
Die 10 besten Filme des Jahres 2026 – von Kino-Total.net
24.03.2026
Sci-Fi-Action über Zeitloops und KI-Apokalypse: Gore Verbinskis Comeback ist visuell einfallsreich, erzählerisch überladen und getragen von Sam Rockwell.
Nach Jahren der Kinopause meldet sich Gore Verbinski mit einem Film zurück, der kaum weniger exzentrisch ist als seine Karriere selbst. Der Regisseur, der einst mit „Fluch der Karibik“ Massenerfolge feierte und später mit riskanteren Projekten wie „Lone Ranger“ (2013) und „A Cure For Wellness“ (2016) Schiffbruch erlitt, kehrt nun mit einer wilden Science-Fiction-Action-Komödie zurück, die sich mutig zwischen Parodie, Zeitreise-Thriller und KI-Dystopie bewegt. „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ist ein überladener, manchmal ungestümer Film, dessen kreative Energie gleichermaßen fasziniert wie ermüdet.
Im Zentrum steht ein mysteriöser Fremder (Sam Rockwell), der in einem Diner in Los Angeles auftaucht und behauptet, aus der Zukunft zu stammen. Dort sucht er Verbündete, um eine Katastrophe zu verhindern, in der künstliche Intelligenz die Menschheit verdrängt. Da seine Mission nach jedem Scheitern neu beginnt, verfügt er über Wissen aus sehr vielen früheren Einsätzen und versucht nun, die richtige Gruppe zusammenzustellen. Unter den Rekrutierten finden sich ein kriselndes Lehrer-Ehepaar, Mark (Michael Peña) und Janet (Zazie Beetz), die eigenwillige Ingrid (Haley Lu Richardson) mit ihrer Cyber-Punk-Prinzessinnen-Attitüde sowie die alleinerziehende Susan (Juno Temple), die mit einem tragischen Verlust ringt – ein Ensemble, das die Rettung der Welt ebenso unwahrscheinlich wie notwendig erscheinen lässt.

Gore Verbinski inszeniert diese Prämisse als Mischung aus Zeitloop-Abenteuer, Ensemblekomödie und Endzeitparabel. Der Ton schwankt bewusst zwischen ironischer Überzeichnung und echter Melancholie. Gerade die Verbindung aus globaler Bedrohung und persönlichen Krisen gibt der Geschichte emotionale Substanz. Gleichzeitig überdeckt die Lust am Absurden diese Ernsthaftigkeit immer wieder, wodurch der Film zugleich reizvoll und erzählerisch sprunghaft wirkt.
Schon die Eröffnung macht exemplarisch deutlich, wie viel Potenzial und Liebe zum Detail in diesem Film steckt. Im Diner hält der Zeitreisende seine mittlerweile routiniert wirkende Rekrutierungsrede – eine Ansprache, die er nach eigener Aussage bereits 117-mal gehalten hat. Um seine Geschichte zu untermauern, konfrontiert er einzelne Gäste mit verblüffend präzisen Details aus deren Leben, etwa der Vorliebe eines Mannes für „Und täglich grüßt das Murmeltier“, die eine ironische Spiegelung seiner eigenen Situation ist. Doch je länger er spricht, desto stärker bröckelt die Fassade des selbstsicheren Retters. Der anfängliche Showman weicht einem sichtbar erschöpften Mann, der aus früheren Fehlversuchen gelernt hat, wem er vertrauen kann – und wem nicht.

Mit trockenem Humor sortiert er potenzielle Kandidaten aus, die sich in früheren Zeitlinien als unbrauchbar erwiesen haben, und entscheidet sich diesmal bewusst für riskantere Optionen – und lässt sich schließlich sogar auf Ingrid ein, die im Prinzessinnenkostüm zunächst wie eine Fehlbesetzung wirkt, bis eine unerklärliche Eingebung ihn umstimmt. Ob diese chaotische Gruppe tatsächlich die Welt retten kann, bleibt offen – sicher ist nur, dass andernfalls der nächste Versuch bereits wartet.
Visuell bleibt Verbinski seinem Hang zum großen Bild treu – bemerkenswert genug angesichts eines vergleichsweise moderaten Budgets von 20 Millionen Dollar. Aufwendige Setpieces, groteske Kreaturen und bewusst überzeichnete Actionmomente liefern Schauwerte, die den Film immer wieder vor der reinen Konzeptübung bewahren. Gleichzeitig wird die erzählerische Fülle zum Problem: Nebenstränge verlieren sich, Figuren bleiben Skizzen, und manche Szenen wirken mehr wie lose Einfälle als zwingende dramaturgische Schritte. So entsteht weniger ein geschlossenes Werk als ein kreatives Sammelsurium, das den Film eher zum potenziellen Kulttitel als zum breiten Publikumserfolg macht.

Sam Rockwell („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“) trägt den Film mit einer exzentrischen, hochenergetischen Darstellung, die zugleich komisch und tragisch wirkt. Seine Figur, die äußerlich eher an einen verwahrlosten Sonderling als an einen Weltenretter erinnert, gewinnt durch Rockwells Spiel eine Mischung aus Rastlosigkeit, Verzweiflung und anarchischem Charme. Haley Lu Richardson („The White Lotus“) und Juno Temple („The Offer“) bringen zusätzlich emotionale Erdung in das Geschehen und sorgen dafür, dass hinter all dem Wahnsinn noch menschliche Fallhöhen spürbar bleiben.
Fazit: Perfekt ist dieses Comeback nicht, doch Gore Verbinskis Lust am Risiko, seine visuellen Einfälle und das Tempo des Films machen „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ zu einer sehenswerten Sci-Fi-Zeitreise, die mehr gewinnt als verliert – irgendwo zwischen Genrekino und Größenwahn. Wer sich auf diese eigenwillige Mischung einlässt, bekommt einen Film, der zumindest versucht, unverwechselbar zu sein.
Wir haben „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ auf der Berlinale 2026 gesehen, wo der Film in der Reihe „Berlinale Special Gala“ lief und seine Weltpremiere feierte.