Gib’s zu, Fletch

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Lässiges Reboot eines fast vergessenen 80er-Jahren-Kultfilms

Die fiktive Hollywood-Figur Irwin M. Fletcher, genannt „Fletch“, ist Kult der 80er Jahre. Chevy Chase machte den beißend zynischen Enthüllungsjournalisten mit „Fletch – Der Troublemaker“ (1985) und der Fortsetzung „Fletch 2 – Der Troublemaker kehrt zurück“ (1989) zu einer kleinen Legende. Seitdem haben sich immer wieder Stars an der Wiederbelebung des Franchise versucht. Kevin Smith, Jason Lee, Bill Lawrence, Zach Braff und Jason Sudeikis wurden über die Jahre mit der Neuauflage in Verbindung gebracht, doch erst 2020 fand die Kombination aus Regisseur Greg Mottola und Jon Hamm als Hauptdarsteller und Produzent den Weg aus der Entwicklungshölle und erhielt tatsächlich grünes Licht – allerdings mit denkbar schlechtem Timing mitten in der Corona-Pandemie. Das führte auch dazu, dass ihr Reboot „Gib’s zu, Fletch“ 2022 unter dem Radar außerhalb des Kinos direkt im Streaming lief und erst Ende 2023 nach Deutschland kam. Dabei ist Mottola eine lockere Krimikomödie mit 80er-Jahre-Vibe gelungen, die den Geist des Originals nahezu perfekt einfängt und die Geschichte moderat modernisiert. Und „Mad Men“-Ikone Jon Hamm darf hier zeigen, dass er auch Comedy kann. Schade also, dass kaum jemand „Gib’s zu, Fletch“ gesehen hat. Der Film hat weniger verrückte Gags als zu Chevy Chases Zeiten, ist aber immer noch sehr amüsant.

Irwin M. Fletcher (Jon Hamm) hat dem Journalismus den Rücken gekehrt und ist in den Kunsthandel eingestiegen. In Italien versucht der ehemalige Investigativreporter, zwei Kunstwerke des entführten italienischen Grafen Grassi (Robert Picardo) aufzuspüren. Bei seinen Recherchen lernt Fletch Grassis Tochter Angela (Lorenza Izzo) kennen und beginnt eine Affäre mit ihr. Er vermutet die Bilder in Boston, wo sie im Besitz des Kunsthändlers Ronald Horan (Kyle MacLachlan) sein sollen. Doch Fletch tappt in eine Falle und gilt plötzlich als Mordverdächtiger, nachdem er die Leiche der jungen Laurel Goodwin (Caitlin Zerra Rose) in seinem gemieteten Haus in Boston vorfindet. Er bietet den beiden ermittelnden Detectives Monroe (Roy Wood Jr.) und Griz (Ayden Mayeri) seine Hilfe an, doch diese gehen immer mehr davon aus, dass Fletch der Hauptverdächtige ist. Fletch versucht jedoch, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Täter zu finden.

Jon Hamm in „Gib’s zu, Fletch“ (© Miramax Studios)

Modernisierung und Hommage

Die Reaktion auf die Nachricht, dass Jon Hamm („Top Gun: Maverick“) die Rolle des Fletch übernehmen würde, war als Fan des Originals eine Mischung aus Überraschung und leichtem Schock. Es schien merkwürdig, eine Figur wiederzubeleben, die so eng mit Chevy Chase und seinem skurrilen, improvisierten Stil der 80er Jahre verbunden war. Doch „Gib’s zu, Fletch“, basierend auf dem zweiten „Fletch“-Roman von Gregory McDonald, ist ein anderer Fletch-Film – und doch erweist Regisseur Greg Mottola dem Original die Ehre und zeigt, dass er ihn sehr wohl sehr gut verstanden hat. Das Reboot ist eine Hommage, ein unterhaltsamer, leichtfüßiger Krimi mit skurrilen Charakteren und einer spielfreudigen Besetzung in bester Alberlaune. Jeder der Charaktere ist ein potenzieller Verdächtiger, was zumindest für ein bisschen Spannung sorgt – denn so wichtig ist der Kriminalfall dann doch nicht. „Gib’s zu, Fletch“ ist der klassische Sonntagnachmittagsfilm, bei dem man auch mal halb einschlafen kann, ohne dass der Genuss allzu sehr leidet, weil die Handlung nicht so wichtig ist wie die Figuren. Mottolas Film hat vielleicht nicht das Goofy-Niveau von Chevy Chase, aber er ist trotzdem ein alberner Spaß. Hamm verzichtet auf die legendären Fletch-Maskeraden, schneidet aber ausgiebig schräge Grimassen, ohne sich zu blamieren, und darf in jeder Situation die Lakers-Mütze tragen.

Gutes Ensemble mit Mut zur Albernheit

Hauptursache für das ständige Chaos ist wie in den 80er Jahren der Protagonist selbst: Irwin Maurice Fletcher. Jon Hamm spielt den Hobby-Ermittler, der inzwischen vom investigativen Journalismus in den Kunsthandel gewechselt ist, genauso verrückt und spleenig wie damals. Wie bei Chases Interpretation der Figur erkennt man auch hier das Genie hinter dem Wahnsinn. Doch damit enden die Ähnlichkeiten, denn Hamm prägt Fletch auf seine Weise und bringt seinen markant-arroganten Charme mit. Er platziert seinen Fletch etwa in der Mitte zwischen der Figur aus den Büchern von Gregory McDonald und der von Chevy Chase. In „Gib’s zu, Fletch“ passiert auch immer viel Nebensächliches am Rande. Da ist zum Beispiel Hamms Wiedersehen mit seinem „Mad Men“-Co-Star John Slattery, das äußerst unterhaltsam, aber für die Handlung weniger relevant ist. Slatterys Darstellung des Zeitungsveteranen Frank Jaffe ist frech und vulgär – etwas, das Slattery perfekt beherrscht! Die Besetzung ist durchweg großartig – Roy Wood Jr. und Ayden Mayeri spielen herrlich tranig zusammen die ermittelnden Polizisten, die sich nicht besonders beeilen, Fletch zu verhaften, weil sie überzeugt sind, dass er sich selbst ins Gefängnis bringen wird. Lorenza Izzo als Angela ist die obligatorische italienische Schönheit, die Fletch ins Bett lockt, aber vielleicht ihre eigenen Pläne verfolgt.

Jon Hamm (Mitte) und Lorenza Izzo in „Gib’s zu, Fletch“ (© Miramax Studios)

Mottola und Hamm beleben das „Fletch“-Franchise mit Stil

Man merkt, wie sehr Hamm diese Figur liebt. Er versucht, Fletch etwas Würde zu verleihen, vielleicht mit einem Hauch von Cary Grant, während auch Peter Sellers‘ Wirken durchscheint. Dieselbe Passion gilt auch für Drehbuchautor und Regisseur Mottola, der gemeinsam mit Hamm auf einen Teil seiner Gage verzichtete, um zusätzliche Drehtage zu bekommen. Irgendwie ist es ihnen gelungen, Fletch mehr zu einer realistischen Person als zu einer reinen Comedyfigur zu machen, ohne seine Exzentrik zu verlieren. Es ist köstlich, wenn Fletch sich furchtbar arrogant in die Ermittlungen einmischt und gleichzeitig die Polizei austrickst. Es gibt sogar Momente, in denen er auf scheinbar unerklärliche Weise einen Schritt vor und zwei Schritte zurück macht. Angesichts der überzeugenden Art und Weise, wie Hamm und Mottola der fast vergessenen Figur neues Leben eingehaucht haben, ist es bedauerlich, dass Miramax „Gib’s zu, Fletch“ fast unbemerkt mit einer digitalen Veröffentlichung versenkt hat.

Fazit: „Gib’s zu, Fletch“ ist trotz kleinerer Mängel ein sehenswerter und unglaublich lässiger Film, vor allem dank Jon Hamms beeindruckender Neuinterpretation der Kultfigur Fletch. Die Story mag nicht immer überzeugen, aber der Film bietet genügend skurrile Momente und charmante Verrücktheiten, um das Publikum zu unterhalten.

Streaming: „Gib’s zu, Fletch“ ist seit dem 23. September 2023 bei Paramount+ im Abo abrufbar.

Wertung3,5 / 5
Produktionsland

USA 2022

Cast & Crew

Jon Hamm

Irwin Maurice „Fletch“ Fletcher

Roy Wood Jr.

Sergeant Inspector Monroe

Ayden Mayeri

Junior Detective Griz

Lorenza Izzo

Angela de Grassi

Kyle MacLachlan

Ronald Horan

John Slattery

Frank Jaffe

Lucy Punch

Tatiana

Kenneth Kimmins

Der Commodore

Robert Picardo

Graf Grassi

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