Das gewisse Etwas – Kritik

Filmkritik

3/5

Kritik „Das gewisse Etwas“: Warmherzige Feel-Good-Komödie mit französischem Vorbild

„Das gewisse Etwas“ übernimmt viel vom französischen Kinohit „Was ist schon normal?“. Die Komödie punktet mit Charme und Ensemble, bleibt aber vorhersehbar.

Frankreich hat ein ganz besonderes Verhältnis zum Kino. Filme erreichen dort regelmäßig ein großes Publikum und sind viel stärker im kulturellen Alltag verankert als in vielen anderen europäischen Ländern. Kein Wunder also, dass deutsche Produzenten gern über die Grenze schauen, wenn ein Stoff nach einer Adaption ruft. „Was ist schon normal?“ von Victor-Artus Solaro war 2024 ein solcher Publikumshit: Mehr als zehn Millionen Franzosen sahen die Komödie im Kino, in Deutschland kamen gerade einmal 212.000 Besucher zusammen. So groß können die Unterschiede in der Kultur sein. Marc Rothemund nimmt sich diesen Nachbar-Superhit nun vor, verlegt ihn aber in die bayerischen Alpen und macht daraus „Das gewisse Etwas“. Viel verändert hat er inhaltlich nicht – nur das Setting. Das muss kein Nachteil sein, denn die Geschichte funktioniert auch auf Deutsch – nur anders verpackt. Und Rothemund hat ein Ensemble gefunden, das manche Oberflächlichkeit des Drehbuchs ziemlich mühelos überspielt.

Handlung von „Das gewisse Etwas“

Nach einem erfolgreichen Juwelenraub in München sind Alex (Max von der Groeben) und sein Vater Karlo (Florian Lukas) in größter Hektik auf der Flucht. Ihre Rettung ist ausgerechnet eine Reisegruppe junger Erwachsener mit Behinderungen, die mit ihren Betreuern Polly (Mala Emde), Mona (Jasmin Schwiers) und Marko (Lorenzo Germeno) in ein abgelegenes Ferienhaus in den bayerischen Alpen unterwegs ist. Weil Otto (Paul Kögler), ein Teilnehmer der Gruppe, bei der Abfahrt zu spät kommt, schlüpfen Alex und Karlo kurzerhand in dessen Rolle beziehungsweise die seines Betreuers. Was als improvisiertes Versteckspiel beginnt, wird für die beiden zunehmend kompliziert. Alex kommt Polly näher, während Charlie (Frangiskos Kakoulakis) schon bald ahnt, dass mit „Otto“ etwas nicht stimmt.

Frangiskos Kakoulakis und Max von der Groeben in „Das gewisse Etwas“ (Constantin Film)
Frangiskos Kakoulakis und Max von der Groeben in „Das gewisse Etwas“ (Constantin Film)

Ein Ensemble, das den Film trägt

Regisseur Marc Rothemund („Groupies bleiben nicht zum Frühstück“) hatte schon immer ein gutes Gespür für seine Figuren, davon profitiert auch „Das gewisse Etwas“. Max von der Groeben („Fack Ju Göhte“-Filme) ist als Alex von der ersten Minute an ein Sympathieträger. Das ist durchaus bemerkenswert, schließlich ist der Mann gerade an einem Juwelenraub beteiligt gewesen. Von der Groeben spielt ihn aber nicht als coolen Ganoven, sondern als Typen, der sich ziemlich schnell in einer Situation wiederfindet, die er überhaupt nicht im Griff hat. Mit Co-Star Mala Emde („Köln 75“) stimmt die Chemie. Die ungewöhnliche Romanze zwischen Alex und Polly ist charmant, gerade weil sie nicht ständig mit Bedeutung aufgeladen wird.

Die interessanteste Rolle bekommt jedoch Florian Lukas (Kult in „Absolute Giganten“). Sein Karlo ist ein knorriger Kleingauner, der nicht plötzlich zum Musterpapa mutiert. Trotzdem blitzt immer wieder ein weicher Kern durch. Lukas hält diese beiden Seiten zusammen, ohne Karlo glattzubügeln. Dadurch ist er die ambivalenteste Figur des Films – und die spannendste. Die übrigen Charaktere sind deutlich einfacher gestrickt.

Mala Emde und Max von der Groeben in „Das gewisse Etwas“ (© Constantin Film)
Mala Emde und Max von der Groeben in „Das gewisse Etwas“ (© Constantin Film)

Dafür hat Rothemund bei der Besetzung der Menschen mit Beeinträchtigung ein sehr gutes Händchen. Sie wirken nicht wie Figuren, die eigens dafür erfunden wurden, dem Publikum eine Lektion zu erteilen. Sie sind einfach Teil dieser Reisegruppe. Dabei sticht Frangiskos Kakoulakis heraus. Seine Figur Charlie hat den Schalk im Nacken und merkt als Erster, dass Alex‘ Geschichte nicht aufgeht. Daraus entstehen einige der besten Gags. Besonders angenehm: Der Humor macht sich nicht über die Figuren lustig. Selbst Alex‘ Verrenkungen, eine Behinderung vorzutäuschen, darf komisch sein, ohne gleich die Gutmenschenpolizei am Kinoausgang steht. Diese Balance muss man erst einmal hinbekommen.

Das französische Original bleibt spürbar

Wer „Was ist schon normal?“ kennt, wird allerdings kaum überrascht werden. „Das gewisse Etwas“ übernimmt die Grundkonstellation, die Figuren und zahlreiche Situationen ziemlich unverblümt. Der Wechsel von Frankreich in die bayerischen Alpen gibt dem Ganzen ein anderes Ambiente, mehr aber auch nicht. Die deutsche Besetzung bringt ihre eigenen Eigenheiten mit, die Geschichte selbst bleibt weitgehend dieselbe. Das ist weniger eine Neuinterpretation als eine deutsche Variante eines noch jungen französischen Erfolgsfilms.

Simon Rupp und Florian Lukas in „Das gewisse Etwas“ (© Constantin Film)
Simon Rupp und Florian Lukas in „Das gewisse Etwas“ (© Constantin Film)

Dazu kommen ein paar Logiklöcher, die man besser nicht allzu lange verfolgt. Für einen Juwelenraub sind die Konsequenzen für Alex und Karlo erstaunlich überschaubar. Die Komödie setzt darauf, dass man solche Dinge einfach hinnimmt. Das kann man. Denn sobald die Schauspieler wieder übernehmen, gerät die Frage nach der Plausibilität schnell in den Hintergrund. Rothemund hat vor allem verstanden, dass dieser Stoff keine schwere Botschaft braucht. Die Figuren dürfen sich kennenlernen, aneinandergeraten und gemeinsam Unsinn machen. Das reicht für einen unterhaltsamen Kinoabend.

Fazit: „Das gewisse Etwas“ ist kein Remake, das seinem französischen Vorbild eine neue Seite abgewinnt. Dafür ist die Vorlage noch zu präsent und die eigene Dramaturgie zu wenig ausgeprägt. Trotzdem funktioniert die deutsche Version erstaunlich gut. Das liegt weniger am Drehbuch als an den Darstellern, am lockeren Umgang mit dem Thema Inklusion und an Marc Rothemunds Gespür für einen warmen, nie allzu sentimentalen Ton. „Das gewisse Etwas“ ist eine Komödie, bei der man sich ziemlich wohlfühlen kann.

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