Der Wunderweltenbaum – Kritik

Filmkritik

3.5/5

Filmkritik „Der Wunderweltenbaum“: Smarthome-Frust trifft auf surrealen Abenteuerspaß

„Der Wunderweltenbaum“ modernisiert Enid Blytons Klassiker überraschend charmant und verbindet Fantasie mit aktuellen Themen. Eine kunterbunte Ode an die Fantasie.

Es ist ein gewagtes Unterfangen, ein britisches Literaturdenkmal wie Enid Blytons „The Faraway Tree“-Saga aus dem Jahr 1939 in die Gegenwart zu hieven. Zu groß ist die Gefahr, entweder im staubigen Nostalgie-Kitsch zu versinken oder den Kern der Vorlage durch zwanghafte Modernisierung zu verraten. Doch Regisseur Ben Gregor und Drehbuchautor Simon Farnaby (bekannt für sein goldenes Händchen bei „Paddington 2“) ist mit dem Fantasy-Abenteuer „Der Wunderweltenbaum“ das Kunststück gelungen: Eine Adaption, die so frisch, witzig und relevant wirkt, als wären die magischen Länder im Wipfel des Baumes gerade erst entdeckt worden.

Die Handlung von „Der Wunderweltenbaum“

Die Geschichte beginnt überraschend geerdet: Polly Thompson (Claire Foy), eine brillante Ingenieurin, verliert ihren Job, weil sie ethische Prinzipien über den Profit stellt – sie weigert sich, smarte Kühlschränke zu bauen, die ihre Besitzer ausspionieren. Während Vater Tim (Andrew Garfield) sich in einer baufälligen Scheune am Tomatenanbau für seine Pastasauce versucht, entdecken die Kinder Beth (Delilah Bennett-Cardy), Fran (Billie Gadsdon) und Joe (Phoenix Laroche) den verzauberten Wald. Eine ihrer Reisen führt sie schließlich in eine bedrohliche Fantasiewelt, die von der strengen Schuldirektorin Madame Klaps (Rebecca Ferguson) beherrscht wird. Dort müssen die Geschwister nicht nur einen Weg zurück nach Hause finden, sondern auch erkennen, wie sie ihrer Familie in der schwierigen Lebenssituation helfen können.

Andrew Garfield und Claire Foy in „Der Wunderweltenbaum“ (© Leonine Studios)
Andrew Garfield und Claire Foy in „Der Wunderweltenbaum“ (© Leonine Studios)

Ein Ensemble in Spiellaune

Das Besondere an Ben Gregors Inszenierung ist das Parallellaufen der Welten. Die magischen Länder, die durch den Baum erreichbar sind (Orte voller Süßigkeiten und surrealer Wunder), fühlen sich genauso real an wie die handfesten Geldsorgen der Eltern. Realität und Fantasiewelt beeinflussen sich gegenseitig, was dem Film eine emotionale Tiefe verleiht, die weit über reinen Eskapismus hinausgeht.

Das Herzstück des Films ist zweifellos die warmherzige Familiendynamik. Die Jungdarsteller – allen voran Delilah Bennett-Cardy als Beth – agieren mit einer Natürlichkeit, die man in diesem Genre selten findet. Besonders hervorzuheben ist die Interaktion zwischen der Teenagerin und der Fee Seidenhaar (Nicola Coughlan). Hier setzt der Film geschickt feministische Akzente, ohne belehrend zu wirken; es ist eine wunderbare Ode an weibliche Selbstbestimmung und Freundschaft.

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Billie Gadsdon, Nicola Coughlan und Nonso Anozie in „Der Wunderweltenbaum“ (© Leonine Studios)
Billie Gadsdon, Nicola Coughlan und Nonso Anozie in „Der Wunderweltenbaum“ (© Leonine Studios)

Unter den Erwachsenen stiehlt Nicola Coughlan (bekannt aus dem Netflix-Hit „Bridgerton“) mit ihrer exzentrischen Energie fast jede Szene, in der sie vorkommt. Dicht gefolgt von einem herrlich bemühten Andrew Garfield („After The Hunt“), dessen Charakter nie vergessen hat, ein Kind im Herzen zu bleiben. Die Kostüme und das Set-Design unterstützen diesen unbeschwerten Surrealismus: Der Pfannenmann (Dustin Demri-Burns) und Mondgesicht (Nonso Anozie) wirken, als wären sie direkt einem bunten Traum entsprungen, ohne dabei lächerlich zu wirken.

Fazit: „Der Wunderweltenbaum“ ist eine fantasievolle und moderne Adaption, die durch gelungene Wortwitze besticht. Einziges Manko: Wenn man erst einmal in diese visuell berauschenden Welten eingetaucht ist, möchte man eigentlich gar nicht mehr weg. Man ertappt sich bei dem Wunsch, der Film hätte noch mehr Zeit in den Wipfeln des Baumes verbracht, um die dortige Mythologie noch tiefer zu erkunden. Dennoch bleibt ein kurzweiliges, kluges Kinovergnügen für die ganze Familie zurück. Ein Film, der uns daran erinnert, dass Fantasie keine Flucht vor der Realität ist, sondern das Werkzeug, um sie zu bestehen.

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