Aquaman: Lost Kingdom

2023124 minab 12, ,

Eine durchwachsene Fortsetzung des überraschenden Megahits, aber auch kein Schlag ins Wasser

Mit „Aquaman: Lost Kingdom“ geht die vierte DC-Verfilmung innerhalb eines Jahres an den Start und markiert gleichzeitig den Abschluss vor dem großen Neustart unter den neuen Entscheidungsträgern Peter Safran und James Gunn. Der in der Vergangenheit immer etwas belächelte Superheld Aquaman avancierte nach seinem fulminanten ersten Solo-Auftritt 2018 in einem erstaunlich witzigen Comic-Actioner, der weltweit über 1,1 Milliarden Dollar einspielte, 2023 plötzlich zum Hoffnungsträger des darbenden DC-Universums, weil die anderen drei DC-Filme des Jahres – „Shazam! Fury Of The Gods“, „The Flash“ und „Blue Beetle“ – allesamt floppten. Doch Regisseur James Wan kann dieses Versprechen auf Besserung mit „Aquaman: Lost Kingdom“ zu keinem Zeitpunkt einlösen – weder kommerziell noch inhaltlich. An den Kinokassen tut sich das Sequel überraschend schwer, und inszenatorisch bietet der Aufguss dank des spielfreudigen Hauptdarstellers Jason Momoa einiges an Spaß, der aber durch die hektische Inszenierung, die überbordenden CGI-Effekte und die chaotische Story gemindert wird.

Seit einigen Jahren ist Arthur Curry (Jasom Momoa) als Aquaman der König von Atlantis. Nach seiner Heirat mit Mera (Amber Heard) haben die beiden ihren Sohn Arthur Jr. bekommen. Aquaman verbringt seine Zeit an Land und unter Wasser – bis der Schurke David Kane (Yahya Abdul-Mateen II) alias Black Manta alles daran setzt, den Tod seines Vaters zu rächen. Gemeinsam mit dem Wissenschaftler und Meeresbiologen Stephen Shin (Randall Park) jagt er atlantische Artefakte und gelangt tatsächlich in den Besitz des schwarzen Dreizacks, der ihm Macht verleiht. Als er Monate später die Orichalcum-Vorkommen von Atlantis stehlen will, um das Weltklima zum Kollabieren zu bringen, greift Aquaman ein. Um Black Manta zu stoppen, muss er seinen verstoßenen Halbbruder Orm (Patrick Wilson) aus dem Gefängnis befreien, um tatkräftige Unterstützung zu bekommen. Unterdessen wollen die beiden ihre Feindschaft ruhen lassen – auch auf Geheiß ihrer Mutter Atlanna (Nicole Kidman).

Jason Momoa in „Aquaman: Lost Kingdom“ (© Warner Bros.)

Die Wiederholung des Überraschungserfolgs scheitert

Der Charakter des Aquaman war eine der größten Überraschungen der Comicheldenfilme der 2010er Jahre. Nach einem kurzen, aber vielversprechenden Auftritt in „Batman v Superman“ (2017) kam Weihnachten 2018 sein erster Solofilm „Aquaman“ in die Kinos. Niemand konnte vorhersagen, dass dieser Film der Mega-Kassenschlager des DC-Universums werden und die Milliardengrenze überschreiten würde. Die Idee von „Aquaman: Lost Kingdom“ war offensichtlich, die Erfolgsformel zu wiederholen, mit James Wan erneut auf dem Regiestuhl und Jason Momoa („Fast & Furious 10“) als Hauptdarsteller. Ziel des „The Conjuring“-Regisseurs war es, das Worldbuilding von Atlantis zu erweitern, was ihm auch weitgehend gelungen ist. Dabei ist der Comic-Actioner völlig unabhängig vom DC-Franchise. Es gibt keine Cameos, keine Verweise auf ein größeres Universum, und kein anderer Meta-Charakter scheint die globale Krise zu scheren. Dabei vergisst der Filmemacher, was den ersten Teil so erfolgreich gemacht hat. Wie schon in „Aquaman“ macht sich Wan einen Spaß daraus, zahlreiche Genres zu zitieren. Aber der nahtlose Übergang zwischen den verschiedenen Elementen, der zuvor so gut funktionierte, wird hier zu einer holprigen Reise.

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Ein Durcheinander von Orten, Charakteren und Kreaturen

Was zunächst wie eine aquatische Version von „Guardians Of The Galaxy“ aussieht, entwickelt sich zu einer Geschwister-Saga à la „Thor“ und „Loki“, durchsetzt mit Anleihen an bereits erschöpfte Ideen aus Wakanda und Szenen, die an Peter Jacksons Minas Morgul aus „Der Herr der Ringe“ erinnern. Die Vielzahl der Schauplätze, Charaktere, Kreaturen und Handlungen macht es schwer, einen klaren Erzählton wahrzunehmen, und am Ende fühlt man sich wie in einer Superhelden-Neuinterpretation von Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“. „Aquaman: Lost Kingdom“ ist eine wilde Mischung aus Spaß und Chaos. Die im Kern einfache Handlung und die überladene Inszenierung stehen sich oft im Weg. Das Sequel will alles auf einmal sein. Das geht sogar so weit, dass die Drehbuchautoren James Wan und David Leslie Johnson-McGoldrick („Aquaman“) versuchen, die aktuellen Probleme des Klimawandels und der globalen Erwärmung anzusprechen, ohne über Oberflächlichkeiten hinauszukommen. Aber immerhin gelingt es dem Film, das Publikum mit seinen visuellen Reizen und Abenteuern an Land und unter Wasser zu unterhalten.

Patrick Wilson und Jason Momoa in „Aquaman: Lost Kingdom“ (© Warner Bros.)

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Schauspielerisch dominiert ein wieder einmal spielfreudiger und charismatischer Momoa das Geschehen nach Belieben, während Patrick Wilson („Insidious: The Red Door“) diesmal mehr Präsenz zeigen darf und mit Babo Momoa eine ordentliche Buddy-Chemie entwickelt. Wenn sie sich streiten, scherzen und in Schwierigkeiten geraten, gemahnt das an die guten alten Tage der Buddy-Komödien der 80er und 90er Jahre. Traurig ist dagegen das Leinwand-Schicksal von Amber Heard („Justice League“), die nach der Kontroverse um ihre öffentlich ausgetragene Eheschlacht mit Johnny Depp zwar nicht gecancelt, aber doch stark degradiert wurde. Sie ist als Aquamans Gefährtin zwar immer noch irgendwie präsent und oft im Bildhintergrund zu sehen, darf aber in den zwei Stunden Spielzeit kaum drei Sätze sprechen. Heard wurde mundtot gemacht, sie ist nur noch Statistin – ein groteskes Schauspiel.

Fazit: Mit „Aquaman: Lost Kingdom“ legt Regisseur James Wan eine durchwachsene Fortsetzung des Megahits vor. Trotz durchaus vorhandener visueller Pracht und aufwendiger CGI-Effekte kann der Comic-Actioner nicht durchweg überzeugen. Die simple Handlung, die inkonsequente Charakterentwicklung und die Überfrachtung mit Elementen aus anderen Filmen ziehen das zweite DC-Atlantis-Abenteuer herunter.

Deutscher Kinostart von „Aquaman: Lost Kingdom“: 21. Dezember 2023.

Wertung2,5 / 5
Produktionsland

USA 2023

Cast & Crew

Jason Momoa

Arthur Curry / Aquaman

Patrick Wilson

Orm Marius

Yahya Abdul-Mateen II

David Kane / Black Manta

Nicole Kidman

Königin Atlanna

Randall Park

Dr. Stephen Shin

Dolph Lundgren

König Nereus

Temuera Morrison

Thomas Curry

Martin Short

Kingfish

Vincent Regan

König Atlan

Indya Moore

Karshon

Jani Zhao

Stingray

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