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23.05.2024
Steven Spielbergs „Krieg der Welten“ verbindet Alien-Invasion, Familiendrama und Katastrophenfilm zu einem beklemmenden Sci-Fi-Blockbuster.
Die Welt wartet gespannt auf den im Sommer anlaufenden neuen Steven-Spielberg-Film „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“, in dem sich einer der erfolgreichsten Blockbuster-Regisseure aller Zeiten seinem Lieblingsgenre zuwendet: Science-Fiction. In den meisten Spielberg-Sci-Fis sind außerirdische liebenswürdige („E.T. – Der Außerirdische“) oder mysteriöse Wesen („Unheimliche Begegnung der dritten Art“). 2005 nahm sich Spielberg allerdings einer modernen Adaption von H.G. Wells‘ „Krieg der Welten“ an und ließ einige der mörderischsten Aliens überhaupt auf die Menschheit los.
Ray Ferrier (Tom Cruise) ist ein einfacher Hafenarbeiter, der keinerlei Ambitionen mehr in seinem Leben hat. Seine Ehe wurde geschieden, jedes zweite Wochenende darf er seine beiden Kinder Robbie (Justin Chatwin) und Rachel (Dakota Fanning) sehen, für die die Zeit mit dem eigenen Vater eher einer Bestrafung gleichkommt. Insbesondere der Teenager Robbie geht auf einen harten Konfrontationskurs mit dem eigenen Vater. Während eines solchen Wochenendes werden Ray und Rachel Zeuge eines seltsamen Sturms. Blitze schlagen dutzendfach in den Boden ein und kurz darauf erheben sich gewaltige dreibeinige Maschinen in den Himmel und beginnen mit der sofortigen Jagd auf alles Leben. Der in jeder Hinsicht total überforderte Ray schnappt sich seine Kinder und versucht, sich zu seiner Frau nach Boston durchzuschlagen.

Die späten 90er und frühen 2000er Jahre waren eine Hochzeit des Katastrophenfilms, die Weltuntergangsszenarios bedienten, um mit der neuen CGI-Technik spektakuläre Bilder der Zerstörung, sei es durch Flutwellen, Vulkane oder Asteroiden, zu liefern. Letztere boten die Möglichkeit, Katastrophen- und Sci-Fi-Film miteinander zu kombinieren. Bereits 1996 wurde die Erde in „Independence Day“ einer Alien-Invasion ausgesetzt. Schon dieser Film von Roland Emmerich nahm Bezug auf H.G. Wells‘ Roman „Krieg der Welten“, nur wurde aus den Viren und Bakterien, die am Ende das Schicksal der Invasoren besiegeln, ein Computervirus.
2005 drehte dann Steven Spielberg („The Fabelmanns“) eine eigene Adaption des Romans, welche die Handlung aus dem viktorianischen England in die USA der Gegenwart verlegt. Schaut man sich den heute bereits mehr als 20 Jahre alten Film an, so erstaunt vor allem, wie fern uns diese Gegenwart ist. So fragt Robbie seinen Vater nach den ersten Angriffen, ob Terroristen dafür verantwortlich wären. Der 11. September lag damals noch nicht allzu weit zurück.
Der in relativ kurzer Zeit gedrehte 132 Millionen Dollar teure Film brennt eine wahre Zerstörungsorgie ab, die auch heute, nach etlichen Filmen dieser Art, zu überzeugen weiß. Das liegt vor allem daran, weil Spielberg sich nicht auf Effekthascherei beschränkt, sondern geschickt innere und äußere Konflikte auf verschiedenen Erzählebenen miteinander verbindet. Zunächst einmal werden die drei Hauptfiguren Ray, Rachel und Robbie sorgfältig eingeführt.

Der von Tom Cruise („Mission: Impossible – The Final Reckoning“) gespielte Ray war seinerzeit so etwas wie der nüchterne Schlussstrich unter dem amerikanischen Traum. Ein einfacher Arbeiter, ohne Ambitionen, geschieden, ohne echte Bindung zu seinen Kindern, der in einem kleinen Haus unter einer Hochstraße lebt. Vieles an seiner Figur ist heute ein Standard in ähnlichen Filmen, doch der oft unterschätzte Cruise liefert eine überragende schauspielerische Leistung ab, der seinen Ray noch heute beeindruckend aus der Klischeekiste heraushebt.
Aus dem zunächst lässig wirkenden Hafenarbeiter – dem typischen frühen Cruise-Charakter – wird schnell ein Mann, der irgendwie einen Draht zu seinen Kindern herzustellen versucht und darin vollkommen scheitert, bevor er plötzlich vor eine Ausnahmesituation gestellt wird, in welcher er über sich hinauswachsen muss. Ray ist kein Held, der die Situation beherrscht, sondern ein Vater, der alles versucht, seine eigene Ratlosigkeit und Angst gegenüber den Kindern zu vermeiden und plötzlich mit einem weiteren Problem konfrontiert wird, als Robbie sich der Nationalgarde anschließen will, um gegen die Aliens zu kämpfen.
Das emotionale Beziehungsgeflecht rund um das Protagonistentrio wird eingebettet in eine Szenerie der äußeren Bedrohung durch die Aliens und einer inneren, die durch den Überlebenskampf der Menschheit ausgelöst wird. Diesen präsentiert Spielberg als eine einzige Massenpanik, in welcher er mit sicherem Gespür menschliches Verhalten in absoluten Notsituationen auslotet. In seiner Welt rücken die Menschen, anders, als in vielen Katastrophenfilmen dieser Art, nicht enger zusammen, sondern beginnen in dem Wunsch, das eigene Überleben sicherzustellen, aufeinander loszugehen.

Im Film manifestiert sich das vor allem in der Szene, in der die Familie mit dem Auto am Hudson ankommt und von einer wildgewordenen Menschenmenge attackiert wird, die sich fast schon wie in einem Zombiefilm auf das Fahrzeug werfen, die Scheiben mit ihren Händen zertrümmern und ihre ganze Panik in Hass für die vermeintlich besser gestellten Flüchtlinge umwandeln. Kaum hat Ray seine panische Tochter aus dem Wagen gerettet und in Sicherheit gebracht, wird der neue Besitzer erschossen.
Und dann sind da immer noch die Aliens, die nach dem ersten Angriff zunächst als dunkle Bedrohung in den Hintergrund treten, ehe sie in der spektakulären Hudson-Szene wieder visuelle Präsenz zeigen. Die Ausrottung der Menschheit durch die Außerirdischen wird durch Spielberg immer wieder als moderne Version des Holocaust inszeniert, was sich insbesondere in der Szene zeigt, als einer der Tripoden die Kleidung getöteter Menschen über einen Wald abregnen lässt. Dieses ständig latent vorhandene Gewalteskalationspotenzial, sei es durch andere Menschen oder die Aliens trägt maßgeblich zu der beklemmenden Stimmung des Films bei.
Somit hält Spielberg den Fuß beständig auf dem Gaspedal, schafft immer wieder kleinere und größere Spannungshöhepunkte, bei denen nie klar ist, in welche Richtung sie eskalieren oder nicht, schafft es, große Szenen des actionlastigen Katastrophenfilms, mit Momenten intimer, zwischenmenschlicher Spannung zu kombinieren, etwa, wenn Ray und Rachel im Keller des seltsamen Harlan Ogilvy (Tim Robbins) Unterschlupf finden, der sich bald vom Retter zur Bedrohung entwickelt, der Ray zum äußersten zwingt. Kaum ein Katastrophenfilm schafft es so überzeugend und intensiv, die psychische Belastung seiner Hauptfigur so überzeugend zu transportieren, wie „Krieg der Welten“.
Das alles präsentieren Spielberg und Kameramann Janusz Kaminski in spektakulären Bildern, wobei die Tagszenen oftmals in grellen, leicht überbelichtet wirkenden Farben präsentiert werden, wie sie zu Beginn der 2000er durchaus populär waren. Mit weltweiten Einnahmen von 604 Millionen Dollar war „Krieg der Welten“ ein beachtlicher Erfolg.
Fazit: Unter der Masse der Sci-Fi- und Katastrophenblockbuster hebt sich Steven Spielbergs „Krieg der Welten“ absolut positiv heraus. Der Film ist sehr geschickt erzählt, weist ein an Höhepunkten reiches Erzähltempo auf, schafft eine beklemmende Atmosphäre und hat mit Tom Cruise einen Hauptdarsteller im Cast, der hier eine seiner besten Karriereleistungen abliefert.