Mit „Damaged“ versucht sich Regisseur Terry McDonough an einem düsteren Serienkiller-Thriller, der zwischen US-Cop-Drama und schottischem Ermittlungssetting pendelt. Der Ton ist brutal, kippt jedoch zuweilen ins unfreiwillig Komische. Trotz prominenter Besetzung bleibt der Film erstaunlich kraftlos.
Serienkiller-Filme gehören zu den langlebigsten, zugleich aber am stärksten ausgereizten Spielarten des Kriminalkinos. Zwischen genreprägenden Meilensteinen wie „Sieben“, „Zodiac“ und der allgegenwärtigen Serialität moderner TV-Formate ist die Fallhöhe hoch. Wer heute noch mit Mordmustern, traumatisierten Ermittlern und moralischen Abgründen operieren will, braucht formale Konsequenz oder erzählerische Raffinesse. „Damaged“ besitzt weder das eine noch das andere. Der Film wirkt wie ein Relikt aus der Ära des gediegenen Fernsehkrimis – allerdings ohne dessen narrative Disziplin. Was als potenziell spannender Serienkillerfall mit transatlantischem Ermittlerduo beginnt, entpuppt sich schnell als mechanisches Abspulen altbekannter Genreversatzstücke, deren todernster Vortrag jede Spannung untergräbt und den Film ungewollt ins Groteske treibt. Dass am Ende sogar die eigene Prämisse ad absurdum geführt wird, wirkt weniger wie kalkulierte Provokation als wie erzählerischer Kontrollverlust.
Handlung von „Damaged“
Im Zentrum steht Dan Lawson (Samuel L. Jackson), ein abgerockter Chicagoer Mordermittler mit ausgeprägtem Alkoholproblem. Sechs Jahre nach einer nicht abgeschlossenen Mordserie wird er von den schottischen Behörden nach Edinburgh geholt, um bei der Aufklärung neuer, auffallend ähnlicher Taten zu helfen. Gemeinsam mit Detective Inspector Glen Boyd (Gianni Capaldi) folgt Lawson den Spuren eines Täters, dessen Vorgehen unheimliche Parallelen zu seiner eigenen Vergangenheit aufweist. Die Opfer werden brutal zugerichtet, die Tatorte scheinen einem Muster zu folgen. Zunächst gerät der religiöse Fanatiker Colin McGregor (John Hannah) ins Visier der Ermittler, dessen ehemalige Partnerin unter den Toten ist. Als der Fall ins Stocken gerät, stößt Lawsons früherer Kollege Walter Bravo (Vincent Cassel) hinzu, der inzwischen in Schottland lebt.
Zwischen Serienkiller-Mythos und unfreiwilliger Selbstparodie
Wer sich bei der durchaus vielversprechenden Ausgangslage ein Crossover aus der kalten Präzision von „Sieben“ und dem atmosphärischen Reiz der großartigen Kult-Krimiserie „Mord in Schottland“ ausmalt, wird allerdings auf allen Ebenen enttäuscht. „Damaged“ nutzt weder das schottische Setting als erzählerische Figur noch findet er die düstere Konsequenz, die ein Serienkillerstoff dieser Bauart braucht. Edinburgh bleibt eine graue Kulisse, statt ein schillernder Charakter zu sein.
„Damaged“ möchte vieles zugleich sein: eine Studie über Obsession, ein Film über Schuld und Verdrängung, das Porträt eines Ermittlers am Rand des Abgrunds. Doch diese Ansprüche bleiben reine Behauptung. Statt psychologischer Verdichtung und produktiver Ambivalenz liefert der Film eindimensionale Figuren ohne innere Logik; selbst der kulturelle Clash eines US-Cops in Schottland wird lediglich behauptet, nie erzählerisch eingelöst.
Besonders bizarr gerät der finale Megatwist. Entweder erkennt man ihn bereits in der ersten Szene – dort allerdings so plump angedeutet, dass jede Spannung sofort verpufft – oder man lässt sich von einem zweiten, über weite Strecken des letzten Aktes nahezu penetrant präsentierten Täter in die Irre führen. In beiden Fällen bleibt am Ende vor allem Ermüdung. Was als Schockmoment gedacht ist, wirkt wie ein schlechter Witz und entlarvt das Drehbuch als erstaunlich einfallslos. Die drastisch inszenierten Mordsequenzen stehen dabei in einem seltsamen Missverhältnis zur insgesamt flachen Inszenierung. Der Effekt ist weniger verstörend als schlicht trashig.
Samuel L. Jackson im schauspielerischen Nirwana
Schauspielgrande Samuel L. Jackson („Argylle“) bringt zwar seine gewohnte Präsenz mit, scheint jedoch selbst nicht recht zu wissen, was er mit dieser Rolle anfangen soll. Die Konsequenz ist ein permanentes Overacting, das eher kaschiert als vertieft. Besonders befremdlich ist der Umgang mit Lawsons Alkoholabhängigkeit, die der Film beinahe zelebriert und von keiner anderen Figur auch nur ansatzweise reflektieren lässt.
Visuell bleibt „Damaged“ auf dem Niveau eines durchschnittlichen TV-Krimis. Die Kamera arbeitet funktional, ohne Akzente zu setzen, die knallige Musik illustriert statt zu kommentieren, und der Schnitt findet kaum einen eigenen Rhythmus. Die explizit ausgespielte Gewalt mag für sich genommen schockieren wollen, steht jedoch in keinem Verhältnis zur emotionalen Wirkung des Films.
Fazit: Regisseur Terry McDonough verliert in „Damaged“ die Kontrolle über Stoff, Ton und Dramaturgie seines Serienkiller-Thrillers. Trotz namhafter Besetzung versinkt der Film in einem Sumpf aus Klischees, schwachem Drehbuch und einer grotesken Schlusswendung, die eher Kopfschütteln als Erkenntnis hinterlässt. Was bleibt, ist ein zäher, unerquicklich gespielter Krimi, der sein Publikum geistig eher erschöpft als herausfordert.
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