In der eisigen Einöde Minnesotas sucht eine Witwe nach Frieden und findet den puren Überlebenskampf. Brian Kirks „Dead Of Winter“ glänzt durch eine überragende Hauptdarstellerin und packende Bilder, verliert sich aber leider in den Verwehungen eines allzu vorhersehbaren Drehbuchs.
Stellt euch vor, ihr wollt an dem Ort, an dem euer Leben einst seinen romantischen Anfang nahm, Abschied von eurer verstorbenen Liebe nehmen – und landet stattdessen im schlimmsten Albtraum. Das ist die Prämisse von „Dead Of Winter – Eisige Stille“. Regisseur Brian Kirk schickt die Grande Dame des britischen Kinos, Emma Thompson, in die unerbittliche Kälte des amerikanischen Nordens. Das Ergebnis? Ein Hybrid aus Entführungsthriller und psychologischem Survival-Drama.
Handlung von „Dead Of Winter“: Katz-und-Maus-Spiel bei minus 15 Grad
Die Fischerin Barb (Emma Thompson) ist eine Frau der wenigen Worte und der praktischen Taten. Ihr Ziel: Der See in Nord-Minnesota, an dem ihr verstorbener Mann Karl ihr vor Jahrzehnten den Antrag machte. Doch die Natur meint es nicht gut mit ihr: Ein Schneesturm zieht auf, die Orientierung schwindet. Als sie bei einer abgelegenen Hütte Hilfe sucht, trifft sie auf einen wortkargen Holzfäller (Marc Menchaca). Ein kurzer Blick, eine verdächtige Blutspur im Schnee – Barbs Instinkt schlägt Alarm. Und sie behält recht: Im Keller halten der Mann und seine Frau (Judy Greer) die junge Leah (Laurel Marsden) gefangen. Was folgt, ist ein Katz-und-Maus-Spiel bei klirrender Kälte, in dem Barb weit mehr beweisen muss als nur ihr diplomatisches Geschick.
Es ist ein eher ungewohnter Anblick, Emma Thompson in einem physischen Action-Part zu sehen, doch sie meistert ihn mit einer beeindruckenden Souveränität. Dass ihre eigene Tochter, Gaia Wise, die jüngere Version von Barb in Rückblenden spielt, verleiht dem Film eine emotionale Tiefe, die über das Genre-Einerlei hinausgeht. „Dead Of Winter“ ist kein gewöhnlicher Kidnapping-Thriller; es ist eine Charakterstudie über den nackten Wunsch, am Leben zu sein.
Thompson benötigt dabei kaum Dialoge, um Barbs Schmerz, ihre Entschlossenheit und ihren Überlebenswillen greifbar zu machen. Unterstützt wird sie dabei von einem starken Marc Menchaca, der das Unbehagen förmlich ausstrahlt, und einer unterkühlten, zu allem bereiten Judy Greer.
Technisch spielt „Dead Of Winter – Eisige Stille“ in der Oberliga. Die Kamera fängt die unendliche, bedrohliche Weite Minnesotas so intensiv ein, dass man als Zuschauer im Kinosessel fast mitfröstelt. Der Schnitt ist präzise und hält das Tempo zunächst hoch. Doch genau hier liegt die Krux: Wo die Inszenierung glänzt, schwächelt das Skript von Dalton Leeb und Nicholas Jacobson-Larson. Der Film baut zwar einen hervorragenden Spannungsbogen auf, verliert aber im zweiten Akt massiv an Fallhöhe. Der abrupte Wechsel vom Action-Survival hin zum Familiendrama wirkt an vielen Stellen holprig und unentschlossen. Wer zudem mehr als eine Handvoll Thriller in seinem Leben gesehen hat, wird das Ende leider schon meilenweit gegen den Wind riechen.
Fazit: Emma Thompson rettet „Dead Of Winter“ vor dem erzählerischen Erfrierungstod. Letztlich ist der Film ein zweischneidiges Schwert: Brian Kirk liefert einen visuell berauschenden Thriller ab, der von einer entfesselten Thompson getragen wird. Dass der Film trotz der spürbaren Drehbuchschwächen und einer gewissen Vorhersehbarkeit im letzten Drittel funktioniert, ist allein der handwerklichen Präzision und dem nuancierten Spiel des Ensembles zu verdanken. Ein atmosphärischer Survival-Trip für einen Abend auf der Couch, der aber nicht lange nachwirken wird. Nur ein solider Genre-Beitrag.
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