Das letzte Signal – Kritik

Filmkritik

4.5/5

Filmkritik „Das letzte Signal“: John Wayne überzeugt in packendem Survival-Drama

John Wayne kämpft in „Das letzte Signal“ gegen Eis, Kälte und Hoffnungslosigkeit. William Wellmann inszeniert ein zeitloses Survival-Drama.

Nachdem er 1939 mit „Höllenfahrt nach Santa Fé“ seinen Durchbruch als Kinostar feierte, drehte John Wayne wie besessen. Doch erst seine erneute Zusammenarbeit mit John Ford nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs etablierte ihn endgültig als einen der größten Hollywoodstars. In dieser Zeit, bis in die späten Fünfziger, drehte er seine besten Filme. Einer von diesen ist „Das letzte Signal“, inszeniert von William Wellmann, der später etwas in Vergessenheit geriet, weil Wayne selbst die Rechte zurückhielt. Dabei ist es einer der besten Filme von Star und Regisseur.

Handlung von „Das letzte Signal“

John Dooley (John Wayne) ist Pilot einer Aufklärungseinheit, die im Zweiten Weltkrieg Erkundungsflüge im Norden Kanadas durchführt. Bei einer dieser Missionen vereisen die Motoren seiner DC-3 und er muss auf einem gefrorenen See mitten in der Wildnis landen. Zwar kann die Crew bald einen brüchigen Funkkontakt mit ihrem Hauptquartier aufnehmen, hat aber nur eine grobe Vorstellung vom eigenen Standort. Obwohl die Wetterbedingungen weitere Flüge erschweren, starten ihre Kameraden auf eigene Faust, denn ohne große Vorräte oder beheizte Unterkünfte scheinen die Überlebenschancen der Crew gering.

John Wayne in „Das letzte Signal“ (© Warner Bros.)
John Wayne in „Das letzte Signal“ (© Warner Bros.)

William Wellmann inszeniert ein realistisches Survival-Drama

Das Drehbuch für „Das letzte Signal“ wurde von Ernest K. Gann verfasst. Gann war selbst ein erfahrener Pilot, der nach dem Krieg mehrere Bücher über die Fliegerei veröffentlichte. Die Story basiert vermutlich auf seinen eigenen Erfahrungen. Zumindest berichtet er in seinen Memoiren, dass er 1943 als Pilot einer C-47 an einer vergleichbaren Rettungsaktion beteiligt war, worüber er 1944 einen seiner ersten Romane verfasste.

Nachdem die Rechte eine Weile in Hollywood herumgereicht worden waren – unter anderem war das Projekt als Karrieresprungbrett für Richard Widmark vorgesehen –, landete der Stoff bei John Wayne, der gerade seine Zusammenarbeit mit Republic beendet hatte und einen acht Filme umfassenden Kontrakt zwischen seiner eigenen Produktionsfirma und Warner Brothers abgeschlossen hatte. Als Regisseur wurde der erfahrene William Wellmann verpflichtet.

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Die Dreharbeiten am Donner Pass in der kalifornischen Sierra Nevada erwiesen sich als große Herausforderung. Bei Schneehöhen von mehr als drei Metern verbrachte die ganze Crew den Tag stehend am Set und nahm ihre Mahlzeiten in einem kalten Bus ein, der sie vom Hotel heraufbrachte. „Wild Bill“ Wellmann genoss einen wohlverdienten Ruf als Choleriker, unter dem auch diese Crew litt, wenn nicht Wayne mit seiner inzwischen gefestigten Starpersönlichkeit einschritt und die Wogen glättete. Immerhin gelang es dem sorgfältigen Planer Wellmann, die Dreharbeiten im Februar 1953 neun Tage früher fertigzustellen als geplant.

Sein visueller Stil ist von nüchterner Schönheit. Wellmanns Kamera ist nie verspielt, aber stets äußerst effektiv, gerade wenn es darum geht, die lebensbedrohliche Kälte Nordkanadas einzufangen. Im Ersten Weltkrieg war Wellmann selbst Pilot gewesen und wusste wie kaum ein anderer Hollywood-Regisseur dynamische Flugszenen einzufangen, wobei ihm mit William H. Clothier einer der besten und erfahrensten Kameramänner seiner Zeit zur Verfügung stand. Gann stellte sich zudem selbst als Pilot für die Dreharbeiten zur Verfügung.

John Wayne zeigt eine seiner stärksten Leistungen

Natürlich war „Das letzte Signal“ in erster Linie ein John-Wayne-Vehikel und der Hauptdarsteller zeigt hierin seine ganze Klasse. Vielleicht verfügte der Westerndarsteller nicht über die größte mimische Bandbreite, doch mit seiner raumgreifenden Gestik und dem oftmals schwermütigen Blick seiner Augen gelang es ihm in seiner Hochphase, den verschiedenen Figuren, die er darstellte, ganz unterschiedliche Facetten abzugewinnen.

So ist John Dooley nicht der klassische, alles dominierende Held, sondern ein zwangsrekrutierter Pilot, der eher widerwillig in eine Führungsrolle gezwungen wird, mit Zweifeln kämpft und Mühe hat, seine Crew zusammenzuhalten.

Auch die Nebenrollen sind mit talentierten Darstellern besetzt, allen voran James Arness als MacMullen. Besonderes Kritikerlob erhielt seinerzeit zurecht auch Andy Devine. Der korpulente Nebendarsteller, der oftmals einen komödiantischen Sidekick mimte, darf hier als einer der Piloten glänzen, die durch persönlichen Mut die Rettungsmission vorantreiben.

Zwei Erzählstränge treffen aufeinander

Damit kann der Film geschickt zwei unterschiedliche Erzählstränge miteinander verflechten und die Dramatik der eigentlich einfachen Geschichte steigern. Auf der einen Seite geht es um den Überlebenskampf der Crew und die Dynamiken, die eine solche Herausforderung innerhalb einer Gruppe erzeugt.

Ganz ähnliche Konflikte entstehen in der Heimatbasis, wo ihre Kameraden Rettungsmissionen starten wollen, während ihre Vorgesetzten aufgrund der schlechten Wetterlage und des unbekannten Standortes nicht bereit sind, weitere Flugzeuge und ihre Crews aufs Spiel zu setzen. So entsteht ein Wettlauf gegen die Zeit und der Kampf der Überlebenden gegen die Urkräfte der Natur ist so zeitlos, dass man auch heute noch mit dem Film mitfiebern kann.

Erfolg an den Kinokassen blieb hinter den Erwartungen

„Das letzte Signal“ war die erste Produktion von Waynes Warner-Brothers-Deal. Der Film überzeugte Jack Warner so sehr, dass er ihn noch vor dem Start einer großen Werbekampagne in die Kinos bringen wollte. Bei einem Budget von 962.000 Dollar spielte er schließlich weltweit 2,4 Millionen Dollar ein – ein solider Erfolg für seine Zeit, aber nicht der Hit, den sich Wayne erhofft hatte. Wellmann selbst schätzte ihn als eine seiner besten Arbeiten und war von der Thematik so begeistert, dass er in der englischsprachigen Fassung selbst den einleitenden Off-Kommentar einsprach.

Ein Jahr später drehten Wayne und Wellmann das Flugzeugdrama „Es wird immer wieder Tag“, eine frühe Form des Katastrophenfilms, der ebenfalls auf einem Roman Ganns basierte und sich als weltweiter Erfolg erwies.

Fazit: Der Kampf Mensch gegen Natur ist ein zeitloses Thema, das in „Das letzte Signal“ perfekt von William Wellmann in Szene gesetzt wurde. John Wayne befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Schauspielkunst und ist hier bewusst gegen seinen üblichen Typ besetzt.

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