
Deutsche Kinocharts: „Der Teufel trägt Prada 2“ bleibt vorn, Billie-Eilish-Film überrascht
11.05.2026
„Der Teufel trägt Prada 2“: Nostalgische Fortsetzung mit Meryl Streep – charmant, stilvoll und überraschend aktuell im digitalen Zeitalter.
„That’s all“? Von wegen! Fast 20 Jahre nach dem Kultfilm kehrt Miranda Priestly (Meryl Streep) auf die Kinoleinwand zurück – und muss feststellen, dass das digitale Zeitalter noch gnadenloser ist als jede Pariser Fashion Week. „Der Teufel trägt Prada 2“ versteht sich dabei nicht nur als nostalgischer Rückblick, sondern als selbstbewusste Rückkehr in die Ästhetik und das Lebensgefühl des Wohlfühlkinos der 2000er Jahre. Es gibt diese seltenen Kinomomente, die sich anfühlen wie das Hineinschlüpfen in ein perfekt geschnittenes Paar Chanel-Boots: vertraut, luxuriös und mit einem Hauch von Arroganz. Genau dieses Gefühl beschwört die Fortsetzung herauf. Fast zwei Jahrzehnte nachdem Andrea „Andy“ Sachs einst verzweifelt nach einem unveröffentlichten „Harry Potter“-Manuskript suchte, versammelt sich das ikonische Mode-Ensemble erneut. Der Teufel trägt noch immer Prada – nur dass die Hölle inzwischen digitalisiert wurde.
Wir schreiben das Jahr 2026. Miranda Priestly (Meryl Streep) kämpft an der Spitze von „Runway“ gegen ein Monster, das mächtiger ist als jede Fehlbesetzung in der Herbstkollektion: die Relevanzkrise des Printjournalismus. Während das Budget schrumpft, haben sich ihre einstigen Schützlinge emanzipiert. Emily Charlton (Emily Blunt) ist mittlerweile die knallharte Managerin einer Luxusmarke, die mit Millionenetats jongliert, während Andy Sachs (Anne Hathaway) ihren ganz eigenen Weg in der Medienwelt gefunden hat. Natürlich kreuzen sich die Wege in Manhattan erneut.

Für Fans des Originals ist „Der Teufel trägt Prada 2“ ein Fest der Easter Eggs. Die Eröffnungsszene spiegelt den ersten Teil perfekt: Andy beim Zähneputzen, der Wisch über den beschlagenen Spiegel – nur dass die Zahnbürste jetzt elektrisch ist. Ob subtile Anspielungen auf den legendären „Cerulean blue“-Gürtel oder rührende Momente zwischen Art Director Nigel (Stanley Tucci) und Andy im Ankleidezimmer: Die Referenzen wirken nie wie billiger Fanservice, sondern sind harmonisch in die Handlung eingewoben. Regisseur David Frankel wiederholt nicht einfach die alte Leier, sondern erzählt die Entwicklung der Figuren organisch weiter. Es ist eine gelungene Modernisierung, die den harten Kern der Medienlandschaft von heute präzise trifft.
Man merkt der Komödie in jeder Sekunde an, dass sie aus Liebe zum Original und nicht nur aus reinem Kommerzstreben entstanden ist. Meryl Streep braucht kaum Text. Ein leichtes Heben der Augenbraue, ein fast unmerkliches Kräuseln der Lippen – Streep erinnert uns daran, warum sie die unangefochtene Königin dieses Franchise ist. Stanley Tucci ist im Zusammenspiel mit Streep schlichtweg iconic. Besonders Nigel bekommt in diesem Teil eine erzählerische Wendung, mit der wohl niemand gerechnet hat – ein echter Aha-Effekt. Auch Anne Hathaway und Emily Blunt gehören weiterhin zur Seele von „Der Teufel trägt Prada 2“ und tragen den Film von Anfang bis Ende. Alle vier zeigen ihre Freude am Spiel – und wir haben die Freude am Schauen.

Neben dem ikonischen Kern-Quartett gibt es auch Neuzugänge im Cast. Eine von ihnen ist Simone Ashley, die einige wohl aus dem Netflix-Hit „Bridgerton“ kennen dürften. Zwar ist sie als Assistentin von Miranda nur ein Nebencharakter ohne wirkliche Tiefe, aber sie fügt sich wunderbar ein und ist unverzichtbar. Und auch Kenneth Branagh („Mord im Orient Express“) bringt eine angenehme neue Gravitas in die Ensemble-Dynamik.
Fazit: Kritiker könnten monieren, dass die Plotstruktur in weiten Teilen dem Schema des Vorgängers folgt – und Miranda etwas an Biss verloren hat. Ja, das Rad wird hier nicht neu erfunden und die Figuren sind auch älter geworden. Aber in einer Ära von düsteren Blockbustern und komplizierten Franchises ist „Der Teufel trägt Prada 2“ genau das, was wir aktuell im Kino brauchen: eine starke, stilvolle Komödie im Geist der frühen 2000er.
Es ist kein filmisches Meisterwerk für die Ewigkeit, aber ein absolut nostalgischer, unterhaltsamer und schöner Kinoabend. Wer über die eine oder andere erzählerische Parallele zum ersten Teil hinwegsehen kann, wird mit einem warmen Gefühl aus dem Saal gehen. Blauer Gürtel hin oder her – dieser Film ist das Must-have der Saison.