Lee Cronin’s The Mummy – Kritik

Filmkritik

2/5

Filmkritik „Lee Cronin’s The Mummy“: Viel Horror, wenig Wirkung

Düsterer Horror-Thriller von Lee Cronin über eine verfluchte Familie: brutal inszeniert, visuell stark, aber erzählerisch überraschend schwach.

Das Mumienmotiv gehört zu den wandelbarsten Archetypen des Genrekinos, doch mit „Lee Cronin’s The Mummy“ versucht der titelgebende Regisseur Lee Cronin, den Stoff endgültig in die düsteren Gefilde des modernen Body-Horrors zu überführen. Statt Abenteuerromantik oder klassischer Gruselästhetik setzt der irische Filmemacher auf eine intime, klaustrophobische Familiengeschichte, die sich als Albtraum entfaltet. Was auf dem Papier wie eine konsequente Weiterentwicklung wirkt, entpuppt sich jedoch als überraschend konventionelle und über weite Strecken erstaunlich zähe Genreübung, die nur schwer zum Publikum durchdringt.

Handlung von „Lee Cronin’s The Mummy“

Die amerikanische Familie Cannon lebt in Kairo, wo sich ihr Alltag zwischen beruflichen Perspektiven und familiärer Routine abspielt. Vater Charlie (Jack Reynor) arbeitet als TV-Moderator, während Mutter Larissa (Laia Costa), die als Krankenschwester tätig ist, den familiären Zusammenhalt organisiert. Doch dieses fragile Gleichgewicht zerbricht abrupt, als ihre Tochter Katie (Natalie Grace) nach einer Begegnung mit der rätselhaften „Zauberin“ (Hayat Kamille) spurlos verschwindet. Charlie nimmt sofort die Verfolgung auf, verliert das Mädchen jedoch im Chaos eines Sandsturms aus den Augen. Die eingeleiteten Ermittlungen unter Leitung von Dalia Zaki (May Calamawy) verlaufen im Sande und lassen die Familie traumatisiert zurück.

Acht Jahre später geschieht das Unfassbare: Katie taucht wieder auf – eingehüllt in Mumienbinden, körperlich gezeichnet und kaum mehr als das Kind erkennbar, das sie einst war. Für die Eltern bedeutet ihre Rückkehr zunächst Hoffnung und grenzenlose Erleichterung, doch diese weicht schnell wachsender Verunsicherung. Denn das Mädchen wirkt fremd, beinahe wie von etwas Besitz ergriffen. Während die Familie versucht, das Geschehene zu begreifen und zur Normalität zurückzukehren, breitet sich in ihrem Zuhause zunehmend eine unheilvolle Atmosphäre aus, die erkennen lässt, dass mit Katie nicht nur ein verlorenes Kind, sondern auch etwas zutiefst Bedrohliches zurückgekehrt ist.

Jack Reynor und Natalie Grace in „Lee Cronin's The Mummy“ (© Warner Bros.)
Jack Reynor und Natalie Grace in „Lee Cronin's The Mummy“ (© Warner Bros.)

Zwischen Familienhorror und Genre-Klischees: Der Mumien-Mythos neu gedacht

Thematisch bewegt sich „Lee Cronin’s The Mummy“, der lose auf „Die Mumie“ (1932) von Karl Freund mit Boris Karloff beruht, auf vertrautem Terrain. Die Rückkehr des Verdrängten, die Hybris des Menschen im Umgang mit uralten Mächten und die Zersetzung familiärer Strukturen bilden das Fundament der Erzählung. Die größte Stärke liegt zunächst in seinem Ansatz, den Mythos der Mumie als innerfamiliären Horror neu zu denken. Statt einer jahrtausendealten Rachegeschichte rückt Regisseur Lee Cronin („The Hole In The Ground“) die Zersetzung einer Familie in den Mittelpunkt und greift damit Motive auf, die bereits in „Evil Dead Rise“ (2023) angelegt waren.

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Doch dieser spannende Ansatz verliert sich schnell in einer Erzählweise, die wie ein Flickwerk aus bekannten Versatzstücken wirkt. Der Film scheint weniger eine eigene Vision zu verfolgen, als vielmehr erfolgreiche Elemente anderer Horrorwerke zu kombinieren – insbesondere die Nähe zu klassischen Besessenheitsfilmen wie „Poltergeist“ oder „Der Exorzist“ ist unverkennbar.

May Calamawy in „Lee Cronin's The Mummy“ (© Warner Bros.)
May Calamawy in „Lee Cronin's The Mummy“ (© Warner Bros.)

Unentschlossene Dramaturgie: Viel Leerlauf, späte Eskalation

Hinzu kommt ein grundlegendes Problem im dramaturgischen Aufbau. Über weite Strecken pendelt die Handlung zwischen Mystery-Thriller und übernatürlichem Horror, ohne sich klar für eine Richtung zu entscheiden. Die eigentliche Bedrohung entfaltet sich nur in sporadischen Momenten, während lange Passagen erzählerisch auf der Stelle treten. Erst im letzten Drittel gewinnt der Film an Energie und zeigt jene inszenatorische Wucht, die man sich zuvor vergeblich gewünscht hätte. So stechen einzelne Szenen hervor, doch sie wirken eher wie isolierte Höhepunkte als organischer Bestandteil einer stringenten Dramaturgie.

Zwei Szenen offenbaren Lee Cronins zentrales Problem

Wer die Schwächen von „Lee Cronin’s The Mummy“ auf den Punkt bringen will, muss nur zwei entscheidende Momente betrachten. Nachdem der Film zuvor über weite Strecken in berechenbaren Genremustern verharrt, gelingt dem Regisseur und Autor Cronin im finalen Abschnitt plötzlich eine unerwartet wirkungsvolle Wendung, die das Thema Opferbereitschaft emotional greifbar macht und kurzzeitig echte, berührende Intensität erzeugt. Doch genau diesen Moment konterkariert er wenig später mit einem allzu bequemen finalen Payoff, der nicht nur erzählerisch unbefriedigend bleibt, sondern auch im Widerspruch zur zuvor aufgebauten düsteren Grundstimmung steht. So verpufft eine der wenigen starken narrativen Ideen des Films – und hinterlässt den Eindruck einer Inszenierung, die ihre eigenen Höhepunkte selbst unterläuft.

Laia Costa und Natalie Grace in „Lee Cronin's The Mummy“ (© Warner Bros.)
Laia Costa und Natalie Grace in „Lee Cronin's The Mummy“ (© Warner Bros.)

Schwache Figuren, starke Bilder: Wenn Inszenierung die Lücken kaschiert

Auch auf Figurenebene bleibt vieles unbefriedigend. Trotz der tragischen Ausgangslage gelingt es dem Werk kaum, emotionale Bindung aufzubauen. Die Elternfiguren wirken überraschend blass, während Nebenfiguren – allen voran Ermittlerin Dalia Zaki – deutlich mehr Profil entwickeln. Gleichzeitig leidet die Glaubwürdigkeit darunter, dass Entscheidungen häufig konstruiert erscheinen und weniger aus der Situation heraus entstehen. Das untergräbt die Spannung und sorgt dafür, dass selbst drastische Horror-Momente ihre Wirkung nur bedingt entfalten. Visuell hingegen überzeugt der Film durchaus: Die Körperlichkeit des Grauens, das Spiel mit Verfall und Transformation sowie die beklemmende Enge des Settings erzeugen eine unangenehme Intensität.

Nicht zuletzt erweist sich aber die überlange Laufzeit als Belastung. Anstatt die zusätzliche Zeit für eine tiefere Figurenzeichnung oder thematische Verdichtung zu nutzen, verliert sich der Film in Wiederholungen und erzählerischen Umwegen. So entsteht der Eindruck eines aufgeblähten Konstrukts, das seine eigene Prämisse unnötig streckt und dabei an Wirkung einbüßt.

Fazit: „Lee Cronin’s The Mummy“ ist ein visuell ambitionierter, thematisch durchaus interessanter Horrorfilm, der jedoch an seiner unausgewogenen Erzählweise und schwachen Figurenzeichnung letztlich scheitert. Zwischen gelungenen Momenten des Body-Horrors und langatmigen Passagen bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück. Ein Werk mit guten Ansätzen, das sein Potenzial jedoch nur selten ausschöpft – und am Ende trotz FSK-18-Härte eher ermüdet als verstört.

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