Jackass: Einer geht noch – Kritik

Filmkritik

3/5

Filmkritik „Jackass: Einer geht noch“: Der letzte Schmerz der alten Chaoten

Die „Jackass“-Legenden kehren mit „Jackass: Einer geht noch“ ein letztes Mal zurück. Zwischen unveröffentlichtem Archivmaterial, alten Weggefährten und neuen Stunts entsteht ein Abschiedsfilm, der vor allem vom Blick in die Vergangenheit lebt.

Seit mehr als 25 Jahren steht „Jackass“ für kontrollierte Selbstzerstörung, grenzwertige Mutproben und eine Form des Humors, die Schmerzen zur Unterhaltung erhebt. Johnny Knoxville, Steve-O, Chris Pontius und ihre Mitstreiter machten sich dabei immer wieder zu Opfern ihrer eigenen Ideen und schufen ein Popkulturphänomen, das weit über die MTV-Ursprünge hinausreichte. Mit „Jackass: Einer geht noch“, dem sechsten Kinofilm der Reihe, wenn man das Spin-off „Jackass: Bad Grandpa“ mitzählt, verabschiedet sich die Gruppe nun offenbar endgültig von der großen Leinwand. Regisseur Jeff Tremaine verbindet Stunt-Komödie, Dokumentation und nostalgische Rückschau zu einem Abschiedsfilm, der weniger von neuen Ideen als von den Erinnerungen an frühere Eskalationen lebt. Die größten Momente stammen aus der Vergangenheit, während die Gegenwart der einstigen Anarchen überraschend zahm ausfällt.

Handlung von „Jackass: Einer geht noch“

Für ihren vermeintlich letzten Auftritt versammeln sich Johnny Knoxville, Steve-O, Chris Pontius, Preston Lacy, Dave England, Wee Man, Danger Ehren und weitere Mitglieder der Truppe noch einmal vor der Kamera. Neue Stunts wechseln sich mit bislang unveröffentlichtem Material, Archivaufnahmen und Rückblicken auf die Geschichte der Reihe ab. Neben den Veteranen erhalten auch jüngere Mitglieder wie Poopies oder Zach Holmes ihren Platz.

Gleichzeitig kehren durch alte Aufnahmen Ryan Dunn und Bam Margera zurück und machen aus „Jackass: Einer geht noch“ nicht nur eine neue Sammlung von Stunts, sondern auch eine Reise durch die vergangenen 25 Jahre der Reihe.

„Jackass: Einer geht noch“ (© Sony/Paramount)
„Jackass: Einer geht noch“ (© Sony/Paramount)

Die Vergangenheit liefert die größten Lacher

Die stärksten Szenen des Films stammen ausgerechnet nicht aus den neuen Dreharbeiten, sondern aus dem Archiv. Besonders die bislang unveröffentlichten Aufnahmen besitzen genau jene anarchische Energie, die „Jackass“ einst so einzigartig machte. Die legendäre Aktion, bei der Johnny Knoxville als angeblich entflohener Sträfling in Los Angeles eine Armada von Polizeiwagen auf den Plan ruft und einen ganzen Straßenblock ins Chaos stürzt, gehört zu den Höhepunkten des Films. Ebenso spektakulär ist die fingierte Entführung von Brad Pitt („F1“) aus dem Jahr 2001, bei der der Hollywood-Star mitten auf offener Straße in einen Lieferwagen gezerrt wird und entsetzte Passanten fassungslos zurückbleiben.

Beide Szenen vermitteln noch einmal jene Unberechenbarkeit und den Größenwahn, die die frühen Jahre von „Jackass“ prägten. Umso deutlicher wird allerdings auch, wie sehr der Film von seiner eigenen Vergangenheit lebt – denn die besten und wildesten Momente liegen inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte zurück.

„Jackass: Einer geht noch“ (© Sony/Paramount)
„Jackass: Einer geht noch“ (© Sony/Paramount)

Die Rückblicke auf Ryan Dunn, der 2011 bei einem Autounfall ums Leben kam, sowie die erneute Präsenz von Bam Margera verleihen dem Film eine unerwartete Melancholie. Margera, der aufgrund persönlicher Probleme und Konflikte mit der Produktion zuletzt kaum noch Teil der Reihe war, bleibt in den Archivaufnahmen dennoch präsent. Gerade diese Momente machen deutlich, dass „Jackass: Einer geht noch“ weniger ein neuer Film als vielmehr ein Nachruf auf eine Gruppe ist, die es längst nicht mehr gibt.

Die neuen Nummern wirken erschreckend kraftlos

Genau hier liegt allerdings das größte Problem des Films. Die aktuellen Stunts wirken häufig wie ein müder Aufguss früherer Eskalationen. Prostatauntersuchungen durch einen Roboterarm, präpubertäre Abführmittel-Spiele oder kleinere Schmerzaktionen wie eine grotesk aufgespritzte Botox-Lippe setzen vor allem auf maximalen Ekel, erreichen aber kaum noch jene anarchische Wucht, die die Reihe einst ausgezeichnet hat.

Vieles wirkt erstaunlich routiniert. Die Pointen sind vorhersehbar, die Eskalationen bleiben überschaubar und manche Nummern wirken eher wie Material für eine Bonus-DVD als für einen Kinofilm. Selbst die jüngeren Mitglieder bleiben weitgehend blass und erhalten kaum Gelegenheit, ein eigenes Profil zu entwickeln.

Die alten Helden werden zu Moderatoren ihrer eigenen Legende Noch problematischer ist, dass selbst die Veteranen häufig nur noch Zuschauer ihrer eigenen Legende sind. Knoxville, Steve-O und Pontius agieren oft eher als Kommentatoren denn als treibende Kräfte des Chaos. Die einstige Lust an der Grenzüberschreitung ist einer spürbaren Vorsicht gewichen. Das ist angesichts des Alters und der Verletzungshistorie der Beteiligten vollkommen nachvollziehbar, beraubt „Jackass“ aber eines wesentlichen Bestandteils seiner Identität. Die Reihe lebte immer davon, dass niemand wusste, ob der nächste Stunt grandios oder katastrophal enden würde. Diese Unberechenbarkeit ist nahezu vollständig verschwunden.

„Jackass: Einer geht noch“ (© Sony/Paramount)
„Jackass: Einer geht noch“ (© Sony/Paramount)

Johnny Knoxville steigt ein letztes Mal in die Arena

Natürlich gibt es noch einzelne Momente, die an frühere Zeiten erinnern. Besonders Zeremonienmeister Knoxville beweist noch einmal seinen Einsatzwillen und stellt sich erneut einem Bullen entgegen. Dass er die Arena anschließend verletzt im Krankenwagen verlässt, wirkt dabei wie das perfekte Bild für den gesamten Film: Die alten Helden steigen noch einmal in den Ring, wissen aber längst, dass ihr Körper nicht mehr mitspielt. Die physischen Grenzen der Beteiligten sind unübersehbar geworden. Graue Haare, alte Verletzungen und die sichtbaren Folgen jahrzehntelanger Selbstzerstörung prägen viele Szenen stärker als die eigentlichen Stunts. Jeff Tremaine macht daraus beinahe unbeabsichtigt einen Film über das Älterwerden.

Ein Abgesang auf die Anarchie

Gerade deshalb besitzt „Jackass: Einer geht noch“ durchaus eine emotionale Wirkung. Die Kamera beobachtet Männer, die erkennen müssen, dass ihre Körper nicht mehr leisten können, was einst selbstverständlich war. Die schwere Bullenverletzung, die Knoxville bereits bei „Jackass Forever“ erlitt, hängt wie ein Schatten über dem gesamten Film. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wie sehr die Reihe von ihrer Bereitschaft lebte, immer noch einen Schritt weiterzugehen. Diese Kühnheit ist verschwunden. Übrig bleibt eine Gruppe alter Freunde, die sich noch einmal gemeinsam ihre größten Erfolge ansieht.

Fazit: Die Stunt-Doku-Komödie „Jackass: Einer geht noch“ funktioniert deutlich besser als nostalgische Rückschau denn als neuer Teil der Reihe. Während die unveröffentlichten Archivaufnahmen und die Erinnerungen an Ryan Dunn oder Bam Margera zu den Höhepunkten gehören, bleiben die neuen Stunts meist ideenlos und erstaunlich zahm. Selbst Johnny Knoxvilles letzter Kampf gegen den Bullen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die anarchische Energie von „Jackass“ längst verschwunden ist. Dieser Aufguss gerät zum melancholischen Abgesang auf eine Generation von Chaoten.

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