Der Pate

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Der perfekte Film – ein zeitloses Meisterwerk, dessen Entstehen einem Wunder gleicht

Die reine Existenz von Francis Ford Coppolas legendärem Mafia-Epos „Der Pate“ grenzt an ein Wunder! Denn die Widerstände, die der Regisseur und sein umtriebiger Produzent Al Ruddy bei den Dreharbeiten zu überwinden hatten, waren eigentlich unüberwindbar. Sie kämpften gegen das eigene Studio Paramount, das nicht an den Film glaubte, um den damals kaum bekannten Al Pacino in der Hauptrolle des Michael Corleone, um das stark überzogene Budget und schließlich gegen die Mafia, die sich durch Mario Puzos Romanvorlage verunglimpft sah. Unter diesen unglaublich widrigen Drehbedingungen ist es erstaunlich, dass überhaupt ein fertiger Film entstanden ist, und es ist eine wahre Offenbarung, dass Coppola mit diesem Druck im Rücken ein Meisterwerk geschaffen hat, das in jeder Szene des knapp dreistündigen Films perfekt ist. Der damals junge Regisseur revolutionierte das Genre und eröffnete einen völlig neuen Blick auf die Unterwelt. In „Der Pate“ sind die Verbrecher der New Yorker Mafia die Protagonisten, deren Taten zwar nicht glorifiziert werden, die Coppola aber auch nicht kommentiert, sondern dokumentiert.

New York, 1945: Auf dem Anwesen von Vito Corleone (Marlon Brando) richtet der Don die Hochzeit seiner Tochter Connie (Talia Shire) aus. Dabei werden allerlei Gefälligkeiten erbeten und im Gegenzug Loyalität eingefordert. So bittet der Starsänger Johnny Fontane (Al Martino) über Corleones Ziehsohn und Anwalt Tom Hagen (Robert Duvall), ihm eine wichtige Rolle in Hollywood zu verschaffen, obwohl er dort bereits schroff abgelehnt wurde. Der Don regelt das. Denn Corleone ist einer der mächtigsten Mafiabosse der Stadt und Oberhaupt einer der „Fünf Familien“. Innerhalb der Klans entbrennt ein Streit darüber, ob die Mafia in den schmutzigen Drogenhandel einsteigen soll. Don Corleone ist dagegen – doch der „Türke“, der Mafioso Virgil Sollozzo (Al Lettieri), will sich das lukrative Geschäft nicht entgehen lassen. Als ein Mordanschlag auf Corleone verübt wird, den der Don nur schwer verletzt überlebt, rückt sein ältester Sohn Sonny (James Caan) in den Mittelpunkt des Familienunternehmens. Doch es ist Michael, der bisher als braver Bürger und tapferer Soldat galt, der von Vitos Söhnen überraschend mit der Rache betraut wird. Der Weltkriegsveteran erschießt Sollozzo und den korrupten Polizeichef McCluskey (Sterling Hayden). Der Mafiakrieg eskaliert, und Michael taucht in Italien unter – sehr zur Überraschung seiner ahnungslosen Freundin Kay Adams (Diane Keaton).

Salvatore Corsitto und Marlon Brando in „Der Pate“ (© Cinema International Corporation)

Vom Zweifel zum Triumph: Coppolas künstlerische Reife

Francis Ford Coppola, damals Anfang 30, stand vor einer gewaltigen Aufgabe. Als junger Regisseur mit einer wenig ruhmreichen Vita, zu der ein kaum bekannter Horrorfilm („Dementia 13“) und ein Musical („Der goldene Regenbogen“) gehörten, übernahm er die Verantwortung für die Verfilmung von Mario Puzos Weltbestseller „Der Pate“. Paramount zweifelte an seiner Regie-Entscheidung, das Budget stieg von geplanten 2,5 auf 6,5 Millionen Dollar. Doch Coppolas Vision, die Handlung in den 1940er Jahren anzusiedeln, erwies sich als genialer Schachzug, der die Expansion der Familie Corleone mit dem Aufstieg der USA zur Weltmacht nach dem Zweiten Weltkriegs verbindet. So erzählt der Film nicht nur die Geschichte einer Mafia-Familie, sondern auch eine Allegorie auf das aufstrebende Amerika.

Coppola als Meister der Improvisation

Die Geschichten von Coppola und Produzent Al Ruddy über die Dreharbeiten (zu erleben in der sehenswerten Serie „The Offer“) offenbaren eine bemerkenswerte Fähigkeit, mit Problemen und Widrigkeiten umzugehen. Jede dieser abenteuerlichen Anekdoten unterstreicht Coppolas Fähigkeit, Unvorhergesehenes zu meistern und Einschränkungen in Tugenden zu verwandeln. Während der gewitzte Tausendsassa Ruddy alle Probleme aus dem Weg räumte, konnte und musste Coppola – unter großem Druck von außen – oft improvisieren. Paramount machte ihm die Hölle heiß, während die Mafia versuchte, seinen Film zu stoppen.

Diane Keaton und Al Pacino in „Der Pate“ (© Cinema International Corporation)

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Ein akribischer und detailbesessener Regisseur

Im Rückblick wird schnell klar, wo Coppola unschlagbar war: Die akribische Planung und Ausführung der Szenen, von der Farbwahl bis zum Einsatz echter Musiker bei den Hochzeitsszenen, zeugen von der Hingabe und Detailversessenheit des Regisseurs, der ein Meisterwerk schuf, das so perfekt ist wie nur wenige Filme in der Geschichte. Selbst in den moralisch schwierigsten Momenten, wie der berühmten Pferdekopfszene, zeigt sich die kreative Überlegenheit des Regisseurs. Weil Hollywood-Produzent Jack Woltz Sänger Johnny Fontane aus Animositäten nicht besetzen wollte, lässt der Pate dem Filmschaffenden den abgetrennten Schädel seines sündhaft teuren Lieblingspferdes zum morgentlichen Aufwachen ins Bett legen. Diese furchterregende Einstellung ging in die Filmgeschichte ein, ohne dass auch nur einer der Hauptdarsteller in der Nähe gewesen wäre. Ihre bedrohliche Präsenz schwebt über der Szenerie und lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Coppola zeigt hier sehr prägnant und brutal, wie die Corleones arbeiten. Das Wort „Mafia“ kommt übrigens im ganzen Film nicht einmal vor – ein Zugeständnis an die realen Mafiosi, die die Produktion massiv bedrohten und schlechte Publicity fürchteten.

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Von Unbekannten zu Legenden: Al Pacino und Robert Duvall

Obwohl Al Pacino („Heat“) und Robert Duvall („Open Range“) später zu Ikonen wurden, waren sie damals nur junge, aufstrebende Talente. Der Film machte sie zu Stars. Marlon Brando („Die Faust im Nacken“) war das schon – ein divenhafter Superstar. Doch er riss sich zusammen und überragte in seiner Paraderolle als Don Vito Corleone, indem er die moralische Komplexität des Familienoberhaupts mit fesselnder Präsenz und tiefer Intensität verkörperte. Pacino brilliert als jüngster Sohn Michael Corleone und überzeugt durch eine eindringliche Entwicklung vom zögerlichen und makellosen Außenseiter zum kompromisslosen und eiskalten Anführer. Die Vater-Sohn-Dynamik zwischen Brando und Pacino ist faszinierend und trägt wesentlich zur Tiefe der Charaktere und zur familiären Spannung bei. Die Nebendarsteller wie James Caan („Rollerball“), Robert Duvall und Diane Keaton („Der Stadtneurotiker“) bekommen alle ihre Szenen. Ihre überzeugenden Darstellungen verleihen der Welt des „Paten“ eine unvergleichliche Authentizität, die den Film zur Legende gemacht hat – der und auch in Mafiakreisen sehr beliebt sein soll. „Der Pate“ ist nicht nur ein Gangsterepos, sondern auch ein eindringliches Porträt von Macht, Familie und Moral.

Al Pacino und James Caan in „Der Pate“ (© Cinema International Corporation)

Das Vermächtnis der 70er Jahre

Und so ist „Der Pate“ auch ein Symbol für das goldene Zeitalter des Hollywoodkinos in den 1970er Jahren. Coppola prägte zusammen mit anderen visionären Regisseuren wie Martin Scorsese („Taxi Driver“), Steven Spielberg („Der weiße Hai“), Woody Allen („Der Stadtneurotiker“), Robert Altman („Nashville“) oder Roman Polanski („Chinatown“) eine Ära, in der künstlerischer Anspruch und Publikumsgeschmack aufeinandertrafen. Die Filmwelt veränderte sich, auch wenn der Einfluss von George Lucas‘ „Star Wars“ später eine unerwartete Wende brachte.

Fazit: „Der Pate“ bleibt auch viele Jahrzehnte nach seiner Uraufführung ein filmisches Wunderwerk, dessen Entstehungsgeschichte ebenso fesselnd ist wie das handwerklich absolut perfekte und emotional mitreißende Mafia-Drama selbst. Von der künstlerischen Reife Francis Ford Coppolas bis zu seinem Einfluss auf das Kino der 1970er Jahre und darüber hinaus hat dieses Meisterwerk seinen Platz im Herzen der Filmgeschichte fest verankert.

Deutscher Kinostart von „Der Pate“: 24. August 1972.

Wertung5 / 5
Produktionsland

USA 1972

Cast & Crew

Marlon Brando

Don Vito Corleone

Al Pacino

Michael Corleone

Diane Keaton

Kay Adams

James Caan

Santino „Sonny“ Corleone

Robert Duvall

Tom Hagen

Richard S. Castellano

Peter Clemenza

Abe Vigoda

Sal Tessio

John Cazale

Frederico „Fredo“ Corleone

Talia Shire

Constanzia „Connie“ Corleone-Rizzi

Gianni Russo

Carlo Rizzi

Morgana King

Mutter Carmela Corleone

Richard Conte

Don Emilio Barzini

Al Lettieri

Virgil „Der Türke“ Sollozzo

Sterling Hayden

Captain McCluskey

Al Martino

Johnny Fontane

John Marley

Produzent Jack Woltz

Lenny Montana

Luca Brasi

Alex Rocco

Moe Greene

Joe Spinell

Willi Cicci

Richard Bright

Albert Neri

Salvatore Corsitto

Bestatter Bonasera

Victor Rendina

Don Philip Tattaglia

Corrado Gaipa

Don Tommasino

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