Das Ding mit Federn – Kritik

Filmkritik

4/5

Eine verstörende Reise in die Abgründe der menschlichen Trauer

„Das Ding mit Federn“ verbindet Trauerdrama und Horror zu einer beklemmenden Reise, getragen von Benedict Cumberbatchs intensiver Darstellung.

Dylan Southerns Kinodebüt „Das Ding mit Federn“, basierend auf dem Roman „Trauer ist das Ding mit Federn“ von Max Porter, ist ein Film, der sich nicht leicht einordnen lässt. Er ist eine Mischung aus psychologischem Drama mit Horrorelementen und sogar ein wenig schwarzem Humor – definitiv ein mutiges und anspruchsvolles Filmprojekt, das nicht für jeden Zuschauer geeignet ist. Wer sich jedoch auf eine verstörende und tiefgründige Reise einlassen möchte, wird mit einer beeindruckenden schauspielerischen Leistung und einer beklemmenden Atmosphäre belohnt. Im Zentrum der Handlung steht die Trauerbewältigung eines Witwers (gespielt von Benedict Cumberbatch) und seiner beiden Söhne. Getragen wird der Film allein von Cumberbatchs herausragender Performance.

Darum geht’s in „The Thing With Feathers“

Die Geschichte folgt einem Mann (Benedict Cumberbatch), der mit dem plötzlichen und unerwarteten Tod seiner Frau (Claire Cartwright) konfrontiert wird. Dem Zeichner und seinen beiden Söhnen (Richard Boxall, Henry Boxall) wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Der Witwer verliert zunehmend den Bezug zur Realität. Seine Trauer manifestiert sich in Form einer bedrohlichen, menschenähnlichen Krähe (Stimme: David Thewlis), die einer seiner Illustrationen entsprungen zu sein scheint. Sie verfolgt und quält ihn.

Was als Schreckensszenario beginnt, entwickelt sich zu einem Kampf zwischen der trauernden Familie und ihrem ungebetenen, unberechenbaren Hausgast und Peiniger. Wochen und Monate verbringen der Vater und seine Söhne unter der Belagerung durch die Krähe und sehen sich schließlich gezwungen, sich mit ihrer Trauer auseinanderzusetzen und sich mit dem neuen Familiengefüge vertraut zu machen. Die Grenzen zwischen Realität und Einbildung verschwimmen, und der Zuschauer wird in einen Strudel aus Verzweiflung und Angst gezogen.

Benedict Cumberbatch in „The Thing With Feathers“ (© Lobo Films)
Benedict Cumberbatch in „The Thing With Feathers“ (© Lobo Films)

Benedict Cumberbatch und visuelle Poesie

„Das Ding mit Federn“ ruht auf zwei tragenden Säulen: Benedict Cumberbatch („Doctor Strange“, „The Power Of The Dog”) und die visuelle Gestaltung. Das Herzstück des Films ist zweifellos Cumberbatchs beeindruckende Darstellung des trauernden Witwers. Er verkörpert die Figur mit einer Intensität und Verletzlichkeit, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. Cumberbatchs Fähigkeit, die Nuancen von Trauer, Verzweiflung und langsamen Zerfall darzustellen, ist schlichtweg meisterhaft. Seine Performance ist, abgesehen von der visuellen Poesie, der alleinige Träger des Films.

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Düstere, unheilvolle Atmosphäre

Regisseur Dylan Southern schafft eine düstere, unheilvolle Atmosphäre, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Die visuelle Gestaltung des Films ist beeindruckend und trägt zur beklemmenden Stimmung bei. Die Farbpalette ist oft gedämpft, mit vielen Grautönen und dunklen Schattierungen, was den Zuschauern definitiv „Herbst-Blues“-Vibes vermittelt. Dies spiegelt vor allem die innere Welt der Hauptfigur wider, die von Trauer und Verzweiflung beherrscht wird. Die Kameraarbeit ist oft unruhig und beklemmend, was die psychische Instabilität der Figur unterstreicht.

Southern setzt vor allem auf visuelle Metaphern, um die inneren Konflikte der Figur darzustellen. Die Krähe ist dabei das offensichtlichste Symbol, aber auch andere Elemente wie dunkle Wälder, verlassene Orte und Spiegelbilder tragen zur symbolischen Tiefe des Films bei. Das Spiel mit Licht und Schatten rundet die visuelle Poesie des Films ab.

Benedict Cumberbatch in „Das Ding mit Federn“ (© Plaion Pictures)
Benedict Cumberbatch in „Das Ding mit Federn“ (© Plaion Pictures)

Die Krähe als Symbol

In vielen Kulturen ist der Rabe/die Krähe ein Symbol für Tod, Unglück und Trauer. In „The Thing With Feathers“ verkörpert die Krähe die überwältigende Trauer, die die Hauptfigur empfindet. Die Krähe ist wie eine dunkle Manifestation des Verlusts, die den Protagonisten verfolgt und quält. Ihre Präsenz verwischt die Grenzen zwischen Realität und Einbildung. Der Zuschauer wird in die subjektive Wahrnehmung der Hauptfigur hineingezogen und erlebt die Welt durch seine verzerrte Linse.

Aber die Krähe hat auch eine andere wichtige Funktion: Sie hilft ihm, seine Verzweiflung zu bekämpfen und die Trauer zu verarbeiten. Vor allem an dem Punkt, an dem sich der Mann aufgeben und der eigenen inneren Zerstörung hingeben möchte, ist die Krähe da und „beschützt“ ihn.

Unausgeglichen und langsam

Obwohl der Film in vielen Aspekten brilliert, gibt es auch Raum für Kritik. Teilweise ist die Handlung an manchen Punkten etwas zäh und schleppend. Und auch die Balance zwischen den verschiedenen Genres Horror, Drama und Humor ist nicht immer im Gleichgewicht. Einige Zuschauer könnten daher diese langsame Erzählweise oder die gelegentliche Unausgewogenheit der Genres bemängeln.

„Das Ding mit Federn“ ist also mehr als nur ein Horrorfilm. Er beschäftigt sich mit tiefgreifenden Themen wie Trauer, Verlust und der Konfrontation mit dem Unfassbaren – wirkt am Ende dann aber doch wieder Drama-like etwas zu kitschig und klischeehaft.

Fazit: „Das Ding mit Federn“ ist ein Film, der polarisiert. Er ist kein übliches Mainstream-Kinoprodukt und richtet sich an ein Publikum, das bereit ist, sich auf eine anspruchsvolle und verstörende Filmerfahrung einzulassen. Wer sich jedoch auf diese Reise einlässt, wird mit einer außergewöhnlichen schauspielerischen Leistung, einer eindringlichen Atmosphäre und einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche belohnt. Herzstück des Films ist Benedict Cumberbatch, der eine meisterhafte Darstellung eines Mannes am Rande des Wahnsinns liefert. Er fängt die Tiefe der Trauer und die Verzweiflung seiner Figur auf bemerkenswerte Weise ein.

Dylan Southern hat mit diesem Werk ein mutiges und unkonventionelles Filmerlebnis geschaffen, das sich nicht scheut, die dunklen Abgründe der menschlichen Seele zu erkunden. Der Film ist eine eindringliche Meditation über Trauer und Verlust, die den Zuschauer noch lange nach dem Abspann beschäftigt.

Wir haben „Das Ding mit Federn“ auf der Berlinale 2025 gesehen, wo der Film in der Reihe „Berlinale Special Gala“ lief und seine Europapremiere feierte.

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