter 3“ (2015) und „Insidious: The Last Key“ (2018). Während sich die Story eher zäh an bekannten Allgemeinplätzen entlang hangelt, gelingt es Wilson inszenatorisch oft genug, die dünne Handlung mit einer atmosphärischen Inszenierung aufzublasen und echte Gänsehaut-Schocks zu platzieren. Und so ist „Insidious: The Red Door“ zwar kein wirklich notwendiger, aber auch kein schlechter Film.

Neun Jahre sind vergangen, seit Josh Lambert (Patrick Wilson) und sein Sohn Dalton (Ty Simpkins) den Albtraum ihrer Besessenheit, die zum Tod des Mediums Elise Rainier (Lin Shaye) führte und ihre Familie in Lebensgefahr brachte, überwunden haben. Nur durch Hypnose konnten sie ihre schrecklichen Erinnerungen verdrängen. Doch von Normalität kann noch immer keine Rede sein. Während Dalton heute ein verschlossener, depressiver junger Mann ist, der ein Jahr seines Gedächtnisses verloren hat, kämpft auch Josh ausschließlich mit sich selbst. Von seiner Frau Renai (Rose Byrne) lebt er inzwischen getrennt, das Verhältnis zu seinen Kindern ist durch seine ständige Abwesenheit stark belastet. Nur zögerlich willigt Josh deshalb ein, Dalton zu seinem ersten Tag am College zu fahren. Dort freundet sich der Kunststudent mit seiner Kommilitonin Chris Winslow (Sinclair Daniel) an. Als seine extravagante Professorin Armagan (Hiam Abbass) ihn auffordert, seine innersten Gedanken auszudrücken, malt der Außenseiter eine mysteriöse rote Tür und öffnet damit das Tor zu einer fremden Zwischenwelt. Dalton beginnt, schreckliche Dinge zu sehen, die er zunächst nicht einordnen kann.

Patrick Wilson und Ty Simpkins in „Insidious: The Red Door“ (© Sony Pictures)

13 Jahre und fünf Filme – die „Insidious“-Geschichte ist auserzählt

Nach 13 Jahren und fünf Filmen, die sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, konkreter Realität und gefährlichen Zwischenwelten abspielten, scheint auch die „Insidious“-Saga vorerst ihr Ende gefunden zu haben, zumindest was die Haupterzählung betrifft. Der narrative Verschleiß ist gerade in den letzten beiden Kapiteln überdeutlich, das „Insidious“-Franchise zeigt trotz des zeitlichen Vorwärts- und Rückwärtsganges spürbare Abnutzungserscheinungen. Die Entscheidung, die Reihe mit „Insidious: The Red Door“ abzuschließen, ist daher weise. Es ist an der Zeit, ins „Ewigreich“ überzuwechseln. Doch für diesen zwar wenig inspirierten, aber sauber inszenierten Abschied gebührt dem neuen Regisseur Patrick Wilson, der nach Teil 1 und 2 auch als Hauptdarsteller zurückkehrt, ein gewisser Respekt. Denn der Filmemacher holt inszenatorisch einiges aus dem mauen Stoff heraus.

Patrick Wilson überzeugt auf dem Regiestuhl durchaus

Wilson bemüht sich in „Insidious: The Red Door“, viele der offenen Handlungsstränge der vorangegangenen Kapitel abzuschließen, bedient sich dabei aber nur der mittlerweile überstrapazierten Mainstream-Horrorformel, der die solide Saga im Grunde seit ihren Anfängen folgt. Dazu gehören klassische Jump Scares und vor allem zunächst harmlos erscheinende Alltagsumgebungen, die durch die Visionen der Astralreisen verzerrt und in Gänsehaut erzeugende Schauerwelten verwandelt werden. Gleichzeitig reflektiert der Film über Erinnerung und die Geister der Vergangenheit und wie diese die Familie ebenso bedrohen können wie dämonische Präsenzen.

„Insidious: The Red Door“ scheitert an den eigenen Ambitionen

Der Regisseur versucht, den Horizont der Reihe etwas zu erweitern, indem er den Mystery-Schocker mit familiären Problemen auflädt. Dieser Aspekt verleiht dem Film den Unterton eines Familiendramas mit quälenden melodramatischen Zügen – allerdings ohne sonderlich viel Substanz, vieles bleibt an der Oberfläche. So ist auch der fünfte Teil typisches, formelhaftes Horror-Popcorn-Kino, das durch die starke Kameraarbeit von Autumn Eakin („The Invitation“) vor allem in den Szenen des „Ewigreichs“ beeindruckt und durch Wilsons effektive Regie vorangetrieben wird. Der Regisseur erzeugt mit zunehmender Spieldauer immer mehr von dieser Gänsehautatmosphäre, die meist über dunkle Gestalten funktioniert, die sich aus dem Hintergrund anschleichen und dann präsent werden.

Ty Simpkins in „Insidious: The Red Door“ (© Sony Pictures)

Dennoch lässt sich das Gefühl des Deja-vu nicht leugnen – was „Insidious: The Red Door“ letztlich zu vorhersehbar macht. Einige Jump Scares funktionieren gut, andere weniger. In den ersten beiden Filmen konnte die Eleganz von James Wans Regie noch eine Handlung überdecken, die bereits dort ihre Grenzen hatte, wie dann in den beiden Prequels mehr und mehr deutlich wurde. Zu Beginn des Franchise wurde der Mangel an Tiefe teilweise durch eine bessere Fokussierung und einen ziemlich gut aufgebauten Höhepunkt kaschiert. Hier wirkt jetzt vieles holprig, wie beispielsweise die Identifikation mit den Hauptfiguren Vater Josh und Sohn Dalton, die als Sympathieträger nur bedingt taugen.

Spin-off soll „Insidious“ am Leben erhalten

Doch niemals geht man so ganz: Das Spin-off „Thread: An Insidious Tale“ (mit Mandy Moore und Kumail Nanjiani) ist inzwischen bereits bestätigt und der Abschied von der Reihe somit relativ. Das heimtückische Universum, das von Leigh Whannell und James Wan geschaffen wurde, scheint bereit für neue Schrecken. Die gute alte Horrorformel ist einfach unschlagbar: Ein schmales Budget – der fünfte Teil von „Insidious“ kostete nur 16 Millionen Dollar – und ein solides Einspielergebnis. Niemand lässt eine etablierte Marke wie „Insidious“ gerne aussterben, selbst wenn es eigentlich nichts mehr zu erzählen gibt.

Fazit: „Insidious: The Red Door“ ist ein mittelmäßiges Mystery-Horror-Sequel und ein mehr oder weniger würdiger Abschluss der „Insidious“-Hauptreihe. Regiedebütant Patrick Wilson versucht zwar, Familiendynamiken und die Themen Erinnerung und Schrecken auszuloten, bleibt aber in seinen Ambitionen irgendwo in der Konvention stecken. Nichtsdestotrotz bietet der Neu-Filmemacher effektiven Grusel dank einer effektiven Inszenierung, die die bekannten Elemente der Saga geschickt nutzt.

Deutscher Kinostart von „Insidious: The Red Door“: 7. Juli 2023.

Wertung2,5 / 5
Produktionsland

USA 2023

Cast & Crew

Ty Simpkins

Dalton Lambert

Patrick Wilson

Josh Lambert

Sinclair Daniel

Chris Winslow

Hiam Abbass

Professor Armagan

Rose Byrne

Renai Lambert

Andrew Astor

Foster Lambert

David Call

Ben Burton

Peter Dager

Nick the Dick

Justin Sturgis

Alec Anderson

Joseph Bishara

Lipstick Demon

Juliana Davies

Kali Lambert

Lin Shaye

Elise Rainier

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