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23.05.2024
Jonny Campbell serviert mit „Cold Storage“ eine trashige Sci-Fi-Horror-Komödie über einen mutierten Killerpilz – ironisch, blutig und mit bewusst überdrehtem B-Movie-Herz.
Wenn jemand wie David Koepp, einer von Hollywoods renommiertesten Drehbuchautoren, der für Skripts zu „Jurassic Park“, „Mission: Impossible“, „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ oder „Black Bag“ steht, seinen Debütroman veröffentlicht, überrascht es durchaus, dass mit „Cold Storage“ ausgerechnet eine leichtgewichtige, trashige Sci-Fi-Horror-Komödie entsteht. Kaum verwunderlich ist hingegen, dass diese literarische Fingerübung aus dem Jahr 2019 rasch ihren Weg auf die Leinwand findet – schließlich bewegt sie sich auf vertrautem Terrain. Das Genre lebt seit jeher davon, wissenschaftliche Experimente spektakulär aus dem Ruder laufen zu lassen. Von außerirdischen Parasiten bis zu mutierenden Viren dient die Angst vor biologischen Katastrophen immer wieder als Projektionsfläche gesellschaftlicher Unsicherheiten. „Cold Storage“ reiht sich bewusst in diese Tradition ein und versteht sich als augenzwinkernde Hommage an die Creature-Features der 1980er und 1990er Jahre. Regisseur Jonny Campbell verzichtet dabei konsequent auf Genre-Neuerfindungen und setzt stattdessen auf nostalgischen B-Movie-Charme. Der Film zielt weniger auf subtilen Horror als auf lustvoll eskalierende Unterhaltung. Wer sich auf diesen Ton einlässt, bekommt eine launige Mischung aus Spannung, grotesker Komik und bewusstem Over-the-Top-Inszenierungswillen serviert.
Ausgangspunkt der Handlung ist ein Relikt aus der Raumfahrtära. Ein Sauerstofftank der Raumstation Skylab übersteht Ende der 1970er Jahre den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und stürzt in Australien ab. Was zunächst wie ein kurioses Sammlerstück wirkt, entpuppt sich als Relikt eines militärischen Experiments, bei dem ein hochinfektiöser Pilz gezüchtet wurde. Jahrzehnte später lagert das Militär eine Probe des Organismus in einem streng gesicherten Kühlbunker unter einer scheinbar harmlosen Self-Storage-Anlage im US-Bundesstaat Kansas. Als ein technischer Defekt die Sicherheitssysteme lahmlegt, beginnt der Pilz erneut zu wachsen – und entwickelt schnell ein tödliches Eigenleben. Während Regierungsveteran Robert Quinn (Liam Neeson) gemeinsam mit seiner ehemaligen Kollegin Trini Romano (Lesley Manville) versucht, die Katastrophe einzudämmen, geraten die Nachtwachen Travis (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell) unfreiwillig ins Zentrum der Eskalation. Zwischen mutierenden Kreaturen, sich rasend schnell ausbreitenden Infektionen und militärischer Geheimhaltung kämpfen sie ums nackte Überleben.

Für „Cold Storage“ adaptiert David Koepp seinen eigenen Roman, überlässt die Regie jedoch Jonny Campbell („Alien Autopsy“). Die Verfilmung lebt vor allem von ihrer bewussten Rückbesinnung auf klassische Monsterfilme. Das B-Movie spielt genüsslich mit der Faszination biologischer Bedrohungen und kombiniert diese mit einer ironischen Distanz, die das Geschehen zugleich ernst nimmt und kommentiert.
Der Prolog in Australien erinnert atmosphärisch an Robert Wises legendären Virenklassiker „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (1971), doch schnell wird klar, dass Campbell einen deutlich flapsigeren Ton anschlägt als die Verfilmung von Michael Crichtons fesselndem Debütroman aus dem Jahr 1969. Statt subtilem Nervenzerren setzt er auf humorvolle Eskalation. Der mutierende Pilz fungiert dabei weniger als metaphysische Bedrohung, denn als augenzwinkerndes Sinnbild menschlicher Hybris und militärischer Geheimhaltung.

Thematisch bewegt sich „Cold Storage“ auf vertrautem Terrain, nutzt dieses jedoch als Spielfläche für groteske Übertreibungen und überzeichnete Katastrophenszenarien. Campbell gelingt dabei eine solide Balance zwischen Horror, Komödie und einem Hauch von Satire, auch wenn die narrative Entwicklung selten überraschende Wege einschlägt. Campbell setzt stärker auf Tempo, Splatter-Effekte und trashige Schauwerte als auf komplexe Subtexte. Tiefe sucht man hier vergeblich – Unterhaltungswert dagegen findet sich in erstaunlich stabiler Dosierung.
Inszenatorisch bedient sich der Regisseur klassischer Genre-Mechaniken. Die Kameraarbeit bleibt funktional, Schnitt und Musik treiben gezielt die Spannung voran, ohne stilistische Experimente zu wagen. Besonders die Gore-Effekte überzeugen durch handwerkliche Kreativität, während die digitalen Effekte nicht in jeder Szene dieselbe Überzeugungskraft entfalten. Ausgerechnet diese gelegentliche Unperfektheit trägt jedoch maßgeblich zum nostalgischen Trash-Charme bei.
Den emotionalen Motor des Films bildet das Zusammenspiel von Georgina Campbell („Barbarian“) und Joe Keery („Stranger Things“). Beide verleihen ihren Figuren eine immer sympathische Mischung aus Überforderung und Improvisationslust, wodurch das Zuschauerinteresse selbst in den absurdesten Situationen erhalten bleibt. Vor allem ihre nerdig-verspielte Dynamik sorgt für zahlreiche humorvolle Entlastungsmomente.

Liam Neeson („Die nackte Kanone“) befindet sich sichtbar in seiner dritten Karrierephase – nach ernsthaftem Charakterdarsteller und spätberufenem Actionhelden. Hier liefert er erneut eine selbstironische Performance, in der er genüsslich-stur mit seinem etablierten Action-Image spielt. Vanessa Redgrave („Wiedersehen in Howards End“) und Lesley Manville („Der seidene Faden“) ergänzen das Ensemble mit routinierter Präsenz, bleiben allerdings erzählerisch etwas unterfordert.
Fazit: Jonny Campbells „Cold Storage“ ist eine unterhaltsame Sci-Fi-Horror-Komödie, die sich mit sichtbarer Freude den Traditionen des B-Movie-Kinos verschreibt. Trotz fehlender Innovation überzeugt die Buchverfilmung durch sein spielfreudiges Ensemble, solide Spannungsmomente und eine selbstironische Genreverbeugung. Wer nach originellen Neuerfindungen sucht, wird hier kaum fündig – Fans klassischer Creature-Features erhalten dagegen einen kurzweiligen, charmant überdrehten Comedy-Horrortrip. Solide Genrekost mit sympathischem Augenzwinkern.