
Volker Schlöndorff drehte in Albert Einsteins Ferienhaus: „Heimsuchung“ mit Lars Eidinger und Martina Gedeck kommt am 15. Oktober ins Kino
15.09.2026
Ein Grundstück an einem See nahe Berlin wird über fast ein Jahrhundert zum Schauplatz wechselnder Lebensgeschichten. In den 1930er Jahren erwirbt der jüdische Tuchfabrikant Arthur Engel (Ulrich Matthes) einen Teil des Grundstücks für seine Familie. Unter dem Druck der politischen Verhältnisse muss er den Besitz jedoch wieder aufgeben. Auf dem benachbarten Grundstück errichten ein Architekt (Lars Eidinger) und seine Frau (Susanne Wolff) ein Haus im Stil der Moderne. Nach dem Zweiten Weltkrieg versucht der Architekt, in Ostberlin beruflich neu Fuß zu fassen, scheitert jedoch an den politischen Verhältnissen der DDR und flieht mit seiner Frau in den Westen.
Das Haus geht später an eine Schriftstellerin (Martina Gedeck) und ihren Mann (Michael Maertens), die während der NS-Zeit im sowjetischen Exil überlebt haben. Über die Jahrzehnte bleibt das Grundstück mit den politischen Umbrüchen des Landes verbunden. Die Enkelin der Schriftstellerin, Marija (Maria Matschke Engel), verbringt dort ihre Sommer und erlebt die Jahre bis zum Fall der Berliner Mauer. Die Geschichte des Hauses wird damit zugleich zu einer Chronik von Vertreibung, Verlust, Neuanfang und der Frage, wem ein Ort eigentlich gehört.
„Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jenny Erpenbeck aus dem Jahr 2008. Für Volker Schlöndorff ist es die erste Verfilmung eines literarischen Werks Erpenbecks. Das Drehbuch schrieb der Regisseur selbst. Der Roman verbindet mehrere, teils nur lose miteinander verknüpfte Lebensgeschichten mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts; Schlöndorff konzentriert die filmische Adaption auf das Haus und seine Bewohner.

Gedreht wurde vom 18. August bis zum 10. Oktober 2025 in Brandenburg und Thüringen. Zu den Schauplätzen gehörten der Scharmützelsee bei Bad Saarow, der Templiner See und das Studio Babelsberg. Der Scharmützelsee ist dabei nicht nur Kulisse: Das Haus, das Erpenbeck zu ihrem Roman inspirierte, befindet sich in unmittelbarer Nähe des Drehortes. Ein weiterer kurzer Drehblock fand im Januar 2026 in Thüringen statt.
Hinter der Produktion stehen Regina Ziegler und Volker Schlöndorff. Produziert wurde der Film von Ziegler Film und Volksfilm in Koproduktion mit StudioCanal, Studio Babelsberg und Mideu Films, beteiligt sind ZDF und arte. Die Kamera führte Axel Schneppat, die Musik stammt von Annette Focks. In den Hauptrollen sind neben Lars Eidinger, Martina Gedeck, Susanne Wolff und Michael Maertens unter anderem Ulrich Matthes, Detlev Buck, Angela Winkler, Ludwig Trepte und David Bennent zu sehen.
Schlöndorff kehrt mit dem Film zu einem Stoff zurück, bei dem sich persönliche Schicksale und deutsche Geschichte über mehrere Generationen hinweg verbinden. Seine „Blechtrommel“-Verfilmung brachte ihm 1979 gemeinsam mit Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ die Goldene Palme in Cannes ein. „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ wurde 2026 in der Sektion Cannes Première uraufgeführt.
Jenny Erpenbecks Roman „Heimsuchung“ erzählt die Geschichte eines Grundstücks und seiner Bewohner nicht chronologisch als klassische Familiengeschichte. Der Ort selbst bildet die Konstante, während sich die politischen Systeme und die Menschen verändern. Erpenbeck wurde 2024 für ihren Roman „Kairos“ mit dem International Booker Prize ausgezeichnet.
Der deutsche Kinostart von „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ ist für den 15. Oktober 2026 angesetzt.