
Die weltweit erfolgreichsten Filme 2026: „Michael“ kratzt schon an 600-Millionen-Dollar-Marke
12.05.2026
Epischer Western über Landrausch, Moral und Rassismus: „Cimarron“ überzeugt als intensives Charakterdrama trotz Produktionsproblemen.
Mit seinen „Meilensteinwestern“ hatte Anthony Mann das Genre in den 50er Jahren erwachsen werden lassen und immer wieder die Geschichte von sozialen Außenseitern erzählt, die in den Schoß der Gesellschaft zurückkehren mussten. 1959 ging Mann einen nächsten Karriereschritt. Er drehte sein erstes Epos und gleichzeitig seinen letzten Western: „Cimarron“.
Im April 1889 geben die Vereinigten Staaten die letzten großen unberührten Gebiete des Westens in Oklahoma zur Besiedelung frei. Unter den tausenden Abenteurern, die sich an der Grenze versammelt haben, befindet sich auch Yancey Cravat (Glenn Ford), der mit seiner Frau Sabra (Maria Schell) ein Stück Farmland besetzen will. Doch nachdem ihm sein Traumland vor der Nase weggeschnappt wurde, beschließt Yancey, die Zeitung eines alten Freundes zu übernehmen. Sabra ist zufrieden, dass ihr Mann einen ehrbaren Job übernimmt, doch Yancey gehört zu jener Art Pionieren, die der Zivilisation den Weg ebnen, sich aber nicht von ihr einholen lassen wollen.

Der auf einem Roman von Edna Ferber basierende Western „Cimarron“ stellte einen Versuch Hollywoods dar, einem der populärsten Genres der Fünfziger, dem aber aufgrund der Konkurrenz durch den Fernseher langsam die Luft ausging, durch epische Breite neues Leben einzuhauchen. Dafür heuerte man mit Anthony Mann einen der erfolgreichsten und populärsten Regisseure dieses Genres an und stellte ihm mit 5,4 Millionen Dollar ein üppiges Budget zur Verfügung.
Und Mann war durchaus ein Regisseur, der zeigen konnte, was seine Filme gekostet haben. Die Eröffnungsszenen rund um den spektakulären Oklahoma Land Run sind in tollen Bildern, actionreich und dramatisch in Szene gesetzt. Allerdings überwarf sich der Regisseur bald mit den Produzenten und konnte den Film nicht fertigstellen, ebenso wie sein erstes episches Projekt „Spartakus“, wo er von Hauptdarsteller und Co-Produzent Kirk Douglas gefeuert und durch den jungen Stanley Kubrick ersetzt wurde.
„Cimarron“ sollte überwiegend an On-Location-Sets gedreht werden, doch als es aufgrund von Stürmen zu Drehverzögerungen kam, drängte MGM Mann, die Stadtszenen im Studio zu drehen, was dieser nicht wollte, weswegen er das Projekt verließ. Er wurde durch Charles Walters ersetzt, der eher durch seichte Komödien und Familienfilme bekannt war. Obwohl das Drehbuch an einigen Stellen geändert wurde – ursprünglich sollte Glenn Ford einen heroischen Tod auf der Leinwand sterben – trägt der fertige Film dennoch weitgehend Manns Handschrift und überzeugt vor allem als Charakterdrama.
Aus heutiger Sicht interessant ist vor allem die Rolle der indigenen Bevölkerung und wie die beiden Hauptcharaktere durch ihre Haltung zu ihnen definiert werden. Im Zuge des Oklahoma Land Rush versucht auch die Familie Red Feather – die übrigens durchgehend von Native Americans gespielt wurde – ein Stück Land zu gewinnen, sieht sich dabei jedoch von Beginn an Anfeindungen weißer Rassisten ausgesetzt.
Auch interessant: Weitere Klassiker-Kritik von Alexander Querengässer
Yancey stellt sich klar auf die Seite der Indianer und es entsteht ein erster peinlicher Moment, als Sabra ihm vorwirft, in einer Schlägerei sein Leben „nur“ für ein paar Indianer riskiert zu haben, was sie selbst jedoch sofort bereut. Letztendlich kann Yancey weder die Ermordung von Familienvater Ben Red Feather noch den Ausschluss der Tochter von der neugegründeten Schule verhindern.
„Die Beschränktheit, die aus ihnen spricht, wollen sie auch unseren Kindern einhämmern“, kommentiert er verdrossen die Ablehnung der Schulkommission. Aus heutiger Sicht würde man vielleicht kritisieren, dass die Aufnahme der jungen Ruby Red Feather an eine „weiße Schule“ nur deren kulturelle Assimilation bedeuten würde. Doch zum einen würde dies dem historischen Prozess entsprechen, zum anderen liegt die Kernaussage des Films woanders.
Er möchte den Rassismus der Weißen anprangern und der indigenen Bevölkerung gleiche Rechte zusprechen, was ein zentrales Element der seinerzeit immer stärker auflebenden Bürgerrechtsbewegung in den USA darstellte.
Später setzt sich Yancey für einige in einem staubigen Reservat lebende Indianer ein, die auf ihrem Gebiet Öl gefunden haben, welches ihnen aber sein ehemaliger Freund Tom Wyatt abgenommen hat. Yancey startet eine Pressekampagne gegen Wyatt, worauf es erneut zum Streit mit seiner Frau kommt, die nun auch die Freundschaft ihres gemeinsamen Sohnes zu den Red Feathers ablehnt.
Bezeichnenderweise sind all diese Szenen in der deutschen Fassung gar nicht enthalten, vielleicht, um die von Maria Schell gespielte Sabra aufzuwerten. Dabei ist die Charakterisierung der Eheleute sehr komplex. Er ist ein Weltenbummler, der zwar der gesellschaftlichen Norm folgen möchte, aber nicht dauerhaft sesshaft bleiben kann und damit die konservativen Erwartungen seiner Frau enttäuscht. Dafür verfügt er über große moralische Integrität, was insbesondere an seiner Einstellung zu den Indianern deutlich wird.
Sabra ist das Idealbild der amerikanischen Hausfrau und in dieser Hinsicht viel konservativer und stereotyper als das Indianerbild des Films. Die häufige Abwesenheit ihres Mannes zwingt sie allerdings dazu, dessen Rolle in Beruf und Familie auszufüllen, was der Figur eine innere Stärke verleiht, die über das ihr anhaftende Klischeebild hinausreicht.
Doch in ihrem Drang, gesellschaftliche Normen zu erfüllen und sozial aufzusteigen, blitzt immer wieder eine latent rassistische Haltung auf. Dieser Makel wird der Überfigur Sabra bewusst beigefügt, um Yancey moralisch aufzuwerten. Als Yancey, sehr zur Freude Sabras, der Posten des Gouverneurs angetragen wird, zerschlägt er alle seine Chancen, weil er seine Unterstützung für die Indianer und seinen Kampf gegen Wyatt nicht aufgeben will.
In einer ironischen Verdrehung des Filmverlaufs soll Sabra am Ende des Films, als sie von Yancey verlassen wurde und durch ihre Ablehnung seiner Ehe mit Ruby Red Feather auch ihren Sohn verprellt hat, mit einem Denkmal als Verkörperung des Pioniergeistes in Oklahoma geehrt werden.
Dabei muss sie selbst sich eingestehen, dass die Zeitschrift, deren Auflage sie enorm vergrößert und deren Rentabilität sie gemehrt hat, nicht mehr den gleichen Elan hat wie zu Zeiten ihres Mannes. Es ist Yancey, der für den Pioniergeist steht, während Sabra den Einzug einer gediegenen Zivilisation verkörpert.
„Cimarron“ funktioniert in dieser Hinsicht besser als Charakterstudie denn als Western, auch wenn Regisseur Anthony Mann seinen eigenen Beitrag zum Genre mit dem Film zu einem sinnvollen Ende führt. Trotz der vielen Qualitäten, die den Film auch heute noch sehenswert machen, enttäuschte er an den Kinokassen und spielte weniger als 5 Millionen Dollar ein.