Adams Acht – Kritik

Filmkritik

2.5/5

„Adams Acht“: Oliver Masucci als legendärer Rudertrainer Karl Adam

„Adams Acht“ erzählt die Geschichte des Ratzeburger Achters, der 1960 sensationell die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rom gewonnen hat – mit dynamischen Ruderszenen, aber einem überladenen Drehbuch.

Es hätte die mitreißende deutsche Antwort auf zeitgenössische Sport-Biopics werden können: Die wahre Geschichte des legendären Ratzeburger Achters und seines visionären Trainers Karl Adam bietet historischen Zündstoff, athletische Eleganz und puren Pioniergeist. Doch Hannu Salonens „Adams Acht“ verhebt sich an seinen eigenen Ansprüchen und bleibt spürbar hinter seinem Potenzial zurück.

Die Handlung: Ein bekanntes Stück Sportgeschichte

Ende der 1950er-Jahre formt der Ratzeburger Lehrer Karl Adam (Oliver Masucci) aus einer bunten Truppe junger Außenseiter einen Ruderachter. Mit unkonventionellen Trainingsmethoden trotzt er dem eisernen Konservativismus etablierter Sportfunktionäre und führt seine Mannschaft zu unerwarteten Erfolgen. Doch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der deutschen Teilung müssen die Athleten nicht nur gegen die Konkurrenz auf dem Wasser, sondern auch mit persönlichen und gesellschaftlichen Konflikten kämpfen, um sich ihren Traum von den Olympischen Spielen in Rom zu erfüllen.

Leonard Kunz, Oliver Masucci und Nick Romeo in „Adams Acht“ (Majestic Filmverleih)
Leonard Kunz, Oliver Masucci und Nick Romeo in „Adams Acht“ (Majestic Filmverleih)

Dynamik auf dem Wasser, Flaute an Land

Man muss „Adams Acht“ eines lassen: Wenn Regisseur Hannu Salonen („Oktoberfest 1900“) seine Kamera auf den Ratzeburger See schickt, entfaltet das Sport-Drama eine physisch greifbare Wucht. Die Ruderszenen sind dynamisch, virtuos und voller Spannung inszeniert. Der Rhythmus der Ruderschläge, das Aufpeitschen des Wassers und der Schweiß der Athleten übertragen sich spürbar auf das Publikum.

Doch sobald das Boot anlegt und das Biopic festen Boden unter den Füßen betreten sollte, gerät die Erzählung ins Schlingern. Statt sich fokussiert auf die sportlichen Meilensteine und die Psychologie der Mannschaft zu konzentrieren, versuchen die Drehbuchautoren Domenik Pockberger und Stephan Falk verzweifelt, von allem etwas zu bieten: Ein bisschen Liebesdrama, ein Hauch Polit-Thriller und ein allgemeines Gesellschaftsporträt. Das Ergebnis ist eine Überladung an Handlungssträngen.

„Adams Acht“ verliert sich in den Schicksalen seiner Nebenfiguren, ohne ihnen je die nötige Tiefe zu verleihen. Selbst die Schlüsselfigur Karl Adam bleibt überraschend oberflächlich – man fragt sich bis zum Abspann, was diesen Mann im Innersten wirklich antrieb.

Prominente Besetzung im Leerlauf

Besonders bedauerlich ist dieser dramaturgische Wildwuchs mit Blick auf das Ensemble. Mit Darstellerinnen und Darstellern wie Oliver Masucci, Svenja Jung, Felix Kammerer, Stephanie Amarell und Heino Ferch bietet der Film eine der stärksten Besetzungen des aktuellen deutschen Kinos. Jeder für sich hat schauspielerisch viel auf dem Kasten.

Leon Kleinschmidt, Leonard Kunz und Vito Wiesner in „Adams Acht“ (© Majestic)
Leon Kleinschmidt, Leonard Kunz und Vito Wiesner in „Adams Acht“ (© Majestic)

Doch das Star-Ensemble dümpelt in „Adams Acht“ darstellerisch leider nur vor sich hin. Keiner der Akteure bekommt vom Drehbuch das Material an die Hand, um wirklich zu glänzen oder emotionale Tiefe zu entfalten. Das liegt keineswegs am Können des Casts, sondern an der hölzernen Figurenzeichnung und der doch eher unentschlossenen Inszenierung des Stoffs.

Starkes Setting rettet die Atmosphäre

Ein klarer Pluspunkt auf der Habenseite ist das visuelle Handwerk. Die Ausstattung, das Szenenbild und die zeitgenössischen Kostüme fangen die Ära der späten 1950er-Jahre hervorragend ein. Die gedrückte, spannungsgeladene Atmosphäre des Kalten Krieges ist in den Bildern stets präsent und verleiht dem Film ein glaubwürdiges historisches Fundament.

Fazit: „Adams Acht“ ist visuell und atmosphärisch solide, enttäuscht jedoch auf erzählerischer, inszenatorischer und ja auch auf der schauspielerischen Ebene. Was ein mitreißendes Epos über sportlichen Pioniergeist hätte werden können, verflacht zu einem überladenen Melodram. Die dynamischen Ruderszenen, das authentische Szenenbild und die gelungene Kalter-Kriegs-Atmosphäre können das überladene Drehbuch und die flache Charakterzeichnung nicht wettmachen. Da hilft leider auch kein starkes Schauspielensemble, wenn dieses weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Dadurch wird „Adams Acht“ bedauerlicherweise eher ein mittelmäßiger Fernsehfilm als ein Werk, das die große Kinoleinwand fordert.

Trailer

Hinter den Kulissen

Hintergrund der Produktion

„Adams Acht“ basiert auf der wahren Geschichte des Ratzeburger Rudertrainers Karl Adam und des Deutschland-Achters, der bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom die Goldmedaille gewann. Regie führte Hannu Salonen, das Drehbuch stammt von Domenik Pockberger und Stephan Falk. Oliver Masucci spielt Adam, Felix Kammerer den Ruderer Hans Lenk und Leonard Kunz den jungen Manfred Rulffs. Zum Achter gehören außerdem Nick Romeo Reimann, Vito Wiesner sowie Leon Kleinschmidt, Jakob Schmölzer, Till Neumann, Oscar Krause und Moritz Wolff.

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Die Dreharbeiten fanden vom 11. August bis zum 25. September 2025 in Schleswig-Holstein und der Slowakei statt. Ein großer Teil der Aufnahmen entstand an den historischen Schauplätzen in Ratzeburg, darunter beim Ratzeburger Ruderclub und am Küchensee. Dort wurde auch auf dem Wasser gedreht; insgesamt gab es zwölf Drehtage mit Ruderaufnahmen. Für die Filmaufnahmen wurde der Küchensee zeitweise teilweise gesperrt. Weitere Dreharbeiten fanden in Bratislava und Piešťany statt.

Für die Ruderszenen griff die Produktion nicht ausschließlich auf Schauspieler zurück. Bei den Aufnahmen waren auch aktive Ruderer aus Deutschland, Tschechien und der Slowakei beteiligt. Zudem wurden historische Originalschauplätze genutzt. Das heutige Ratzeburger Rathaus war früher die Gelehrtenschule, an der Karl Adam unterrichtete, während der Ratzeburger Ruderclub und der Küchensee zu den zentralen Orten seiner Trainingsarbeit gehörten. Für die Filmproduktion wurden außerdem historische Boote für die Dreharbeiten aufbereitet.

Die Produktion entstand unter anderem mit Unterstützung des Deutschen Filmförderfonds, der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und des Slovak Audiovisual Fund. Die Filmmusik stammt von Karim Sebastian Elias, die Kamera führte Felix Cramer. Die Entwicklung des Projekts zog sich über mehrere Jahre: Zwischen der ersten Stoffentwicklung und der Premiere lagen nach Angaben des SWR rund acht Jahre.

Gut zu wissen

Wissenswertes

Die wahre Geschichte hinter „Adams Acht“

Der historische Deutschland-Achter gewann 1960 in Rom mit einem Endspurt die Goldmedaille. Karl Adam war dabei selbst kein ehemaliger Spitzenruderer, sondern Lehrer für Mathematik und Physik. Seine Kenntnisse aus der Physik übertrug er auf das Rudertraining und entwickelte Methoden, mit denen er den Sport in Deutschland nachhaltig beeinflusste.

Kinostart

Der deutsche Kinostart von „Adams Acht“ ist für den 17. September 2026 angesetzt.

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